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Stoffwindel-Ratgeber: Welche Stoffwindeln gibt es und wie werden sie gereinigt?

Stoffwindel
Geschrieben von Helena

Richtige Pflege ist die halbe Miete!

Heutzutage stellen Eltern immer größere Ansprüche an eine Windel. War es lange Zeit am wichtigsten, dass die Wegwerfwindel lange dichthält und die zarte Babyhaut schont, achten immer mehr Eltern darauf, ob die Windel auch umweltfreundlich ist. Denn klar ist: Herkömmliche Wegwerfwindeln belasten die Umwelt stark, sind teuer und selbst viele Öko-Wegwerfwindeln sind nicht vollständig kompostierbar. Wollt ihr die Umwelt so gut wie möglich schonen, sind Stoffwindeln die nachhaltigste Alternative. Dennoch lassen sich viele Eltern von der Vielfalt der Stoffwindeln und dem Reinigungsprozess abschrecken. Deshalb verraten wir euch die wichtigsten Tipps, um die passende Stoffwindel zu finden und diese richtig zu reinigen.


Beim Kauf von Stoffwindeln müsst ihr zwar tiefer in die Tasche greifen, als wenn ihr euch für herkömmliche Wegwerfwindeln entscheidet. Pflegt ihr die Textilwindeln allerdings richtig, halten sie lange, ihr schont die Umwelt und spart letztlich sehr viel Geld. Eine gute Pflege bedeutet in diesem Fall, dass ihr wisst, wie ihr Stoffwindeln effektiv, aber umweltschonend reinigt. Hier findet ihr noch mal die wichtigsten Tipps zum Windelkauf!

Stoffwindel-Zuschuss

Erkundigt euch unbedingt bei eurer Gemeinde- oder Stadtverwaltung, ob ihr einen Stoffwindel-Zuschuss bekommt. Dieser kann bis zu 225 Euro betragen. Bietet eure Region bislang keinen Zuschuss an, könnt ihr dennoch euer Glück versuchen und einen eigenen Antrag stellen.

Hier könnt ihr zum Beispiel den Stoffwindel-Zuschuss für Rheda-Wiedenbrück beantragen.

BIG Babybonus

Erkundigt euch am besten vor eurer Schwangerschaft auch bei eurer Krankenkasse, inwiefern sie Familien finanziell unterstützt. Seid ihr bei der BIG versichert, profitiert ihr beispielsweise vom BIG Babybonus. Dieser beträgt 200 Euro und wird euch im Rahmen des Bonusprogramms BIGtionär ausgezahlt. Bedingung dafür ist, dass ihr die vorgesehenen Schwangerenvorsorgeuntersuchungen, die Kindervorsorgeuntersuchungen U1 bis U6 und die Kinderschutzimpfungen im ersten Lebensjahr gemäß der Schutzimpfungsrichtlinien nachweisen könnt.

Welche Stoffwindeln gibt es?

Es gibt rund zehn verschiedene Arten von Stoffwindeln, die ihr ihr nicht alle kennen müsst. Wichtig ist, zu wissen, dass es zwei verschiedene Stoffwindelsysteme gibt – die 1-Schritt-Stoffwindeln (All-In-One) und 2-Schritt-Stoffwindeln (All-In-Two).

Was sind All-In-One-Stoffwindeln?

All-In-One-Stoffwindeln könnt ihr in nur einem Schritt an euer Kind anlegen. Hier werden die wasserdichte und die saugende Schicht direkt miteinander kombiniert. Die 1-Schritt-Stoffwindeln unterscheiden sich außerdem in der Art, wie die beiden Komponenten miteinander verbunden werden. Die Einlage kann angenäht, eingeklappt, eingeschoben, angeknöpft oder aufgelegt werden. Zwar ist die Handhabung des All-In-One-Stoffwindelsystems einfach, allerdings sind die Windeln häufig teurer als All-In-Two-Stoffwindeln. Zudem halten die Windeln gerade bei Frühchen, Neugeborenen und dünnen Babys häufig nicht dicht.

Was sind All-In-Two-Stoffwindeln?

