Baby

Stille Zeit

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Die Stillzeit, die Mama und Baby miteinander verbringen, schafft Verbindung und Nähe. Sie ist allerdings weit davon entfernt mit Ruhe und Entspannung einherzugehen. Denn es gibt immer einen, der quengelt. Im Normalfall ist es der frischgeschlüpfte Paul oder die kleine, hungrige Lilly. Aber wenn Mutti es wagt ihren Schatz in aller Öffentlichkeit „anzudocken“, melden sich des Öfteren auch Außenstehende ermahnend zu Wort. Deutschland ist vieler Orts eine Anti-Still-Zone. Zeit, sich in den Urlaub abzusetzen. Doch wie verhält man sich dort, insbesondere, wenn man sich ein muslimisches Land als Ziel ausgesucht hat?


Nur um alle Vorurteile im Keim zu ersticken: In vielen vom Islam geprägten Ländern, vor allem in den größeren Städten, geht es nicht mehr zu wie im Mittelalter. Im Gegenteil. Besonders wenn es um Kinder und Familie geht, kann man sogar oft mit mehr Verständnis und Offenheit rechnen, als in unseren heimischen Gefilden. Dennoch dürfen einige Grenzen nicht überschritten werden. In Ländern, in denen es der Respekt gebietet, zumindest Dekolleté und Beine zu bedecken und nicht oben ohne am Strand zu liegen, sollte man als stillende Mutter nicht unüberlegt den hungrigen Nachwuchs öffentlich der Fütterung zuführen. Die Brust sollte definitiv nicht zu sehen sein und ebenso wenig die Haut, die sich in einem bestimmten Radius um die Brust verteilt.

Natürlich wäre es am einfachsten, wenn man den Stillvorgang bereits innerhalb der vier Wände des Urlaubsdomizils abhandeln könnte, sprich: bevor man sich zum Essen oder zum Sightseeing auf den Weg macht. Doch nichts lässt sich wirklich planen und am wenigsten das Hungergefühl eines Säuglings. Wenn der kleine Magen knurrt oder vielleicht auch nur die warme Brust der Mutter zur Beruhigung benötigt wird, ist Zögern nicht angebracht, denn sonst wird das Geschrei, dem man sich vermutlich aussetzt, mörderisch sein.

Oftmals ist ein kurzfristiger Rückzug ins Hotelzimmer eben nicht möglich. Ein großes, leichtes, jedoch blickdichtes Tuch, das man über den selig trinkenden Engel und sich selbst breiten kann, ist ein ratsames Reiseutensil, wenn man mit Baby unterwegs ist. Und natürlich besteht z.B. in den meisten, einigermaßen touristisch frequentierten Restaurants sicherlich die Möglichkeit nach einem ruhigeren Ort zu fragen, wo man nicht so vielen neugierigen oder womöglich argwöhnischen Blicken ausgesetzt ist.

Auch wenn man gegen die eigene Überzeugung handelt, das Verhüllen in islamischen Ländern ist unter gewissen Umständen zu empfehlen und erspart einem unnötigen Stress. Schließlich ist man im Urlaub und führt keine feministische Revolution an. Und, seien wir ehrlich, auch in Deutschland, einem Land, in dem die nackte weibliche Brust inzwischen so entprivatisiert ist, wie das Liebesleben von Lothar Matthäus, kommt öffentliches Stillen viel zu oft Erregung öffentlichen Ärgernisses gleich. Warum sich also ausgerechnet während der schönsten Zeit des Jahres als Freiheits- und Gerechtigkeitskämpferin profilieren wollen? Da ist es doch viel angenehmer sich mit seiner Familie in einen schattigen, etwas abgeschiedenen Bereich zurückzuziehen und in aller Stille zu stillen, bevor man sich wieder ins Abenteuer stürzt.

Titelbild: © detailblick – Fotolia.com

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1 Kommentar

  • Ich finde das Baby hat ein Recht auf Ruhe, wenn es trinkt. Das sollte eine Mutter berücksichtigen und ihre Sucht nach Öffentlichkeit befriedigen wenn das Baby satt ist.

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