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Wieso Kinder unter der Corona-Krise leiden und wie Eltern gegensteuern können

Kinder Corona-Krise
Helena
Geschrieben von Helena

Sozial benachteiligte Kinder haben es am schwersten!

Der erneute Lockdown lässt Kinder-, Jugendärzte und Wissenschaftler Alarm schlagen. Denn natürlich bedeuten die aktuellen Corona-Maßnahmen, dass ihr eure Kinder bis mindestens Ende Januar 2021 wieder zu Hause betreuen und beim Homeschooling unterstützen müsst. Das ist hart für euch Eltern, aber noch viel härter für eure Kinder. Besonders die sozialen Umstände sorgen in vielen Familien dafür, dass es Kindern in Deutschland derzeit immer schlechter geht. Wir wollen euch daher noch mal die wichtigsten Gründe nennen, weshalb Kinder unter der Corona-Krise leiden und euch einige Tipps an die Hand geben, um eure Kinder so gut wie möglich unterstützen zu können.


Worunter leiden Kinder während der Corona-Krise?

1. Übergewicht und Homeschooling

Eine Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen im Raum Hannover aus dem Jahr 2020 zeigt beispielsweise im Vergleich zur Auswertung von 2019 eine deutliche Zunahme übergewichtiger Vorschulkinder von 5,4 auf 7,8 Prozent. Immer mehr Kinder haben seit Corona einen Fernseher in ihren Kinderzimmern, verbringen mehr Zeit mit dem Konsum von Medien und bewegen sich immer weniger. Auch die sprachlichen sowie die motorischen Fähigkeiten der Fünf- bis Sechsjährigen haben sich verschlechtert. Das Bildungsministerium schätzt, dass Schulen durch das Homeschooling rund sieben Prozent der Kinder aus den Augen verloren hat. Die Bildungsforschung zeigt außerdem, dass je länger Bildungseinrichtungen geschlossen bleiben und sich die Schließungen wiederholen, desto schlechter werden auch die bildungs- und die beruflichen Perspektiven, wodurch ebenfalls Gesundheit, Lebensqualität- und -erwartung negativ beeinflusst werden.

2. Kontaktbeschränkungen und Zunahme psychischer und physischer Erkrankungen

80 Prozent der befragten Eltern berichten, dass ihre Kinder vor allem darunter leiden, dass sie ihre Freunde nicht mehr treffen können. Bei rund einem Viertel seien die Kinder oft traurig, ängstlich und besorgt. Auch Kinderärzte beklagen, dass sich Kinder zum Beispiel wieder einnässen und dass sich Asthmaerkrankungen aufgrund von Bewegungsmangel verschlimmert haben. Auch sie können bestätigen, dass bei Kindern Ängste, Schlafstörungen und psychische Erkrankungen zunehmen.

3. Sozial benachteiligte Kinder haben es am schwersten

Ende November warnte der Direktor der EU-Agentur für Grundrechte, Michael O’Flaherty, dass vor allem die Kinder, die bereits vor Corona benachteiligt waren, während der Corona-Krise und durch die verschärften Maßnahmen noch stärker zurückgeworfen werden. Bei ihnen fehle es bereits an ausreichendem Platz, einem Computer und elterlicher Unterstützung.

4. Zunahme familiärer Gewalt

Menschenrechtsvereinigungen, Kinderkrankenhäuser und Gewaltschutzambulanzen warnen vor der zunehmenden Gewalt, die aufgrund des Lockdowns und der geschlossenen Betreuungseinrichtungen und Schulen in Familien herrsche und meist nicht erkannt wird. Auch eine Studie aus Frankreich beweist, dass durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 die Gewalt an Kindern um 50 Prozent zugenommen hat.

So könnt ihr eure Kinder in der Corona-Krise unterstützen:

1. Hilfe zur Selbsthilfe

Ihr seid mit der derzeitigen Situation stark überfordert und habt das Gefühl, euren Kindern nicht mehr gerecht werden zu können? Ihr kennt eure Grenzen am besten und werdet intuitiv spüren, ob ihr euren Alltag noch allein stemmen könnt oder ob es beispielsweise aufgrund von familiären Konflikten und finanziellen Sorgen besser ist, sich professionelle Hilfe zu suchen. Neben Ärzten und Therapeuten könnt ihr euch auch an Jugendämter und beispielsweise SOS-Kinderdörfer wenden. Hier findet ihr eine Übersicht der wichtigsten Krisentelefone.