Die 2-Schritt-Stoffwindeln bestehen aus zwei einzelnen Windelteilen. Einer saugenden Windel, die ihr um den Popo eures Kindes legt und einer zweiten wasserdichten Windel. Die saugende Windel fängt Urin und Stuhlgang auf. Die wasserdichte Windelschicht schützt die Kleidung vor Nässe und natürlich auch noch mal davor, dass sich der Stuhlgang den Weg nach draußen bahnt. Die saugende Windel kann aus unterschiedlichen Stoffen (Baumwolle, wie etwa Mull, oder Viskose) bestehen. Der große Vorteil bei 2-Schritt-Windeln ist, dass der Stuhlgang meist in der saugenden Schicht und die Überhose sauber und trocken bleibt. Diese besteht beispielsweise aus Polyesterjersey, der mit Polyurethan (PUL = polyurethane laminated) überzogen wurde und somit stark wasserabweisend, aber atmungsaktiv ist, oder aus Polyesterfleece mit PU-Beschichtung. Weiterer Vorteil: Auch Babys mit dünnen Beinchen können länger trocken gehalten werden. In der Nacht könnt ihr die Saugfähigkeit durch Einlegetücher noch etwas erhöhen. Zudem halten All-In-Two-Stoffwindeln auch in der Seitenlage besser dicht.

Stoffwindeln richtig reinigen mit diesen sechs Tipps!

Je häufiger ihr euer Baby oder Kleinkind zu Hause ohne Windel herumlaufen lasst und euer Kind stattdessen abhaltet, desto weniger Windeln habt ihr natürlich zu reinigen. 😉 Hier findet ihr die wichtigsten Infos zur Windelfrei-Methode Elimination Communication.

1. Stuhlgang aus Stoffwindeln vor der Wäsche entfernen?

Tatsächlich müsst ihr den breiigen Milchstuhl eures Babys vor der Wäsche nicht zwingend entfernen, denn durch das Waschen wird er eigentlich vollständig und ohne Reste aus der Windel und der Waschmaschine entfernt. Um unschöner Fleckenbildung vorzubeugen, könnt ihr den Stuhl allerdings mit einem festen Wasserstrahl vorher grob entfernen (achtet auch auf Bündchen und Nähte) oder die Stuhlreste mit einem Buttermesser vorher abkratzen. Bekommt euer Baby Milchpulver oder Beikost, entfernt den festeren Stuhl grob über der Toilette und nicht im Waschbecken. Ihr könnt auch ein wegwerfbares Windelvlies benutzen, das ihr mit dem Stuhlgang zusammen im Restmüll entsorgen könnt oder ihr behandelt die Stoffeinlagen mit einem sanften und natürlichen Fleckenentferner vor.

2. Klettverschlüsse, Reißverschlüsse und Druckknöpfe

Damit Stoffwindeln möglichst lange halten, öffnet Druckknöpfe immer vorsichtig. Diese sollten beim Waschgang ebenfalls offen sein. Klett- und Reißverschlüsse sollten dagegen immer verschlossen sein, da sie beim Waschgang das Material beschädigen und schlechter schließen könnten. Schließen die Klettverschlüsse nicht gut genug, verwendet einfach ein Wäschenetz beim Waschen.

3. Schmutzige Stoffwindeln richtig lagern

Um unangenehme Gerüche und die Bildung von Schimmel und Ammoniak zu vermeiden, bewahrt die schmutzigen Stoffwindeln nie in geschlossenen Behältern auf. Habt ihr einen Windeleimer, gebt einfach ein Wäschenetz hinein und lagert dann die Stoffwindeln darin, ohne den Deckel zu schließen. Oder ihr benutzt eine Wetbag. Haltet diese von Wärmequellen und Sonneneinstrahlung fern. Gerüchen bei den Einlagen, könnt ihr zuvorkommen, indem ihr etwas Natriumcarbonat (Waschsoda) darüber streut. Bei den wasserabweisenden Windeln kann es allerdings die Beschichtung beschädigen. Bewahrt diese daher immer in einem geschlossenen Wäschebeutel separat auf und wascht sie auch darin.

Habt ihr die Windeln vorgewaschen, lasst sie auf jeden Fall gut trocknen. Das Einweichen vor dem Waschgang ist eigentlich unnötig. Macht ihr es dennoch, sollte dies maximal zwei Stunden dauern. Ansonsten können auch hierdurch unangenehme Gerüche und Schimmel entstehen.

