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Sei nicht so verbissen! Wenn Kinder Stress abbauen

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Kinderkrisen gemeinsam meistern

Kleinkinder empfinden Wut und andere negative Gefühle. Das Problem, sie können diese Gefühle schlechter verbalisieren als Erwachsene. Deshalb kommt es durchaus vor, dass die jungen Erdenbürger eine andere Ausdrucksmethode suchen und diese im Beißen oder Schlagen finden.


Vom Weinen zum Beißen

Es gibt einige Ursachen, die ein Kind zum Beißen bringen. Nicht alle deuten darauf hin, dass es gerade mit negativen Empfindungen kämpft. Das Zahnen zum Beispiel kann ein harmloser Auslöser sein. Die Neugier was man mit den neuen Beißerchen so alles anstellen kann wächst und Schwupps hängt das Baby an Mamas Finger. Überhaupt ist das Erleben des eigenen Körpers für Kinder immer sehr aufregend. Friedliches Gebrabbel kann sich so auch mal zu einem wilderen Zuschnappen entwickeln. Wenn Kinder mit Absicht oder im Affekt Spielgefährten oder ihre Eltern beißen, ist der Grund dafür aber unbedingt zu hinterfragen.

  • In welcher Situation beißt das Kind?

  • In welcher Stimmung war es, bevor es zugebissen hat?

  • Hat das Kind Stress?

  • Ist es in einer neuen Umgebung oder völlig ungewohnten Situation?

  • Gab es Anzeichen vor dem Biss, dass das Kind gerade unzufrieden oder überfordert ist?

  • Beißt das Kind öfter, wenn ja, gibt es Ähnlichkeiten in den Situationen?

Kinder befinden sich rund um die Uhr in einer Entwicklungsphase und sind dabei die Welt kennenzulernen. Was für einen Erwachsenen ein üblicher Tag war, kann für den Nachwuchs ein Feuerwerk an neuen Eindrücken bedeuten. Und die müssen verarbeitet werden, deshalb brauchen Kinder Routine. Wenn sich viel verändert und das Kind keine Zeit zum Verarbeiten bekommt, verspürt es mitunter Frustration, Wut oder auch Angst. Mit diesen Empfindungen umzugehen, muss es noch lernen. Oft weiß das Kind die Gefühle selbst nicht zuzuordnen und kann sie so nicht ausdrücken. Diese Hilflosigkeit löst Aggression aus. Es weiß selbst nicht was mit ihm los ist und keiner macht etwas, damit es besser wird. Statt dann wie im Babyalter zu weinen und zu schreien, wenn etwas nicht stimmt, benutzt es nun auch den Rest des Körpers, um sich irgendwie mitzuteilen.

Liebe statt Maulkorb

Wenn das eigene Kind tatsächlich beißt, raten Experten zum direkten Eingriff in das Geschehen. „Kleinkinder lernen am besten zuerst über ihren Körper. Wenn sie eine körperliche Erfahrung gemacht haben, haben sie die Möglichkeit auf verbale Ermahnungen zu reagieren“, erklärt Familientherapeutin Naomi Aldort, in ihrem Aufsatz über beißende Kinder. Wenn Eltern beobachten, dass ihr Kind gerade zum Zubeißen ansetzt oder schon zugebissen hat, müssen sie sich einschalten und die Situation sofort beenden.

Anstelle von ausschweifenden Erklärungen ist es wichtig, in einem bestimmten und etwas lauteren Ton eine eindeutige Anweisung wie „Stopp, das geht nicht“ zu geben. Dann hat das Kind die Chance, die Reaktion der Eltern direkt auf das eigene Handeln zu beziehen. Zunächst steht weniger im Fokus dem Kind begreiflich zu machen, warum es nicht beißen darf, als dass es nicht beißen darf. Wenn die Situation unterbrochen wurde, ist es sinnvoll, sich einen Moment Pause mit dem Kind zu nehmen und dann nochmal klar zu sagen, dass nicht gebissen werden darf. „Wenn Sie eingreifen, seien Sie freundlich, liebevoll und innerlich verbunden. Urteilen Sie nicht und halten Sie keine Predigt“, rät Aldort.

Dreamteam: Eltern und Kind

Das Beißen der Kinder richtig zu deuten ist eine Herausforderung. Wollte mein Kind sein Spielzeug nicht teilen oder hat es Schmerzen? Auf jeden Fall stimmt etwas nicht und das muss geändert werden. Kinder brauchen eine Anlaufstelle bei Problemen – bestenfalls die eigenen Eltern. Wenn der kleine Zwerg mit etwas nicht zurechtkommt, aber weiß, dass er bei Mama und Papa immer Hilfe findet, nimmt das den Druck. Es ist die Aufgabe der Eltern, den Kindern nicht nur Verhaltensregeln oder das Sprechen beizubringen, sondern auch ihnen zu zeigen, wie man mit Gefühlen umgeht. Wichtig für die Eltern: Beißt das eigene Kind, machen Sie sich nicht verrückt. Es bedeutet nicht, dass Sie als Eltern versagt haben. Bekommen Sie das Problem allein nicht in den Griff, können Sie sich Hilfe beim Kinderarzt oder bei Familienberatungsstellen holen. Seien Sie ein Vorbild und holen Sie sich Hilfe, wenn Sie sie brauchen. Ihr Kind soll dies schließlich auch tun.

Titelbild: ©Kristin Gründler

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1 Kommentar

  • Sehr guter Tipp und wie die Empfehlung: Kurz und knackig. Bei diesen Grenzüberschreitungen braucht kein Kind eine umschweifige Erklärung, sondern eine kurze Reaktion der Eltern, dass es das nicht machen darf.
    Ich-Botschaften: „Ich will nicht, dass Du beisst! Stop!“

    Außerdem: Nicht selbst beissen. Klingt banal, aber Eltern meinen, sie müssten ihren Kindern zeigen, wie weh ein Biss tun kann. Natürlich Quatsch: Es würde einem Kind nur als Vorbild dienen (gilt übrigens auch für „Knabberküsse“, was manche Eltern machen. Das mag zwar kitzeln und lustig sein, aber Kinder beissen dann zu.)

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