Kleinkind Schulkind

So gehen eure Kinder gestärkt aus der Corona-Krise hervor!

Corona Krise
Saskia
Geschrieben von Saskia

Gemeinsam schafft ihr das!

Homeschooling, Kinderbetreuung, Homeoffice. Und jetzt? Dass ihr aufgrund der Corona-Krise 24/7 als Familie zusammen verbringt, birgt große Herausforderungen. Laufend müsst ihr eure Kinder bitten, leise zu sein, sich auch mal allein zu beschäftigen, nicht alles durcheinanderzubringen und der Stress hört nicht auf. Zu allererst: Es ist normal und verständlich, dass ihr gerade an eure Grenzen stoßt – aber es ist auch eine Chance, der einzigartigen Persönlichkeit eurer Kinder auf die Spur zu kommen und ihr Selbstvertrauen zu stärken. 


Dabei ist euch die sportpsychologische Beraterin und Mental-Trainerin Madeleine Ullrich behilflich, die nicht nur für Corona-Zeiten ein Workbook und einen Workshop für Kinder entwickelt hat.

Derzeit befinden wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation, die Eltern und Kinder vor eine große Herausforderung stellt. Verhaltensweisen, die ein Kind zum Beispiel sonst in der Kita oder Schule auslebt, bekommen Eltern nun tagtäglich ungefiltert mit. Zudem können aufgrund der häuslichen Isolation auch ganz neue Eigenarten hinzukommen. Birgt das nicht laufend die Gefahr, dass wir unsere Kinder nur noch ermahnen und sie in ihrer individuellen Entwicklung bremsen, was sich wiederum negativ auf ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen auswirkt? Anders gefragt: Wann und wie sollten Eltern gesunde Grenzen ziehen?

Madeleine:

In der momentanen Situation ist einmal mehr Achtsamkeit gefragt.

Ich empfehle Eltern daher Folgendes:

Bevor ihr euer Kind ermahnt, nehmt einen tiefen Atemzug und fragt euch:

  • „Ermahne ich mein Kind jetzt, weil ich selbst im Stress und mit der Situation überfordert bin?
  • Oder ermahne ich mein Kind, weil das Verhalten wirklich alles andere als in Ordnung war und ich meiner „Erziehungsaufgabe“ nachkomme?“

Ist die Antwort Ersteres, empfehle ich euch, die geplante Ermahnung zurückzuziehen. Aber auch bei Zweitem macht natürlich der Ton die Musik. Überlegt auch hier, bevor ihr die Ermahnung aussprecht, wieso euer Kind so gehandelt hat.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die momentane Situation auch für Kinder herausfordernd ist und das kann sich sehr leicht in der Emotionsregulierung und im Verhalten zeigen.

Diese Art der Achtsamkeitspraxis benötigt viel Übung. Das möchte ich besonders betonen, um euch als Eltern den Druck zu nehmen, alles „richtig“ zu machen. Ihr handelt manchmal im Affekt, genauso wie eure Kids es auch tun. Sprecht als Familie darüber, wie diese Situation auch euer Familienleben, eure Kommunikation und euer Verhalten beeinflussen kann. Habt Verständnis füreinander und entschuldigt euch bei euren Kindern, wenn ihr vielleicht mal etwas voreilig mit eurer Ermahnung wart.

Haltet trotzdem im Blick, dass „Corona“ nicht die Ausrede für alles sein kann – nicht für euch und auch nicht für euer Kind.

Angenommen, das Kind wünscht sich mehr Aufmerksamkeit von den Eltern, die allerdings keine Zeit haben. Wie können sie das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen ihres Kindes stärken, ohne sich aktiv mit ihm zu beschäftigen?

Madeleine:

Klare Rituale und Abläufe können hier enorm helfen. Je nachdem wie alt euer Kind ist, sollten diese Rituale mit ihm zusammen gestaltet werden.

Hier ein paar Tipps:

  • Kreiert gemeinsam einen Wochenplan, indem ihr eure Tagesabläufe aufeinander abstimmt.
  • Lasst euer Kind so viel wie möglich mitentscheiden. Das erhöht das Gefühl von „ich werde gesehen“ und „ich werde gehört“.
  • Kocht gemeinsam das Lieblingsgericht eures Kindes.
  • Plant feste Kuschel- und Spielzeiten ein, in denen ihr eure ganze Aufmerksamkeit nur eurem Kind widmet. So weiß es, dass es seinen festen Platz in eurem Kalender hat.
  • Übergebt eurem Kind Verantwortung. Kinder wollen helfen, das liegt in ihrer Natur. Findet gemeinsam Aufgaben, die euer Kind übernehmen möchte und macht es zum Beispiel zum „Head of Gemüse schneiden“. Zelebriert das Ganze und sprecht es mit „Chefkoch“ an.
  • Nehmt euer Kind mit in eure „Homeoffice-Welt“: Zeigt ihm, wie eure Arbeit aussieht und erklärt, wieso sie wichtig ist. Umso mehr es versteht, wieso ihr weniger Zeit habt, umso mehr wird es das auch respektieren und fühlt sich nicht zurückgewiesen.
  • Um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, plant zum Beispiel feste virtuelle Spiel-Dates mit Freunden oder Telefonate mit Verwandten ein.