2. Gebt euren Kindern Halt

Spürt ihr, dass es euren Kindern nicht gut geht, seid für sie da. Kleinere Kinder verstehen beispielsweise noch nicht, dass der Lockdown irgendwann wieder vorbei sein wird. Sie verstehen nur, dass sie momentan ganz viele Dinge nicht dürfen und reagieren darauf. Nehmt eure Kinder dann in den Arm, hört ihnen zu, habt Verständnis für ihre Probleme und Sorgen und sagt ihnen das auch immer wieder. Damit schafft ihr Vertrauen und stärkt eure Eltern-Kind-Bindung. Im zweiten Schritt versucht ihr gemeinsam Lösungen zu finden. Das klappt am besten, indem ihr euch gemeinsam überlegt, was euren Kindern guttut. Überlegt euch beispielsweise neue Rituale, haltet die schlechte Laune der anderen auch mal aus und flucht gemeinsam, gönnt euch allen kleine und regelmäßige Auszeiten und so weiter. Weitere Tipps findet ihr in unseren Beiträgen „So gehen eure Kinder gestärkt aus der Corona-Krise hervor“ und “Coronavirus: So verbindet ihr Homeoffice mit Kinderbetreuung und Homeschooling”.

3. Intensive Bewegung an der frischen Luft und zu Hause

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass sich Kinder und Jugendliche täglich 60 Minuten bewegen sollten. Eine Studie belegt, dass aufgrund der Corona-Pandemie 74 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen in Deutschland keinen Sportunterricht mehr hatten. Daher liegt es derzeit an euch, dass sich eure Kinder bewegen, um Übergewicht zu vermeiden, Stress abzubauen, psychischen Krankheiten vorzubeugen und das Immunsystem zu stärken. Während des Lockdowns im Frühjahr haben sich laut einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Kinder sogar 36 Minuten länger bewegt als zuvor. Dies galt aber vor allem für Familien, die in einem Einfamilienhaus mit Garten leben. Sofern ihr einen Garten oder Spielplatz in direkter Nähe habt und eure Kinder dort allein spielen können, motiviert sie dazu, sich auch mal allein zu bewegen. Vielleicht helfen euch dabei täglich feste Zeitfenster? An den Wochenenden könnt ihr dann alle gemeinsam rausgehen. Falls euer Nachwuchs noch zu klein ist, um allein rauszugehen oder ihr keine Spielmöglichkeit vor der Türe habt, nehmt euch eine Stunde pro Tag Zeit und geht gemeinsam raus. Frische Luft und intensive Bewegung tun euch natürlich genauso gut wie euren Kids. Auch zu Hause könnt ihr dafür sorgen, dass sich eure Kinder nicht nur auf dem Bett oder der Couch herumlümmeln, sondern sich bewegen und austoben. Ein kleines Trampolin im Kinder- oder Wohnzimmer, das elterliche Bett als Hüpfburg sowie digitale Bewegungsspiele lassen sich ganz einfach in euren Alltag integrieren.

4. Positive Grundstimmung

Ein optimistischer Jahresbeginn trotz Corona ist nicht unmöglich. Achtet darauf, euch zu informieren, aber übertreibt es nicht. Wenn ihr euch und eure Kinder mehrmals täglich mit negativen Meldungen konfrontiert, ständig darüber diskutiert und euch daran erinnert, was ihr gerade alles nicht machen könnt, wird der Frust nur noch größer. Natürlich bereitet uns allen Corona große Sorgen und wir können nur hoffen, dass wir im Laufe dieses Jahres wieder irgendwann einen entspannteren und geregelteren Alltag haben. Bis dahin haben wir keine andere Wahl, als unsere Familien und unsere Mitmenschen so gut es geht zu schützen und die Krise so gut wie möglich zu meistern.  Mit einer positiven Grundstimmung klappt das am besten und wird eure Kinder darin unterstützen, weniger ängstlich, gestresst und traurig zu sein.

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Titelbild: © fizkes

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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