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Sportverein: So motiviert ihr eure Kids!

Sportverein
Saskia
Geschrieben von Saskia

Ohne Druck und Zwang!

In unserem ersten Sportbeitrag haben wir euch Tipps gegeben, welche Sportarten sich für Kinder eignen. Damit geht natürlich auch meist der Wunsch einher, in einen Sportverein eintreten zu wollen. Doch wie geht ihr damit um, wenn euer Nachwuchs nach der anfänglichen Euphorie plötzlich keine Lust mehr hat? 


Sport für Kinder in einem Verein ist in vielerlei Hinsicht zu empfehlen. So trainieren sie dadurch ihre Fitness und ihr Immunsystem, beugen Übergewicht und Rückenschmerzen vor, finden neue Freunde und stärken ihre sozialen Kompetenzen sowie ihr Selbstbewusstsein. Allerdings bedeutet die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein auch für Eltern, dass sie sich Zeit dafür nehmen müssen. Je nachdem wie alt ein Kind ist, muss es zum Training und zu Wettbewerben gefahren werden und natürlich freut es sich, wenn seine Eltern Interesse zeigen und die Entwicklung ihres Kindes mitverfolgen.

Dass Kinder keine Freude mehr am Vereinssport haben, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Mit den folgenden Tipps könnt ihr euren Nachwuchs motivieren, am Ball zu bleiben.

1. Kind im Mittelpunkt

Elterlicher Stolz und Ehrgeiz hin oder her – projiziert eure eigenen Leidenschaften oder Wünsche nicht auf eure Kinder. Nur weil ihr früher ein Talent für Ballett oder Fußball hattet, heißt das noch lange nicht, dass es euer Nachwuchs auch hat. Und selbst wenn er dieses Talent besitzt, solltet ihr akzeptieren, wenn er eine andere Sportart präferiert. Zwar könnt ihr euer Kind motivieren, eine Sportart regelmäßig auszuüben, welche es sein soll, entscheidet allerdings nicht ihr. Das gilt natürlich auch für alle anderen Hobbys.

2. Wettbewerb und Zwang

Aus Eltern- und Trainersicht stellt der Vereinssport eine maßgebliche Hilfe bei der Erziehung und körperlichen Entwicklung eines Kindes dar. Eine Langzeitstudie hat allerdings ergeben, dass sich Vereinssport nur dann positiv auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt, wenn es sich frei und vor allem ohne Leistungsdruck ausprobieren und entfalten kann*. Zwar haben Kinder oft große Freude daran, sich unter Gleichaltrigen zu messen, doch ein verbissener Wettbewerbsgedanke sowie Zwang und Drohungen wirken sich grundlegend eher negativ auf die gesunde Entwicklung eines Heranwachsenden aus. Dazu zählen übrigens auch überehrgeizige Elternrufe von der Sitzbank, während das Kind gerade sein Bestes gibt. 😉

3. Grund für die Unlust aufdecken

Hat euer Kind plötzlich keine Lust mehr auf den Vereinssport, solltet ihr herausfinden, ob es eine generelle Unlust ist oder ob sie nur an manchen Tagen vorkommt. Es ist vollkommen legitim, wenn ein Kind hin und wieder zu gestresst ist, zum Training zu gehen oder an einer Meisterschaft teilzunehmen. Habt in diesem Fall Verständnis und zwingt es nicht zur Teilnahme. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr es gleich ganz abmelden müsst. Sagt euer Nachwuchs laufend, dass er keine Lust mehr hat oder hat sogar richtig schlechte Laune oder Angst, können ernsthaftere Gründe vorliegen. Gebt ihm dann die Möglichkeit, sich euch anzuvertrauen beziehungsweise fragt, ob etwas vorgefallen ist. So kann zum Beispiel ein Zwist mit dem Trainer dahinter stecken, der zu viel Druck auf euren Schützling ausübt oder seinen Einsatz nicht genug honoriert und andere Kinder vorzieht. In solchen Fällen hilft es meist, wenn ihr euer Kind darin bestärkt, offen mit dem Trainer zu sprechen. Traut es sich nicht oder nimmt der Trainer die Problematik nicht ernst, solltet ihr euch einschalten. Fühlt sich ein Kind aufgrund eines anderen Sportkameraden unwohl oder wird sogar gemobbt, solltet ihr den Trainer ebenfalls darüber informieren. Hat euer Kind einfach keine Lust mehr auf die jeweilige Sportart, könnt ihr als Eltern versuchen, es noch eine Zeit lang zu motivieren und beobachten, ob die Freude daran zurückkehrt. Ist dies nicht der Fall, sollte es den Sportverein wechseln beziehungsweise sich für eine andere Sportart entscheiden.