Wie kann ein Kind lernen, unabhängig von den Eltern den eigenen Stärken auf die Spur zu kommen, Ziele und Träume zu haben und an diesen festzuhalten?

Madeleine:

Die Basis sollte von den Eltern gelegt werden, indem sie ihr Kind von klein auf immer wieder darin bestärken, über die eigenen Wünsche zu sprechen, diese nicht kleinzureden oder abzuwerten. Von großer Bedeutung ist es, dass immer wieder nach dem „Warum“ gefragt wird. Mögen anfangs noch Sätze wie „weiß ich nicht“ als Antwort auftauchen, so fallen nach und nach die Antworten spezifischer aus.

Aufbauend darauf unterstützen folgende Übungen Kinder dabei, dass sie sich selbstständig mit ihren Wünschen und Stärken beschäftigen:

Ab dem Kindergartenalter:

  • Lasst eure Kinder sich sozial engagieren. Wenn sie nach außen etwas zurückgeben, beschäftigen sie sich ganz automatisch mit ihren Stärken und Zielen, da sie das Gefühl von „ich werde gebraucht“, „ich bin wichtig“ bekommen. Das kann mit dem Plätzchenbacken an Weihnachten für das Altenheim beginnen und kennt natürlich keine Grenzen.

Für Kinder ab ca. 8 Jahren:

  • Tagebuch führen und hier auch die Erfolge des Tages dokumentieren. Was habe ich heute erreicht? Wieso war es heute ein toller Tag? Was habe ich gelernt? Wem konnte ich helfen?

Wieso sind Ziele und Erfolge für Kinder überhaupt so wichtig und wieso sind sie in Zeiten wie diesen noch wichtiger als sonst?

Madeleine:

Ziele kann man sich wie Richtungsweiser im Leben vorstellen. Sie zeigen uns den Weg und motivieren uns, damit wir nicht „planlos“ in der Gegend umherschwirren. Dazu muss ich mir meiner eigenen Persönlichkeit und meiner Stärken bewusst werden.

In der jetzigen Zeit ist dies besonders essenziell, da Kindern viele Ereignisse genommen werden, die ihr Selbstvertrauen stärken. Das fängt mit dem Lob der Lehrer an, der Anerkennung von Freunden und geht bis hin zu sportlichen Wettkämpfen, die abgesagt wurden.

Fehlen Kinder diese Richtungsweiser und Erfolge können in der Familie die langfristigen Ziele gestärkt werden. Indem sich Kinder immer wieder mit ihren Wünschen und Zielen beschäftigen und diese zum Beispiel durch Traumreisen oder Visionboards visualisieren, entwickeln sie direkt einen Antrieb (=Motivation), um in die Umsetzung zu gehen.

Ziele an sich sind übrigens erst einmal neutral, erst die damit verbundenen positiven Emotionen lassen sie zu etwas Persönlichem werden, wofür wir jeden Tag unser Bestes geben und auch Rückschläge überstehen.

Das Homeschooling erzeugt viel Druck bei Eltern und Kindern. Wie können Eltern lernen, mit der Dreifachbelastung (Homeschooling, Homeoffice und Kinderbetreuung) besser umzugehen und wie können sie ihren Kindern den schulischen Druck nehmen?

Madeleine:

Der wichtigste Punkt: Liebe Eltern, befreit euch selbst von dem Druck, alle drei Aktivitäten gleich erfolgreich bewältigen zu müssen. Diese Entspannung wird sich auch auf eure Kinder übertragen. Habt ihr beispielsweise ein wichtiges geschäftliches Meeting, legt den Fokus darauf. Kommuniziert das an eure Kids und sorgt eventuell für eine externe Betreuungsmöglichkeit wie etwa ein Video-Telefonat mit Oma und Opa oder Freunden. Als Ausgleich liegt am darauffolgenden Tag die Aufmerksamkeit auf den Kindern und dem Homeschooling. Versucht – soweit es geht – immer 100 Prozent auf eine Tätigkeit zu legen, anstatt 50 Prozent auf zwei. Das spiegelt sich auch in der Qualität wider.

