Gesundheit Kinderwunsch

Social Freezing: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Social Freezing
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Viele Frauen stellen sich heutzutage der Frage „Kind oder Karriere?“ und entscheiden sich häufig für Letzteres. Der Kinderwunsch wird immer wieder aufgeschoben, weil man erfolgreich und unabhängig sein möchte oder sich einfach noch zu jung für eine Familie fühlt. In den letzten 40 Jahren hat sich das Durchschnittalter, mit welchem Frauen Kinder bekommen, um vier Jahre nach hinten verschoben. Früher waren Kinder eine Gegebenheit, heute sind sie eine Entscheidung. Und immer mehr Frauen beschließen aufgrund finanzieller und ökologischer Voraussetzungen, wann sie Kinder bekommen, der passende Partner und die Bereitschaft beider stehen eher an zweiter Stelle.


Besonders junge Akademikerinnen werden von der biologischen Uhr unter Druck gesetzt: nach Studium, inklusive Praktika und Auslandsaufenthalten, bleiben, laut diesem unsäglichen Zeitmesser, nur noch ein paar Jahre, um Karriere und Kinderwunsch umzusetzen. Denn gesunde und empfängnisfähige Eizellen altern genauso wie wir. Während rund ein Drittel der Frauen ab 35 bereits unter Fruchtbarkeitsproblemen leidet, sind mit über 40 bereits 95% der Eizellen nicht mehr in der Lage einen lebensfähigen Embryo hervorzubringen. Viele Frauen fühlen sich jedoch mit 40 Jahren noch jung und gerade erst bereit, nach der beruflichen Verwirklichung und der „Suche“ nach dem richtigen Partner, ein Kind zu bekommen. Dieser Wunsch blieb jedoch häufig unerfüllt, es sei denn man entschied sich für den beschwerlichen Weg einer künstlichen Befruchtung.

Die Lösung?

Seit etwa einem Jahr gibt es allerdings für viele Frauen Hoffnung auf diesem Gebiet, da die sich Möglichkeit sich Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen wesentlich verbessert hat. Diese Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen, ohne direkte medizinische Notwendigkeit, wird auch Social Freezing genannt – das vorsorgliche Einfrieren aus sozialen Gründen – und stellt nach der Pille die nächste große Revolution für Frauen beim Kinderthema dar. Dies ist jedoch keine völlig neue und unbekannte Methode, allerdings war es früher nur an Krebs erkrankten Frauen erlaubt sich, z. B. vor einer Chemotherapie, Eizellen entnehmen zu lassen, wenn ihre Fruchtbarkeit gefährdet war. Darüber hinaus war das Vorgehen teuer, unsicher und nicht sehr erfolgsversprechend, da die Eizellen durch ihre fragilen inneren Strukturen sehr sensibel sind und beim Auftauen häufig Eiskristalle entstanden, die die Eizellen zerstörten.

Durch eine neue Technologie in der Vitrifikation (Schockgefriermethode) jedoch bleibt die Kristallisation aus, wodurch sich die Erfolgswahrscheinlichkeit signifikant verbessert hat. Das gesamte Vorgehen ist zu Anfang gleichzusetzen mit den ersten Schritten einer künstlichen Befruchtung, da zunächst Zyklus und Eierstöcke durch Hormone stimuliert werden, um genügend Eizellen zu produzieren. Diese – meist um die 20 Stück – werden dann nach dem Reifen vom Arzt entnommen und durch Flüssigstickstoff eingefroren und konserviert, bis sie, zum gewünschten Zeitpunkt, wieder eingesetzt werden können. Eine Social Freezing-Behandlung muss jedoch jede Frau selbst bezahlen, weil diese von keiner Krankenkasse übernommen wird. Solch ein Behandlungszyklus kostet rund 3.000 Euro. Um gute Chancen zu haben, sollten mindestens 10-15 Eizellen konserviert werden. Sind es beim ersten Mal weniger, ist ein erneuter Durchgang nötig, für weitere 3.000 Euro, wobei hier die Hormone das kostspieligste sind. Außerdem kommen noch mehrere hundert Euro für die eigentliche Konservierung und die jährliche Lagerung hinzu.

Warum nicht „Kind und Karriere“?

Bei so einem heiklen Thema stellt sich jedoch auch die Frage, warum es heutzutage immer noch die einseitige Entscheidung zwischen Kind und Karriere sein muss. Denn auch wenn sich viele Unternehmen selbst das Siegel „familienfreundlich“ aufdrucken, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch heute immer noch ein schwieriges Thema. Viele Frauen sehen sich nach der Elternzeit mit Problemen konfrontiert, nicht nur beim Wiedereinstieg ins Berufsleben durch evtl. schlechtere Gehälter oder Positionen, sondern ebenso durch den Mangel an Betreuungsplätzen, sowie deren Flexibilität. Daher sollte man sich bereits im Vorfeld, egal ob man in jungen Jahren oder auch mit 40 ein Kind bekommen möchte, nach passenden Einrichtungen erkundigen und soziale Faktoren am Arbeitsplatz klären. Vor diesem Hintergrund allerdings ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Frauen erst für eine berufliche Verwirklichung und danach für Kind und Familie entscheiden. Die Möglichkeit der Social Freezing-Methode erscheint daher als eine positive Möglichkeit und Alternative, um die ganz individuelle Lebensplanung umsetzen zu können. Schade ist jedoch, dass dies nicht auch einfacher und ohne medizinischen Eingriff möglich ist.

Titelbild: ©koya979 – Fotolia.com

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