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Überbehütet: “Wir wollen doch nur das Beste”

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Natürlich wollt ihr als Eltern nur das Beste für euer Kind. Doch wann geht Fürsorge zu weit? Kinderpsychiater haben herausgefunden, dass überbehütete Kinder genauso krank werden wie vernachlässigte.


Wir alle kennen das Klischee von den Helikoptereltern, die ihr Kind am liebsten bis zum Abschluss der Grundschule täglich bis ins Klassenzimmer bringen und ihnen dabei noch den Ranzen tragen würden. Noch nie zuvor waren Kinder so verwöhnt, umsorgt und leider auch kontrolliert, wie sie es heute sind. Mamas und Papas wollen immer, dass es ihren Sprösslingen gut geht, auch wenn das bedeutet, dass sie manchmal über das Ziel hinausschießen.

“Generation Weichei”

Denn wenn man alles für seine Kinder tut – in jeder Situation auf sie aufpasst, ihnen jegliche Arbeit abnimmt und für sie alle möglichen Probleme aus dem Weg räumt – wie sollen sie da gesund heranwachsen und zu selbstständigen Persönlichkeiten werden? Kinderpsychologen sind sich einig, dass dieses sogenannte Helikopter-Verhalten zu Problemen beim Heranwachsen und einer altersgerechten Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen führt. Wie sollen Kinder mit den negativen Seiten des Lebens umgehen, wenn sie diese nie zuvor kennengelernt haben?

Manche sprechen sogar von der „Generation Weichei“, die sich dadurch entwickelt. Grund dafür ist die stetig zunehmende Tendenz vieler Eltern, diese extreme Überbehütung in ihren Alltag aufzunehmen. Mittlerweile seien es zwischen 15 und 20 Prozent, so Forscher. Kein Wunder, dass man mittlerweile in vielen Schulen Hinweise darauf findet, dass Eltern sich bitte zurückhalten möchten.

Das Warum ist eigentlich ganz einfach: Immer mehr Eltern sehen sich und ihre Kinder in unserer heutigen Leistungsgesellschaft unter Druck gesetzt und haben das Ziel vor Augen, dass ihre Kinder eines Tages einen guten Abschluss machen, viel Geld verdienen und ein glückliches und sorgenfreies Leben führen können. Deswegen tun sie ihr Möglichstes, um ihre Kleinen von negativen Einflüssen fern zu halten und sie bei allen Aktivitäten – ob Schule oder Hobbies – fortwährend zu unterstützen. Kinder sind in der heutigen Zeit so zu Statussymbolen ihrer Eltern geworden.

Überbehütet macht unglücklich

Doch leider weiß kaum ein Elternteil, dass dieses gut gemeinte Verhalten meistens eher das Gegenteil nach sich zieht. Vorschriften und Reglementierungen rauben Kindern nicht nur die Freiheit, sondern verwehren ihnen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Außerdem weiß man heute, dass verwöhnte Kinder in den meisten Fällen keine glücklichen Kinder sind. Das zeigt wieder einmal: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Viele Psychiater und Psychologen bestätigen, dass überbehütete Kinder häufig genau die gleichen Probleme haben wie vernachlässigte Kinder. Immer mehr Kinder weisen Verhaltensauffälligkeiten auf, leiden unter Bettnässen, Essstörungen, ADHS oder Problemen in der Schule. Genauso leiden auch Jugendliche unter der Überbehütung ihrer Eltern. Die Zahl derer, die in therapeutische Behandlung müssen, steigt stetig und nicht selten kämpfen sie mit selbstverletzendem Verhalten oder der Flucht in Alkohol oder härtere Drogen.

Kinder sollen sich SELBST entfalten

Deswegen fordern Psychologen alle Eltern auf, sich etwas zurück zu nehmen. Kinder brauchen Freiraum, um Selbstständigkeit, emotionale Stabilität und Widerstandsfähigkeit aufbauen zu können. Erziehung soll einen Rahmen für Entwicklung bieten. Sich austoben und ausprobieren können, die Welt selbst entdecken und nicht tagein, tagaus unter der überbeschützenden Hand der Eltern in den Klassenraum gebracht und von jedem zu hohen Klettergerüst geholt zu werden.

Titelbild: © goce risteski – Fotolia

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