Für Individualität ist im Schulsystem oft keine Zeit – und genau hier kann im Homeschooling angesetzt werden. Geht spielerisch an die Aufgaben heran, konzentriert euch auf die Stärken eures Kindes und baut diese weiter aus. Oft liegt der Fokus auf den Schwächen, hier werden dann alle Register gezogen (Nachhilfe, extra Lernstunden etc.), aber eine große Verbesserung ist meist nicht in Sicht. Dass Kinder dadurch noch demotivierter werden, liegt auf der Hand. Ein Nebeneffekt ist aber auch: Konzentriere ich mich überwiegend auf meine Schwächen, schwäche ich dabei auch meine Stärken, da ich diesen keine Aufmerksamkeit mehr widme und negative Glaubenssätze wie „ich kann eh nichts“ in mir trage. Dass die Fächer, in denen euer Kind schwächer ist, auch Beachtung finden müssen, steht außer Frage. Aber: Euer Kind wird durch seine Lieblingsfächer Selbstvertrauen gewinnen, das ihm dann für die anderen Fächer zur Verfügung steht.

Welche Aufgaben beinhaltet dein kostenloses Stärken-Workbook und für welches Alter ist es geeignet?

Madeleine:

Es sind spielerische Aufgaben und Inspirationen, mit denen Kinder sich selbst kennenlernen und ihre Stärken und Wünsche zum Vorschein bringen können. Wie so oft im Leben müssen wir eine Vogelperspektive einnehmen, um ein klares Bild von Dingen zu bekommen. Diesen Ansatz fahre ich auch in meinen Workbook. Die Kinder dürfen sich zum Beispiel überlegen, welches Tier sie gerne wären und dann herausfinden, was an diesem Tier so besonders und einzigartig ist. Meistens wird ihnen dann auch ganz schnell bewusst, dass sie mit ihrem Lieblingstier sehr viele Gemeinsamkeiten haben.

Es geht jedoch nicht nur um einen selbst, sondern auch darum, wie ich mit meinen Stärken anderen helfen kann. Dieses Bewusstsein verstärkt das Selbstvertrauen von Kindern enorm.

Grafisch ist das Workbook für das Grundschulalter gestaltet, aber dem Alter sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ich habe auch schon Feedback von Eltern bekommen, dass sie die Übungen für sich selbst bearbeitet haben 🙂 . Ich empfehle, das Workbook als „work in progress“ zu betrachten und nicht statisch von vorne bis hinten durchzuarbeiten.

Ein gutes Beispiel ist hier das „Ich bin Ich“-ABC: Hier dürfen die Kinder zu jedem Buchstaben eine Eigenschaft oder ein Merkmal schreiben, das zu ihnen passt. Mit welchen Buchstaben sie beginnen, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass die Wörter aus dem Kind herauskommen und nicht von extern vorgegeben werden. Ihr könnt natürlich Hilfestellungen – zum Beispiel durch Fragestellungen – geben. Mir liegt es am Herzen, dass den Kindern das Ausfüllen Freude bereitet, und hier darf Perfektion auf die Seite gestellt werden.

Du bietest außerdem einen Workshop an, der derzeit nur online (via Skype) stattfindet. Was lernen Kinder darin und welche Vorteile hat er für Eltern?

Madeleine:

Die vier Themenbereiche aus dem Workbook geben den thematischen Rahmen vor und werden durch altersgerechte Übungen, in denen wir uns auch sportlich betätigen, weiter unterstützt. Mein Ziel ist es, dass die Kinder nach jeder Gruppen-Session einen „Aha“ Effekt über sich selbst und ihre Wünsche haben. Der Austausch mit gleichaltrigen, aber oft nicht bekannten Kindern ist für die Kids eine wunderbare Möglichkeit, um wahrzunehmen, dass jeder individuell ist und seinen ganz persönlichen Beitrag in der Gesellschaft leisten kann und darf. Wenn sechsjährige Kinder plötzlich sagen „Es wäre ja langweilig, wenn wir alle das gleiche könnten“, dann fangen auch mein Herz und meine Augen an zu leuchten.

Für Eltern bieten die Workshops in der momentanen Zeit natürlich eine tolle Möglichkeit, um eine Stunde „Me-Time“ zu erhalten und doch zu wissen, dass ihre Kinder pädagogisch sinnvoll beschäftigt werden. Zum anderen werden die Erfahrungen, die die Kinder in den Workshops machen, auch zu Hause geteilt und beeinflussen auch Geschwister und Eltern positiv.

Die drei wichtigsten Sätze, die Eltern ihren Kindern immer wieder sagen können, um sie zu motivieren und zu stärken?

Madeleine:

  1. Ich liebe dich so, wie du bist.
  2. Zusammen schaffen wir das.
  3. Was sagt dein Herz?

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Madeleine für das Gespräch und wünschen euren Kids viel Freude bei der Bearbeitung des Workbooks.

Ihr seid schwanger? Dann findet ihr hier die wichtigsten Maßnahmen, um euch und euer Baby vor dem Coronavirus zu schützen.

Titelbild: © Jet Cat Studio

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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