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Wochenfluss: Teil des postnatalen Heilungsprozesses

Wochenfluss
Saskia
Geschrieben von Saskia

Und was passiert beim Wochenflussstau?

Menschliche Ausscheidungen sind total normal und dennoch spricht man nur ungern darüber. Das Tabu betrifft auch die Phase des Wochenbetts: Obwohl jede Neu-Mama mit dem sogenannten Wochenfluss konfrontiert wird, ist er kein großes Gesprächsthema. Wir wollen euch drauf vorbereiten, was euch erwartet und erklären, warum der Wochenfluss eine wichtige Funktion erfüllt. 


Was ist der Wochenfluss?

Um den Wochenfluss kommen Mütter kurz nach der Geburt nicht herum und er ist ein ganz gewöhnlicher Teil des postnatalen Heilungsprozesses.

Der Wochenfluss (med. Lochia) setzt nach der Geburt ein und besteht aus den Überresten der Fruchtblase, die aus der Gebärmutter ausgeschieden werden. Er unterscheidet sich stark von gewöhnlichem Ausfluss und Menstruationsblut. Scheidet ihr beispielsweise während der Periode nur zwischen 50 und 80 Milliliter aus, sind es beim Wochenfluss bis zu 500 Milliliter Blut und weitere Flüssigkeiten.

Woraus besteht der Wochenfluss?

  • Blut – es kommt von der Wunde, die die Plazenta durch das Ablösen hinterlässt (Plazentahaftstelle)
  • Gebärmutterschleimhaut
  • Käseschmiere
  • Eihaut
  • Lanugohaare
  • Kindspech/Mekonium
  • Bakterien
  • Zervixschleim
  • Wundflüssigkeit

Wie lange dauert der Wochenfluss?

Die Dauer und Stärke des Wochenflusses ist von Mutter zu Mutter und je nach Geburtsverletzungen und Geburtsart unterschiedlich. Meist dauert er zwischen zwei und sechs Wochen. Übrigens kann Stress die Dauer des Wochenflusses verlängern. Habt ihr per Kaiserschnitt entbunden, ist der Wochenfluss meist schwächer als bei einer vaginalen Geburt. Der Grund hierfür kann zum Beispiel eine Ausschabung (Curettage) sein. Da sich die Gebärmutter langsamer zurückbildet, kann er allerdings länger andauern. Stillt ihr euer Baby, sorgt die Ausschüttung des Hormons Oxytocin dafür, dass sich eure Gebärmutter schneller zusammenziehen und Geburtsreste schneller ausgeschieden werden können.

Der Wochenfluss wird in vier Stadien unterteilt, die variieren:

1. Lochia rubra (die ersten Tage nach der Geburt)

Hier ist der Wochenfluss blutrot, flüssig und stark und enthält Blut, Gebärmutterschleimhaut, Eihautreste, Käseschmiere, Lanugohaare und möglicherweise Mekonium (= grünes Fruchtwasser).

2. Lochia fusca (ca. eine Woche nach der Geburt)

Nach ungefähr einer Woche verfärbt sich der Wochenfluss bräunlich und wird dünnflüssiger. Er besteht jetzt aus Blutserum, Lymphe und weißen Blutkörperchen (Granulozyten).

3. Lochia flava (ca. zwei Wochen nach der Geburt)

Nach etwa zwei Wochen wechselt der Wochenfluss langsam seine Farbe von bräunlich zu gelblich, da er dann aus abgestorbenem Gewebe, Bakterien und Schleim besteht. Die Konsistenz wird fester beziehungsweise „rahmiger“ und die Ausscheidung schwächer.

4. Lochia Alba (ca. drei Wochen nach der Geburt)

In der Regel ist der Wochenfluss nun fast weiß, ganz schwach und sehr wässrig, da er nur noch aus Wundflüssigkeit besteht.

Welche Hygienemaßnahmen sind während des Wochenflusses wichtig?

