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UNICEF-Report: Jedes vierte Kind in Deutschland ist unglücklich

UNICEF-Report
Saskia
Geschrieben von Saskia

Politik und Eltern sind gefragt!

Wie steht es um die Zufriedenheit von Kindern in Deutschland und weltweit? Dieser Frage geht eine neue Studie des UN-Kinderhilfwerks UNICEF auf den Grund. Der Anteil der zufriedenen Kinder im Alter von 15 Jahren lag bei einem Großteil der insgesamt 41 befragten Länder der Europäischen Union und der OECD bei unter 80 Prozent. Die Corona-Pandemie und unzureichende Unterstützung durch die Politik tragen ihren Teil dazu bei. Allerdings spielt auch die Unterstützung der Eltern eine große Rolle.


Für den Report “Worlds of Influence: Understanding what shapes child well-being in rich countries“ wertete das Unicef-Forschungszentrum Innocenti in Florenz nationale Daten zur physischen und psychischen Gesundheit sowie zu sozialen und intellektuellen Kompetenzen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Kinder aus.

Was macht Kinder in wohlhabenden Industrieländern unzufrieden?

“Viele der reichsten Länder der Welt, die eigentlich über genügend Ressourcen verfügen, scheitern, wenn es darum geht, allen Kindern eine gute Kindheit zu ermöglichen”, so Gunilla Olsson, Direktorin von Unicef Innocenti.

Die besten politischen Maßnahmen werden in Norwegen, Island, Finnland und Deutschland ergriffen. Am schlechtesten schneiden auf politischer Ebene die Türkei, Mexiko und Griechenland ab.

Die drei größten Kindersorgen in reichen Industrieländern

In reicheren Ländern haben Kinder vor allem mit Übergewicht, mentalen Problemen und mangelnden schulischen Kenntnissen zu kämpfen.

1. Mentale Zufriedenheit

Beim Gesamtvergleich liegt Deutschland bei der mentalen Zufriedenheit der Kinder mit dem 14. Rang von insgesamt 41 Ländern im oberen Mittelfeld. So gaben 75 Prozent der Mädchen und Jungen in Deutschland eine hohe Zufriedenheit an. Allerdings bedeutet das auch, dass jedes vierte Kind in Deutschland nicht glücklich ist. Am zufriedensten sind Kinder in den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. In der Türkei ist der Anteil zufriedener Kinder mit 53 Prozent am niedrigsten. Danach folgen Japan und Großbritannien.

Selbstmord: Haupttodesursache bei Jugendlichen in reichen Ländern

Die Haupttodesursache bei Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ist in wohlhabenden Industrieländern der Selbstmord. Litauen weist dabei die höchste Selbstmordrate auf, gefolgt von Neuseeland und Estland.

2. Übergewicht oder Fettleibigkeit

In zehn Ländern ist jedes dritte Kind übergewichtig oder adipös. In Deutschland liegt der Anteil übergewichtiger oder fettleibiger Kinder bei 27 Prozent.

3. Schulische und soziale Defizite

Weltweit liegt der Anteil der Kinder, die mit 15 Jahren nicht über schulische Grundkenntnisse verfügen, bei 40 Prozent. Während Kinder in Estland, Irland und Finnland am besten abschneiden, haben Kinder in Bulgarien, Rumänien und Chile die größten schulischen Defizite.

Auch das Vertrauen in soziale Fähigkeiten, wie beispielsweise Freunde zu finden, fehlt bei einem von vier Kindern in 18 Ländern. Das trifft vor allem auf Kinder in Island, Chile und Japan zu. In Deutschland gaben 72 Prozent der Mädchen und Jungen an, dass es ihnen leichtfällt, neue Freundschaften zu schließen.

Eltern spielen bei der Zufriedenheit der Kinder eine elementare Rolle

Die UNICEF-Studie zeigt auch, dass es den Kindern, die von ihren Familien nur wenig Unterstützung erhalten, mental schlechter geht.

“Was wir in den westlichen Industriegesellschaften haben, ist eine Vielfalt von kindlichen Lebenslagen. Die perfekte Familie aus dem Werbefernsehen ist eine Illusion. Viel zu viele Kinder werden abgehängt, auch bei uns”, sagt der Sprecher Rudi Tarneden von UNICEF Deutschland in Köln (Quelle: inFranken.de).

Gleiches gilt für Kinder, die gemobbt werden. Hier findet ihr einige hilfreiche Tipps gegen Mobbing.

Corona-Pandemie verschlechtert das Wohlbefinden der Kinder

Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und die Wiedereingewöhnung in Kita und Schule während der Corona-Pandemie sorgen derzeit für eine Zuspitzung der bereits bestehenden Probleme. Dazu zählen auch eine relativ konstante Kinderarmut, die durch Corona wahrscheinlich weiter zunehmen wird sowie die Zunahme gesundheitlicher Risiken (zum Beispiel durch eine sinkende Masernimpfungsrate). Eltern sind daher noch mehr als sonst gefordert, ihren Kindern in dieser Ausnahmesituation beizustehen. Das Problem sei laut UNICEF meist, dass deutsche Eltern häufiger sorge- und angstgetrieben seien als Eltern in anderen Ländern.

“Wenn die Erwachsenen wenig Zuversicht vermitteln, spiegelt sich das in den Einstellungen der Kinder”, so Tarneden (Quelle: stern.de).

Hier erfahrt ihr, wieso dänische Kinder so glücklich sind und wie ihr eine hyggelige Erziehung auch in eurer Familie etablieren könnt.

Auch Regierungen sind laut UNICEF in der Pflicht, durch eine familienfreundlichere Politik und zusätzliche finanzielle Hilfen das Wohlbefinden von Kindern zu unterstützen und zu verbessern:

„Wenn Regierungen nicht schnell und entschlossen handeln und der Schutz von Kindern nicht Teil der Reaktion auf die Covid-19-Pandemie ist, müssen wir mit steigenden Armutsraten, einer Verschlechterung mentaler und physischer Gesundheit sowie einer wachsenden Kluft bei der Qualifikation von Kindern rechnen. Die Unterstützung von Kindern und ihren Familien während der Covid-19-Pandemie ist erschreckend unzureichend. Es muss mehr getan werden, um Kindern eine sichere und gute Kindheit zu ermöglichen – jetzt“, so UNICEF.

Titelbild: © Rawpixel.com

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Saskia

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Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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