Eltern-Tipps aus erster Hand

Wir haben uns außerdem noch mal bei den Eltern Stefan und Constanze erkundigt, welche Erfahrungen sie mit ihrem Nachwuchs gemacht haben.

1. Wie alt sind eure Kinder und welche Sportart üben sie seit wann aktiv in einem Verein aus?

Constanze: Mein Sohn ist 10 Jahre alt. Er war bis vor kurzem etwas länger als zwei Jahre im Aikido-Verein und seit einem Jahr ist er im Mountainbike-Verein.

Stefan: Meine Kinder sind 8 und 10 Jahre alt. Sie waren fünf, als sie mit dem Judo im Verein begonnen haben.

2. Was macht ihnen am Vereinssport Spaß und was nicht?

Constanze: Er hat großen Spaß an den Touren mit dem Mountainbike im Wald. Ganz wichtig ist auch, dass er sich mit einigen Kindern super versteht und sie Spaß zusammen haben, sich gegenseitig Tricks beibringen und dabei natürlich auch ein bisschen konkurrieren.

Stefan: Der Große trainiert für sein Leben gerne und hängt sich immer voll rein. Wenn Wettkämpfe anstehen, ist er immer sehr skeptisch und muss von den Trainerinnen überzeugt werden. Der Kleine hat manchmal wenig Lust aufs Training. Er liebt aber die Wettkampftage und legt dann richtig los. Er ist aktuell Stadt- , Vize-Kreis- und Bezirksmeister in seiner Gewichtsklasse.

3. Gab es bereits Situationen, in denen euer Nachwuchs keine Lust mehr auf den Verein oder die Sportart hatte und wie habt ihr ihn dann motiviert?

Constanze: Bei Aikido war es so, dass der Trainer gewechselt hat. Den fand mein Sohn von Anfang an nicht so toll und es hat ihm nicht mehr so großen Spaß gemacht. Es kamen auch immer viele neue kleine Kinder nach, sodass mein er das Gefühl hatte, sie machen eigentlich immer das Gleiche. Auch wenn der Trainer meinte, die Techniken sind trotzdem noch nicht so verfestigt, war es für meinen Sohn dadurch nicht motivierend und eher langweilig. Fahrradfahren macht ihm aber auch einfach viel mehr Spaß. 🙂

Stefan: Wir hatten von Mitte 2017 bis Mitte 2018 einen Ausfall im Trainierteam. Daher gab es keinen festen Trainer mehr. Das war schwierig, weil Kinder in dem Alter gerne  eine feste Bezugsperson haben. Meine Jungs hatten dann oft keine Lust auf Training, auch weil einige ihrer Freunde den Verein verlassen haben. Zum Glück gibt es seit Mitte 2018 ein neues Trainierteam und die Situation hat sich stark verbessert.

4. Wann ist aus eurer Sicht der richtige Zeitpunkt für einen Vereinsaustritt? 

Constanze: Wir haben bei Aikido schon ein paar Monate gewartet. Also ob es nicht nur eine Laune ist und sich wieder einrenkt. Als es sich aber wirklich gar nicht mehr positiv entwickelte, ist er ausgetreten.

Stefan: Durch die gerade beschriebene Situation haben wir auch darüber nachgedacht, den Verein zu wechseln. Ich hatte schon Probetrainings bei einem anderen Judoclub vereinbart, haben uns dann aber doch entschieden zu bleiben. Aus heutiger Sicht war das genau richtig. Insgesamt würde ich meine Kinder nur austreten lassen, wenn sie über einem längeren Zeitraum keine Lust mehr hätten und die Wettkämpfe sowie das Training konsequent ablehnen würden. Ich finde, dass man da schon ein wenig Ausdauer zeigen sollte, da es immer viele Ablenkungen gibt und man nicht beim ersten Anzeichen von Lustlosigkeit die Flinte ins Korn werfen muss. Passt es gar nicht und meine Jungs wären wirklich unglücklich damit, würde ich sie austreten lassen.

*Quelle: ntv

Titelbild: © Yakobchuk Olena

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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