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Weil ich ein Mädchen bin?

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Kleine Mädchen wollen Prinzessinnen sein. Sie wollen geschminkt werden und rosa Kleidchen tragen. Sie sind zickig, hoffentlich hübsch, und ein bisschen doof. Oder?! Gegen dieses Rollenbild stellt sich der Verein Pinkstinks


Ende 2012 holte die Genderforscherin Stevie Meriel Schmiedel die Aktion Pinkstinks aus England auch nach Deutschland. Was der Verein will? Das oben beschriebene Bild von Mädchen, die angeblich von Natur aus auf Rosa-Glitzer stehen, hinterfragen, kritisieren und gegenwirken.

Mädchen und die Barbies

Mädchen- und Jungenfarben, Spielzeuge, Klamotten: Heutzutage sind quasi alle Gegenstände speziell auf die Geschlechter zugeschnitten. Eigentlich klingt das an sich nicht weiter schlimm. Was ist schon dabei? Einiges. Auch wenn es im ersten Moment sehr nach übermäßiger Verteufelung klingt: Die Prinzessin Lillifees und Barbies dieser Welt prägen ein Bild in den Köpfen unserer Kinder von dem, wie ein Mädchen oder eine Frau sein soll. Und dieses versuchen sie später zu erfüllen – was, wie wir alle wissen, zum Scheitern verurteilt ist. Selbst Modells sehen nicht aus wie Barbie. Immer mehr junge Frauen verzweifeln an irgendeinem Punkt im Leben an dem Drang, so zu werden, wie sie gefühlt sein sollen, nämlich unglaublich schön. Unglaublich im Sinne von: Unmöglich.

Sei wie du bist.

Dieser Drang und die unabwendbare Enttäuschung können bis zur Magersucht oder Bulimie führen. Das ist nichts Neues. Das wissen wir und das wisst ihr. Allerdings birgt all das folgende Hauptproblematik. Wir alle, jung und alt, männlich, weiblich und queer, sind so sehr an implizite Rollen gewöhnt, dass sie einem im Alltag nicht mehr auffallen. Dass Frauen schön sein sollen und Männer stark, ist meistens nicht böse gemeint, genau wie das Klischee vom quirligen schwulen Frisör. Es führt aber trotzdem zu Problemen und Diskriminierung. Denn: Männer, Frauen und Kinder sind in erster Linie Menschen. Und Menschen sind, auch das wissen wir alle, vielseitig. Weder sind Männer nur stark, noch Frauen nur schön – und sie sollen es auch nicht sein. Worauf diese Debatte hinaus läuft ist: Sei wie du bist.

Vereine und Kampagnen gegen Sexismus

Gegen diese Geschlechterrollen und die negativen Konsequenzen, die sie mit sich bringen können, richten sich die Kampagnen von Pinkstinks. So beispielsweise hatte Toys’R’Us auf der deutschen Webseite die Kategorien „nur für Jungen“ und „nur für Mädchen“, in denen vermeintlich geschlechterspezifische Spielzeuge angeboten wurden. Die Initiative „Let Toys Be Toys“ (etwa: Lasst Spielzeuge einfach Spielzeuge sein) machte Toys’R’Us darauf aufmerksam, dass auch diese Kategorien zum Sexismus beitragen – und das bereits im Kinderalter. Die Firma nahm diese Kritik positiv auf und vertreibt seit dem einfach Spielzeug –  Supermanfiguren und Kinderküchen für alle!

Nie wieder Puppen?!

So mancher kriegt jetzt vielleicht einen Schreck und stellt sich die Frage: Muss ich meiner Tochter jetzt ihre Puppe wegnehmen? Natürlich nicht. Kinder lieben ihr Spielzeug. Viele Mädchen lieben ihre Puppen. Wer dafür kämpft, dass Mädchen nicht NUR mit Puppen spielen, ist nicht automatisch dafür, dass kein Mädchen jemals mehr mit Puppen spielt. Worauf Vereine wie Pinkstinks hinweisen wollen sind nur zwei Dinge: Das Aussehen von Barbies wird als perfekt angesehen und die Frauen in den Medien deswegen versuchen, genau so auszusehen. Dank Photoshop und Hungerkuren kommen Modells sogar ziemlich nah an das Püppchenaussehen heran. Dabei sind wir wieder bei dem oben beschriebenen Problem. Die Kinder wachsen damit auf, so aussehen zu müssen. Was, wie gesagt, zum Scheitern verurteilt ist.

Trotzdem dürfen Mädchen immer noch mit Puppen spielen. Nur müssen sie lernen, dass Puppen Spielzeuge sind und kein Vorbild für das Leben. Dafür müssen alle an einem Stang ziehen: Hersteller, Medien, die Gesellschaft und insbesondere die Eltern.
Die andere Sache ist: Jungs sollen auch mit Puppen spielen dürfen. So wie Mädchen auch Spaß an Baggern und Lego haben. Damit aus unseren Mädchen und Jungs selbstständige Frauen und Männer werden.

 

Noch mehr emanzipierte Mädchen gibt es auch hier: http://www.youtube.com/watch?v=yLFmHW9xuuI

Titelbild: © paffy – Fotolia.com

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