Gesundheit Kleinkind

Waldkindergarten: Mit allen Sinnen spielen und lernen

Waldkindergarten
Saskia
Geschrieben von Saskia

Für Stadtkinder sehr zu empfehlen!

Was bedeutet es für euch, euren Nachwuchs mit allen Sinnen Kind sein zu lassen? In erster Linie natürlich, sie mit den Dingen spielen zu lassen, die sie gerne mögen. Und das sind gewiss Puppen, Bausteine und erste Computerspiele. Viel wichtiger und essenzieller sind allerdings die Phasen, in denen sich euer Kind draußen so richtig schmutzig machen und austoben kann. Und weil diese Momente gerade bei Stadtkindern immer seltener werden, kommt ein Kindergarten in der freien Natur wie gerufen! Daher möchten wir den internationalen Tag des Waldkindergartens zum Anlass nehmen, euch dieses tolle Konzept vorzustellen. 


Die wichtigsten Fakten zum Waldkindergarten

1. Seit wann gibt es den Waldkindergarten und wer hat ihn ins Leben gerufen?

Als Vorreiterin gilt die Dänin Ella Flatau aus Søllerød (Stadtrand von Kopenhagen). Gemeinsam mit ihren vier Kindern und den Nachbarskindern verbrachte sie in den 50er Jahren viel Zeit in der freien Natur. Besonders Wälder hatten es ihr angetan. Die ersten Waldkindergärten – Skovbørnehave genannt – wurden aber erst Anfang der 70er Jahre gegründet.

Seitdem erfreuen sie sich nicht nur in Dänemark, sondern auch in Schweden größter Beliebtheit. Dort sind sie unter der Bezeichnung „I Ur och Skur“ (bei Wind und Wetter) geläufig. In Deutschland wird der Waldkindergarten auch Naturkindergarten genannt. Erste Einrichtungen wurden bereits 1969 gegründet. Im Zuge der staatlichen Anerkennung Anfang der 90er Jahre erlebte er dann einen regelrechten Boom. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 300 Waldkindergärten.

2. Was lernen Kinder im Naturkindergarten?

In der freien Natur werden Kinder dazu angeregt, mit allen Sinnen zu lernen und zu erfahren. Die Förderung und Entwicklung der Grob- und Feinmotorik wird hierbei über natürliche und zufällige Bewegungsanlässe erfahren. Kinder haben im Wald unendlich viele Möglichkeiten, sich zu bewegen, zu spielen und dabei auch ihre körperlichen Grenzen auszutesten. Zudem werden Sprache und das Wahrnehmen der Stille trainiert.

Außerdem lernt euer Nachwuchs die Natur in ihrer ursprünglichsten Form kennen und wertschätzen. Von unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten, über Geräusche bis hin zu typischen Gerüchen. Auch bekommen sie ein erstes Gespür für ökologische Zusammenhänge und für die Jahreszeiten.

3. Wie sieht ein gewöhnlicher Tag im Waldkindergarten aus?

Jeder Naturkindergarten gestaltet seinen Tagesablauf individuell. Es gibt jedoch einige Grundabläufe, die identisch sind:

Morgenritual

In der Regel beginnt der Tag mit einem Morgenkreis, bei dem gesungen und getanzt wird und die Waldregeln wiederholt werden.

Die wichtigsten Waldregeln:

  • Wir lassen keinen Müll liegen!
  • Wir bleiben auf den Wegen!
  • Wir bleiben in Sichtweite und warten aufeinander!
  • Wir beschädigen keine Pflanzen!
  • Wir nehmen nichts in den Mund!
  • Wir waschen uns vor dem Essen die Hände!
  • Wir sind nicht zu laut!
  • Tiere beobachten wir ganz vorsichtig!
  • Wir klettern nicht auf gestapeltes Holz!

Freies Spielen

Dann darf mit viel Fantasie und Spaß gespielt und getobt werden. Neben den unendlichen Möglichkeiten, die der Wald als Abenteuerspielplatz so bietet, sind außerdem Bollerwagen und Rucksäcke mit Mal- und Bastelsachen mit von der Partie.

Geplantes Spielen

Neben dem freien Spiel planen die Erzieher außerdem gemeinsame Aktivitäten, wie Geschichten erzählen, Lager bauen, singen oder basteln.

Gemeinsames Frühstück/Mittagessen

Gesunde Butterbrote werden wie sonst auch üblich von zu Hause mitgebracht und gemeinsam gegessen. In vielen Naturkindergärten wird auch ein gemeinsames Mittagessen angeboten. Nach der zweiten Mahlzeit folgt meist eine kurze Mittagsruhe. Um gesundheitliche Risiken zu minimieren, haben die Erzieher auch wärmenden Tee und Wasser zum Händewaschen dabei.

Abschiedsritual

Bevor die Gruppe den Wald verlässt, findet sie sich wieder in einem Abschiedskreis zusammen. Es wird gesungen und getanzt und die Kinder können berichten, was ihnen an dem Tag gefallen hat und was nicht.

Beheizte Unterkunft

Ist das Wetter sehr schlecht, kann die Gruppe auf eine trockene und beheizte Unterkunft – wie etwa einen Bauwagen, eine Hütte oder ein Zelt – ausweichen. Dort wird dann zum Beispiel gebastelt, vorgelesen oder gesungen.

4. Welche Ausrüstung ist erforderlich?

Kleidung

Da sich die Kinder in der Regel ausschließlich im Wald aufhalten, ist wetterfeste Lagenkleidung unerlässlich. Zum Schutz vor Zecken und Co. sollte auch im Frühling und Sommer lange Kleidung getragen werden. Hier findet ihr Infos zu Insektenschutzsprays.

Gepäck

Um das Frühstück, wärmende oder schützende Kleidung und Spielutensilien verstauen zu können, benötigt euer Kind einen feuchtigkeitsabweisenden Rucksack.

Bollerwagen

In dem Bollerwagen der Erzieher befinden sich nicht nur zusätzliche Spielsachen, sondern beispielsweise auch Wasser zum Waschen, Tee, Wechselkleidung und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung.

Euer Kind geht bereits in einen Naturkindergarten und ihr habt Lust, uns von euren Erfahrungen zu berichten? Ihr habt noch weitere Fragen? Dann freuen wir uns auf eure Kommentare!

Titelbild: © tverdohlib

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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