Baby Gesundheit

Schau mir in die Augen, Kleines!

Sehschwächen Babys
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Erst im 7. Schwangerschaftsmonat schlägt euer Baby das erste Mal die Augen auf, um sich das Innere von Mamas Bauch einmal genauer anzuschauen. Das klappt meist noch nicht sonderlich gut, denn das Auge ist, im Vergleich zu den anderen Sinnesorganen, ein echter Spätzünder. Wirklich gut sehen können Kinder tatsächlich erst mit der Schulreife. Aber wie sieht euer Kind euch und die Umwelt bis dahin? Und was macht ihr, wenn euer Kleines ein bisschen schielt? Wie immer: Ruhe bewahren! Sehschwächen bei Babys sind nämlich nichts Ungewöhnliches.


Lise Eliot, Professorin für Neurowissenschaften an der Rosalind Franklin University in Chicago, hat Nerven und Ahnung davon. Und sie hat die Antwort auf die Frage, warum der Sehsinn den anderen Sinnen, wie z.B. dem Hören und dem Fühlen, schon zu Beginn unserer Entwicklung so hinterherhinkt: „Vielleicht ist gerade die große Bedeutung des Sehens der Grund, weshalb unser Gesichtssinn seine wichtigsten Entwicklungsschritte erst nach der Geburt durchläuft, so dass die Erfahrung die größte Rolle bei der Gestaltung der Sehzentren im Gehirn spielen kann.“ Für Nicht-Neurologen bedeutet das: Kein anderer Sinn wird so sehr durch Erfahrungen und Übung geprägt wie der Sehsinn. Und das dauert. Sonst müsste man ja nicht üben.

Wenn euer Baby auf der Welt ist, sieht es folgerndermaßen:

  • 20 bis 30 cm weit gute Sicht
  • Alles, was weiter weg ist als Mamas Gesicht beim Stillen, können Babys nicht wirklich scharf einstellen
  • Farben sind kaum zu erkennen
  • Alles ist noch zweidimensional
  • Die Welt ist ein wenig verschwommen, so, als würde man durch Milchglas schauen

Sehen mit 3D-Effekt ist eine Seh-Technik, die alle Menschen erlernen müssen. Und das tun wir in unserem ersten Lebensjahr.

Sehschwächen bei Babys

Beim Sehen „lernen“ können allerdings auch Komplikationen auftreten. Bei etwa jedem 30. Kind lässt sich beispielsweise bei späteren Untersuchungen eine so genannte Amblyopie (Schwachsichtigkeit) feststellen – das klingt jetzt erst einmal furchtbarer, als es ist. Bei der Amblyopie handelt es sich um eine Sehschwäche, die sich in der kindlichen Entwicklung herausbildet, also nicht von vornherein angelegt ist. Ein Auge kann organisch gesund sein, aber wenn es nicht adäquat durch Lichtreize stimuliert wird, entwickelt es eine Sehverschlechterung. Nähere Informationen findet ihr auch noch mal im BIG-Ratgeber.

Eine entscheidende Ursache für eine Verschlechterung ist das Schielen. Deshalb wird bei den Kindervorsorgeuntersuchungen besonders darauf geachtet, dass die beiden Blickachsen richtig stehen. In den ersten drei Monaten ist jedoch die noch nicht genau funktionierende Abstimmung der Augen, und der damit verbundene Silberblick bei Neugeborenen, nicht Ungewöhnliches. Ursachen dafür können die ungleiche Entwicklung der Augenmuskeln oder auch eine ausgeprägte Form der Weitsichtigkeit sein, bei der die Versuche, das Bild scharfzustellen, das Schielen bewirken. Auch ist der Bewegungsapparat der Augen oft noch nicht soweit und das Gehirn kann die beiden Einzelbildchen noch nicht aufeinanderlegen. Das wird jedoch viele Male gebübt, bis es dann, im 6. oder 7. Lebensmonat endlich sitzt und der Silberblick der Vergangenheit angehört. Und sollte dies nicht der Fall sein, lässt sich das Schielen generell sehr gut behandeln. Wenn ihr unsicher seid, dann könnt ihr dies auch schon vor dem 6. Monat tun. Nur um ganz sicher zu gehen.

Der süße Silberblick

Immerhin ist das Schielen mit 5% einer der am häufigsten auftretenden Sehschwächen bei Babys. Während im Normalfall beide Augen in eine Richtung schauen und so zwei fast identische Bild entstehen, die dann deckungsgleich vom Gehirn übereinandergelegt werden, ist der Unterschied zwischen den Bildern beim Silberblick zu groß. Das Gehirn ist dann nicht mehr in der Lage sie genau aufeinander abzustimmen. Auf diese Weise entstehen Doppelbilder und das Bild des schielenden Auges wird vorsichtshalber unterdrückt, bzw. komplett ausgeblendet, damit keine Verwirrung entsteht. Und wenn ein Auge nicht genug gefordert wird, sprich „unterbeschäftigt“ ist, wird es schwach und irgendwie „faul“. Eine ganz menschliche Entwicklung.

Über kurz oder weit

Sehschwächen bei Babys, wie z.B. Weitsichtigkeit, sind ebenfalls durchaus normal. Das liegt daran, dass der Augapfel bis ins 2. Lebensjahr noch etwas zu kurz gewachsen ist, was er aber irgendwann aufholt. Komplizierter wird es, wenn er zu sehr wächst, denn das kann zur Kurzsichtigkeit führen und gegen die hilft nur eine Brille. Die Kleinsten brauchen diese in den seltensten Fällen und wenn euer Schatz schon etwas größer und beweglicher ist, dann solltet ihr euch auf jeden Fall für ein Modell entscheiden, das robust, ja, vielleicht sogar unkaputtbar ist. Und schön bunt sollte sie sein, damit die Brille auch mit Freude und Stolz getragen wird.

Ihr findet ihr Tipps, um Augenschäden bei Kindern zu vermeiden.

Titelbild: ©zmijak – Fotolia.com

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1 Kommentar

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank für den schönen Artikel.
    Ich wusste gar nicht, dass ein Baby die Augen schon im 7. SS Monat aufmacht.
    Das Kind von einer Freundin von mir schielt ein bisschen. Aus diesem Grund muss sie jetzt mit ihrer Tochter zur Sehschule.

    Grüße
    Nadine

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