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Warum Kinder ihre Eltern beschimpfen und was ihr dagegen tun könnt!

Kinder beschimpfen
Helena
Geschrieben von Helena

„Papa, ich find dich scheiße!”

„Mama, ich hab dich nicht mehr lieb!“ Haben euch eure Kinder auch schon mal so eine oder eine ähnliche verletzende Aussage um die Ohren gehauen? Wir verraten euch einige Tipps, wie ihr der wahren Botschaft auf den Grund gehen könnt, wenn Kinder euch Eltern oder andere Personen beschimpfen – und zwar ohne sie direkt zu bewerten!


Gerade Kleinkinder saugen neu aufgeschnappte Begriffe – und dazu zählen besonders gerne Schimpfwörter wie ein Schwamm auf und plappern diese ebenso gerne nach. Daher sollte man ihre Aussagen nicht gleich wörtlich nehmen. Denn ist es ein ganz natürlicher Prozess, dass Kinder erst ein Gefühl dafür entwickeln müssen, wie sie mit ihrem erlernten Vokabular umgehen und inwiefern sie andere damit verletzen können. Hinzu kommt, dass sie grundlegend ehrlich sind und somit auch aus ihrer derzeitigen Stimmung, die meist aus einem ganz bestimmten Grund oder Erlebnis heraus resultiert, kein Geheimnis machen. Eure Kinder wollen euch also etwas mitteilen. Hier verraten wir euch übrigens, was ihr von Kleinkindern lernen könnt.

5 Tipps, wie ihr Kinder, die euch beschimpfen, besser versteht!

Mit den folgenden Tipps könnt ihr in Zukunft weniger verletzt reagieren und den wahren Gründen, die eure Kinder zu ihrer Aussage bewogen haben, auf die Spur kommen:

1. Eigene Gefühle wahrnehmen und regulieren

Bevor ihr versucht, die Situation sofort zu klären, atmet erst mal tief durch und lasst das Schimpfwort oder die beleidigende Aussage eures Kindes sacken. Es ist auch okay, wenn ihr euch verletzt fühlt. Versucht dennoch, ruhig und einfühlsam zu bleiben.

Spürt eure Trigger auf

Natürlich schmerzen verletzende Aussagen eurer Kinder. Macht euch dabei aber immer wieder bewusst, dass sie nicht für eure Gefühle und eure Wahrnehmung verantwortlich sind, sondern ihr allein. Daher ist es wichtig, euren Triggern, die meist aus eurer eigenen Kindheit und Jugend stammen, auf den Grund zu gehen, statt ausschließlich eurem Nachwuchs den schwarzen Peter zuzuschieben. Dieses Wissen hilft euch übrigens auch in allen anderen Konfliktsituationen. 🙂 Lest dazu auch noch mal unseren Beitrag zu den Themen Bannbotschaften und inneres (Schatten-)Kind.

Kinder testen euch

Kinder sind sehr neugierig und wahre Meister darin, sich eure Trigger zu merken. Haben sie erst mal einen ganz bestimmten Nerv bei euch getroffen und gespürt, dass ihr darauf reagiert, wird ihre Neugier geweckt und sie reizen diese Trigger immer wieder. Übrigens machen sie das nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie ihrem ganz natürlichen Forscherdrang nachgehen und natürlich auch testen wollen, wie viel Macht sie auf ihre Eltern ausüben können. Auch dieses Verhalten ist Teil des kindlichen Entwicklungsprozesses und bedeutet nicht, dass ihr als Eltern etwas falsch gemacht habt.

2. Fragen statt bewerten

Statt ihre Aussage zu bewerten und sie dafür zu bestrafen, ist es hilfreicher, behutsam nachzufühlen, wieso eure Kinder solch eine Aussage getroffen haben:

„Oh, du musst dich ja ganz schön über mich geärgert haben. Magst du mir vielleicht davon erzählen?“

Würdet ihr ihnen stattdessen gleich sagen, dass ihr so etwas nicht mehr hören wollt, verhindert ihr, dass ihr die eigentliche Botschaft erfahrt und kappt die Verbindung und das Vertrauen zwischen euch und euren Kindern. Indem sie sich euch trotz negativer Aussage mitteilen dürfen, lernen sie, dass sie sich in jeder Situation an euch wenden können, dass ihr Interesse an ihren Gefühlen habt und diese ernst nehmt. Zuhören und Verstehen sind also wichtiger, als gleich zurechtzuweisen.

3. Begründung und Gefühle eurer Kinder übersetzen

Nachdem ihr von euren Kindern über die Gründe und ihre Gefühle aufgeklärt worden seid, könnt ihr mit ihnen gemeinsam versuchen, ihre Wahrnehmungen und Gefühle mit anderen Worten auszudrücken:

„Du warst also wütend, weil ich dir gestern Abend eigentlich versprochen habe, dass du den Film noch zu Ende schauen darfst und trotzdem habe ich dich eher ins Bett geschickt. Das verstehe ich. Dann sag mir einfach beim nächsten Mal: Ich bin sauer auf dich, weil du mir versprochen hast, dass …”

Darauf könnt ihr auch noch mal erklären, warum sich die Aussage eures Kindes nicht so gut eignet. Ist euer Nachwuchs ungefähr im Grundschulalter, könnt ihr euch auch gemeinsam an der Giraffensprache (gewaltfreie Kommunikation) versuchen.

4. Grenzen setzen bei stark verletzenden Aussagen

Wenn eure Kinder sehr verletzende, beleidigende oder sogar diskriminierende Begriffe verwendet haben, ist es ratsam, dass ihr ihnen klare Grenzen aufzeigt, indem ihr beispielsweise direkt in der jeweiligen Situation euer Kind zur Seite nehmt und ruhig aber bestimmt sagt:

„Du darfst mir immer alles erzählen. Allerdings ist es nicht okay, wenn du mich/andere Personen beleidigst und damit verletzt.“

Erklärt ihnen, wieso die jeweiligen Aussagen nicht in Ordnung sind und geht dann wieder genauso vor wie bereits beschrieben. Bei sehr verletzenden Aussagen könnt ihr davon ausgehen, dass sich bei eurem Kind überdurchschnittlich viel Frust, Wut und Traurigkeit angestaut haben und dass sie mehr Zeit benötigen, sich euch anzuvertrauen.

5. Ihr habt gleich bewertet?

Haben euch eure Kinder nicht wie unter Tipp vier beschrieben beleidigt und ihr wart dennoch so wütend oder geschockt, dass ihr sie sofort bewertet habt, könnt ihr ihnen genau erklären, warum:

„Als du mir heute gesagt hast, dass du mich nicht mehr lieb hast, war ich sehr traurig. Daher habe ich dich gleich angemeckert. Das war nicht so toll von mir. Wolltest du mir damit etwas sagen? Dann tut es mir leid. Mir ist es wichtig, dass du weißt, dass du mir immer sagen kannst, wie es dir geht und was dich beschäftigt. Ich bin immer für dich da und unterstütze dich gerne, wenn du meine Hilfe benötigst. Vielleicht möchtest du mir jetzt noch mal erzählen, was dir heute auf dem Herzen lag?“

Mit solch einer Geste lernen eure Kinder, dass ihr nun mal auch nur Menschen seid, die Fehler machen. Genauso lernen sie aber auch, dass man sich für sein Verhalten entschuldigen und es besser machen kann, nachdem man sich reflektiert hat. Außerdem entwickelt ihr als Familie ein Gespür dafür, wie ihr offen und ehrlich über eure Gefühle sprechen könnt.

Titelbild: © Photographee.eu

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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