4. Waschmaschine und Waschmittel

Stoffwindeln sollten alle zwei bis drei Tage gewaschen werden. Die Waschmaschine sollte nicht zu leer (nicht nachhaltig) und nicht zu voll (schlechte Waschleistung) sein. Wählt für die Einlagen entweder das Programm Koch-/Buntwäsche oder intensiv bei 40 bis 60 Grad Celsius. Ihr könnt die Einlagen gemeinsam mit Handtüchern, Geschirrtüchern und auch Spucktüchern waschen. Auf den Kochwaschgang (95 Grad Celsius) könnt ihr meist verzichten.

Möglicherweise ist auch eine Vorwäsche oder ein Extra-Spülgang nach dem Hauptwaschgang sinnvoll. Achtet auch darauf, dass eure Waschmaschine immer gut entkalkt wird und keimfrei ist. Dann ist auch die Waschleistung am höchsten! Die Waschmaschine ist übrigens eine der größten Keimschleudern im Haushalt!

Bei den Überhosen müsst ihr etwas vorsichtiger sein, da ihr sonst wieder die Beschichtung beschädigen könnt. Wascht diese also am besten immer in einem Wäschebeutel im Feinwasch- oder Kurzprogramm bei maximal 60 Grad Celsius. Besser sind 30 oder 40 Grad Celsius. Wascht die Überhosen im Wechsel mal auf Rechts und mal auf Links, damit mögliche Urin- und Stuhlablagerungen zwischen den Nähten und Bündchen vollständig entfernt werden.

Verwendet am besten ein herkömmliches, sensitives Vollwaschmittel, das Bleichmittel auf Sauerstoffbasis enthält. Das entfernt nicht nur die Flecken am besten, sondern tötet auch Keime ab. Öko-Waschmittel sind bislang leider meist zu schwach, um Stoffwindeln gut zu reinigen. Zitronensäure im Weichspülerfach dient zusätzlich dazu, hartnäckige Flecken aus Einlagen zu entfernen, da sie die UV-Strahlung der Sonne während des Trocknens an der frischen Luft verstärkt. Wichtig ist allerdings, dass ihr nach dem Hauptwaschgang noch mal das Spülprogramm wählt, um die Zitronensäure vollständig zu entfernen.

5. Stoffwindeln auskochen beziehungsweise strippen

Wenn die Stoffwindeln nach dem Waschen immer noch stinken oder die Saugleistung nachlässt, könnt ihr eine Windelkur machen – auch strippen genannt, um die verstopften Fasern wieder saugfähig zu machen, Keime abzutöten und unangenehme Gerüche loszuwerden. Mögliche Gründe können zum Beispiel falsche Reinigung oder auch Wundcremes sein.

Beim Stoffwindel-Strippen geht ihr wie folgt vor:

  • Wascht ausnahmsweise die saugenden Stoffeinlagen bei 95 Grad Celsius mit einem Vollwaschmittel, das Sauerstoffbleiche enthält oder gebt diese gesondert zur Wäsche. Diesen Vorgang könnt ihr bei Bedarf wiederholen.
  • Die empfindlichen Überhosen wascht ihr bei 60 Grad Celsius ebenfalls mit einem Vollwaschmittel mit Sauerstoffbleiche und nutzt zusätzlich einen Sensitiv-Hygienespüler. Dieser tötet nicht nur Keime und Gerüche, sondern er sorgt auch dafür, dass die Überhosen weiterhin schnell genug Feuchtigkeit aufsaugen.

6. Stoffwindeln richtig trocknen

Sofern ihr die Möglichkeit und Zeit habt, trocknet die Stoffwindeleinlagen immer auf einem Wäscheständer und am besten an der frischen Luft. Das Sonnenlicht trägt dazu bei, dass Flecken schneller ausbleichen, und ihr spart Energie und Geld. Zudem gehen die Stoffwindeln wesentlich schneller kaputt, wenn ihr sie regelmäßig in den Trockner packt. Falls euch die Trockenzeit zu lang ist, könnt ihr die Stoffeinlagen kurz und bei niedriger Hitze im Wäschetrockner vortrocknen. Mulleinlagen und Hybrid-Überhosen trocknen ohne Trockner übrigens am schnellsten. Überhosen aus PU, Polyester oder Mikrofaser sollten auf keinen Fall in den Wäschetrockner, da die Beschichtung hitzeempfindlich ist und beschädigt werden kann.

Ihr wollt weitere Reinigungstipps? Dann lest hier, wie ihr Kinderwäsche richtig säubert!

Titelbild: © troyanphoto

Über den Autor

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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