Kleinkind Schulkind

Trauern in Corona-Zeiten: Virtuelle Unterstützung für Kinder und Jugendliche

trauern in Corona-Zeiten
Helena
Geschrieben von Helena

#wirsindda!

Die häusliche Isolation stellt Familien vor ungeahnte Herausforderungen. Denn neben der alltäglichen Schwierigkeit, Homeoffice, Kinderbetreuung und Homeschooling unter einen Hut zu bekommen, können Schicksalsschläge wie etwa der Tod eines Angehörigen hinzukommen. Trauerland Bremen steht Kindern und Jugendlichen daher jetzt auch virtuell zur Seite.


Seit 20 Jahren begleitet der Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e. V. Kinder und Jugendliche, wenn ein Angehöriger verstorben ist. Da aufgrund der Corona-Krise Gruppen- und Einzelberatungen vor Ort derzeit nicht möglich sind, geht der Verein neue Wege und bietet neben der telefonischen Beratung mit der Videoreihe #wirsindda auch einen ganz speziellen Online-Service für Kinder und Jugendliche.

Wir haben Trauerland zu ihrem Angebot genauer befragt!

Mit eurem Verein richtet ihr euch an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Allerdings ist die „Mitarbeit“ eines Elternteils ja oft unumgänglich, um das Kind während seines Trauerprozesses begleiten und unterstützen zu können. Angenommen, Eltern wissen nicht, wie sie ihrem Kind beistehen können. Inwiefern können sie sich dann an euch wenden?

Trauerland:

Oft sind die Erwachsenen sehr unsicher, wie sie ihre Kinder bei einem Todesfall begleiten sollen. Sie haben große Angst, etwas falsch zu machen oder etwas zu verpassen, da sie selber ja auch betroffen und in Trauer sind. In diesem Fall bieten wir Eltern beziehungsweise Angehörigen Einzelberatungen am Telefon und auch persönlich an. In den Beratungen überlegen wir gemeinsam, wie sie ihre trauernden Kinder unterstützen können. Oft machen sie schon vieles richtig und brauchen nur eine Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Derzeit stehen Kinder und Familien schon im normalen Alltag vor großen Herausforderungen. Kommt dann auch noch der Verlust eines Angehörigen hinzu, spitzt sich die Lage weiter zu. Nehmt ihr infolge der Corona-Pandemie eine noch intensivere Trauer wahr?

Trauerland:

Ist ein nahestehender Mensch verstorben, haben die Hinterbliebenen oft Verlustängste oder fühlen Verzweiflung, ohne den geliebten Menschen leben zu müssen. Durch die Corona-Krise werden diese Gefühle verstärkt und es kommen neue dazu. Viele Betroffene berichten uns, dass sie sich jetzt sehr isoliert fühlen, da sie sich nicht mit Menschen treffen können und sich nicht mit Aktivitäten ablenken können. Sie sind stärker auf sich gestellt und mehr mit ihren eigenen Gefühlen konfrontiert. Das überfordert viele und verursacht zusätzlichen Stress.

Inwiefern unterscheidet sich eure Beratung vor Ort von der telefonischen und gilt euer Angebot deutschlandweit?

Trauerland:

Das Beratungstelefon wird bundesweit genutzt. Aber eine telefonische Beratung hat auch ihre Grenzen. So ist es für einen Berater viel schwerer einzuschätzen, inwiefern bestimmte Übungen dem Betroffenen helfen oder nicht. Außerdem hat man am Telefon weniger Möglichkeiten, die Menschen aufzufangen. Trotzdem ist es für viele Trauernde eine große Hilfe, schnell Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, beispielsweise auf die Frage geht, wie sie ihre Kinder unterstützen können oder ob sie sie mit zur Beerdigung nehmen sollen. Solche Fragen können sehr gut am Telefon geklärt werden.

Welche Bereiche umfasst eure YouTube-Videoreihe #wirsindda und für welches Alter sind die Videos geeignet?

Trauerland:

Die Bereiche sind vielfältig: Die Atemübungen kann man von 2 -99 Jahren machen, dann gibt es Videos zur Erinnerungsarbeit wie zum Beispiel das Anagramm, das man ab dem Grundschulalter machen kann – wenn Kinder noch nicht schreiben können, kann vielleicht ein Erwachsener helfen. Wir haben Ressourcenübungen dabei, die Kinder ebenfalls ab dem Grundschulalter machen können. Bei den Bewegungsübungen, wie zum Beispiel dem Hüpfen, können alle mitmachen und es hilft sofort.

Wie verarbeiten Kinder die Trauer am besten, wenn ihnen Ablenkung durch Freunde und Hobbys fehlt?

Trauerland:

Das ist in der Tat ein großes Problem, weil so viele Möglichkeiten wegfallen und es für die Betroffenen schwer ist, Alternativen zu finden. Aber unsere Videos zeigen, was man tun kann, um die eigenen Gefühle auch in Corona-Zeiten auszudrücken. Man kann beispielsweise Papier zerreißen, Kissenschlachten machen, Gefühle malen und vieles mehr.

Jeder Mensch trauert natürlich sehr individuell. Ab wann sollten Eltern ärztliche/therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen?

Trauerland:

Generell ist es so, dass Warnsignale immer ernst genommen werden sollten. Ist ein Kind nach einem Verlusterleben zum Beispiel häufiger aggressiv oder zieht sich sehr stark aus dem sozialen Leben zurück, ist es wichtig, zu schauen, wie man das Kind unterstützen kann. Wenn Eltern in einer solchen Situation nicht mehr wissen wie, kann es entlasten, sich professionelle Hilfe von außen zu holen. Eine hilfreiche Unterstützung kann für jede Familie anders aussehen, weshalb es schwer ist, einen allgemeinen Rat zu geben. Bei Suizidgedanken ist es jedoch auf jeden Fall ratsam, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Welche Tipps möchtet ihr Eltern trauernder Kinder an die Hand geben?

Trauerland:

Ein wichtiger Aspekt, um trauernde Kinder zu begleiten, ist, präsent zu sein. Das bedeutet, den Kindern zu vermitteln, dass sie sich immer an einen wenden können und das mit all ihren Gedanken und Gefühlen. Essenziell ist es, dann auch achtsam zuzuhören, was sie zu sagen haben. Manchmal fällt es Kindern schwer, sich verbal auszudrücken. Dann geht es darum, auch die nonverbalen Signale wahrzunehmen. Letztlich ist es für Kinder auch immer hilfreich, sie mit einzubeziehen. Kinder wissen oft selber, was ihnen guttut und haben viele tolle Ideen, wie sie für sich einen Abschied gestalten können. Dafür ist es jedoch wichtig, ihnen offen und ehrlich zu begegnen.

Anm. d. Red.: Wir empfehlen euch außerdem den Beitrag: “So könnt ihr Kindern den Tod erklären“.

Wir danken Trauerland Bremen ganz herzlichst für das Interview!

Videos: YouTube

Titelbild: © Marina Andrejchenko

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

Hinterlasse ein Kommentar