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Stillen, Lärm und Co.: Welche Rechte habt ihr als Familie in der Öffentlichkeit?

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Diese Rechte stehen euch in der Öffentlichkeit als Familie zu:

Immer wieder gibt es Fälle, in denen sich insbesondere junge Familien mit kleinen Kindern diskriminiert und benachteiligt fühlen. Aktuell gab es beispielsweise einen solchen Fall im Osnabrücker Busverkehr, der für viel Aufsehen gesorgt hat: Eine junge Mutter wurde scheinbar mit ihrer kleinen Tochter aus dem Bus geworfen, weil der Gestank der Windel der Kleinen für den Fahrer „unerträglich“ war. Ähnlich schockierend ein Fall aus Elmshorn: Als zwei ältere Frauen sich über den Kinderlärm beschweren, wird eine Mutter mit ihrem Kind in die eisige Kälte geschickt. In beiden Fällen haben sich die Busunternehmen bei den Betroffenen entschuldigt. Doch welche Rechte hat eine junge Familie in der Öffentlichkeit wirklich?


Kinderlärm: unvermeidbar oder zu unterbinden?

Kleine und größere Kinder sind meist nicht zu überhören. Schließlich ist es die natürlichste Sache der Welt, dass Babys schreien und Kinder beim Herumtoben ihren Spaß haben. Trotzdem gibt es immer wieder Beschwerden und unangenehme Begegnungen. Doch wie der Artikel „Kinderlärm von Bolzplatz ist kein Grund für eine Mietminderung“ erläutert, gibt es seit 2011 das sogenannte Toleranzgebot des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Dieses verhindert, dass durchschnittlicher Kinderlärm vor Gericht verhandelt werden kann, und besagt, dass Kinderlärm von jedem deutschen Bürger zu tolerieren ist. Und wie sieht es mit der Toleranz fürs Stillen aus?

Stillen in der Öffentlichkeit: Ärgernis oder Notwendigkeit?

In Deutschland ernten stillende Mütter in Cafés oder Einkaufscentern immer noch schnell verwunderte oder verärgerte Blicke. Deutschland scheint in der Frage des öffentlichen Stillens im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deshalb hinterherzuhinken. In Schottland beispielsweise gibt es ein eigenes Gesetz, das ausdrücklich das Stillen des Kindes unabhängig von dessen Alter und dem gewählten öffentlichen Ort erlaubt. Auch in Frankreich gibt es eine große öffentliche Akzeptanz und Befürwortung des öffentlichen Stillens. In Deutschland scheint sich diese Akzeptanz nur langsam zu etablieren, obwohl das Stillen im ‚Trend‘ liegt, da es für die gesunde Entwicklung des Kindes wichtig ist. Schaut man sich die deutsche Gesetzeslage an, scheint dieser Entwicklung auch nichts im Wege zu stehen. Denn es gibt kein Gesetz, dass das Stillen in der Öffentlichkeit verbietet.

Trotzdem kann ein „Hausherr“ seine eigenen Regeln aufstellen und von seinem „Hausrecht“ gebraucht machen. Sitzt man also in einem Café oder in einem großen Einkaufscenter hat der Hausherr das Recht, eine Kundin bei Missachtung der Hausregeln vor die Tür zu setzen. Aber: Diese umfassen meist nicht das Verbot des Stillens. Der Rauswurf stillender Mütter erfolgt oft als Kurzschlussreaktion des Personals, das so möglicherweise auf Beschwerden anderer Kunden reagiert. Es lohnt sich also, als Betroffene eine Beschwerde einzureichen. Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte im Wickelraum stillen, denn diesen gibt es ja zum Glück in immer mehr Einrichtungen und sogar in Transportmitteln wie dem Flugzeug.

Bild: © Vitaliy Hrabar – Fotolia.com

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