1. Wochenbettbinden

Während des Wochenflusses sind Wochenbettbinden (Flockenwindeln) das wichtigste Hilfsmittel. Sie sind größer, weicher und saugstärker als übliche Damenbinden. Zudem haben sie keine Plastikfolie auf der Rückseite, die die Atmungsaktivität negativ beeinflusst und Infektionen begünstigt. Zu Beginn des Wochenflusses ist es ganz normal, dass ihr die Wochenbettbinde sehr häufig (ungefähr einmal pro Stunde) wechseln müsst. Hattet ihr einen Dammriss oder Dammschnitt, solltet ihr sie auf jeden Fall regelmäßig wechseln. Auch dann, wenn sie noch nicht komplett vollgesogen ist. So schützt ihr euch vor möglichen Infektionen und Entzündungen. Wenn der Ausfluss schwächer wird, könnt ihr auch zu normalen Damenbinden übergehen, solange diese ebenfalls keine Plastikfolie auf der Rückseite haben.

2. Hände waschen und Spülungen

Gründliches Händewaschen nach jedem Bindenwechsel und Toilettengang versteht sich von selbst. Reinigt euren Intimbereich nach dem Toilettengang mit klarem, lauwarmem Wasser beziehungsweise macht eine Spülung über der Toilette (beispielsweise mithilfe einer Flasche) oder dem Bidet.

Weitere Tipps bekommt ihr von eurer Nachsorgehebamme oder eurem Frauenarzt.

3. Geschlechtsverkehr mit Kondom

Generell empfehlen Ärzte und Hebammen, in den ersten sechs Wochen nach der Geburt auf Sex zu verzichten und dem Körper genug Zeit zu geben, sich zu generieren. Das ist natürlich auch von möglichen Geburtsverletzungen und der Dauer eures Wochenflusses abhängig. Um euch vor Infektionen zu schützen, verwendet zu Beginn Kondome. Hört außerdem auf euer Bauchgefühl: Ihr wisst am besten, wann ihr seelisch und körperlich wieder Lust auf Sex habt.

Was ist ein Wochenflussstau?

In Ausnahmefällen kann es auch zum sogenannten Wochenflussstau (Lochialstau) kommen, etwa wenn der Muttermund nicht weit genug geöffnet oder verstopft ist. Das wiederum führt dazu, dass sich der Wochenfluss in der Gebärmutter sammelt und sich die Plazentawunde entzünden kann.

Symptome des Wochenflussstaus

  • Wochenfluss bleibt aus oder ist sehr schwach
  • unangenehmer Geruch
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Unterbauchschmerzen

Wochenflussstau vorbeugen

Um einem Lochialstau vorzubeugen, legt euch häufiger auf den Bauch, massiert diesen regelmäßig und macht lauwarme Salz-Sitzbäder. Diese sollten nicht zu lange dauern, da Geburtsverletzungen und -narben aufweichen könnten. Teesorten, die die Rückbildung der Gebärmutter fördern, sind ebenfalls hilfreich. Lest dazu noch mal unseren Beitrag Tee in der Stillzeit.

Wann solltet ihr euren Arzt aufsuchen?

  • Wenn ihr eines oder mehrere der genannten Symptome feststellt
  • Wenn der Wochenfluss sehr stark ist
  • Wenn der Wochenfluss nach zwei bis drei Wochen immer noch blutig ist
  • Wenn der Wochenfluss plötzlich wieder stärker wird

Übrigens: Dass Themen wie Wochenfluss oder auch Menstruation und Intimpflege immer noch Tabus in der Öffentlichkeit sind, zeigte auch die diesjährige Oscarverleihung. Hier lehnten die Initiatoren einen Werbespot der Marke Frida Mom für Wochenbett-Hygieneartikel mit fragwürdiger Begründung ab.

Titelbild: © nataliaderiabina

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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