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Schulbarometer Spezial: Coronabedingte Lernrückstände trotz hohem Engagement vieler Lehrkräfte

Schulbarometer Spezial
Helena
Geschrieben von Helena

Digitale Lernplattformen oft überlastet!

Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Homeschooling sollten zum Beispiel eine gute technische Ausstattung der Schulen und gut organisierte digitale Lernplattformen sein. Die Folgebefragung Deutsches Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise zeigt, wie sich im Vergleich zu den ersten Schulschließungen im März/April 2020 die technische Ausstattung der Schulen und der Einsatz des Lehrpersonals mithilfe digitaler Tools verändert haben und wie sich diese Veränderungen auf die Schüler*innen auswirken. 


Durchgeführt wurde die von der Robert Bosch Stiftung und der ZEIT beauftragten Forsa-Umfrage „Deutsches Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise“ im Dezember 2020. Befragt wurden 1.015 Lehrer*innen. Das bildet mit der ersten Umfrage vom März/April 2020 einen aussagekräftigen Längsschnitt der derzeitigen Schulsituation in Deutschland während der Corona-Pandemie ab.

Hohes Engagement der Lehrkräfte

Das Lehrpersonal hat sich beim Homeschooling und dem Einsatz digitaler Lern- und Arbeitsplattformen positiv entwickelt. So arbeiten mittlerweile 73 Prozent der befragten Lehrer*innen mit digitalen Lernplattformen, während es im März/April 2020 nur 45 Prozent waren. 62 Prozent der Befragten nutzen die digitalen Möglichkeiten, um neue Lerninhalte beispielsweise durch eigens erstellte Erklärvideos zu vermitteln. Es ist somit vor allem dem Einsatz der Lehrer*innen zu verdanken, dass sich Schulen digital weiterentwickelt haben.

Schlechte digitale Ausstattung und Lernrückstände

61 Prozent gaben beim zweiten Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise an, immer noch schlecht in der digitalen Ausstattung auf den Fernunterricht vorbereitet zu sein. Bei der ersten Befragung im April 2020 waren es 66 Prozent. Es konnte also gerade mal eine Verbesserung von fünf Prozent erzielt werden.

Jeweils 58 Prozent der Befragten bemängelten die digitale Ausstattung der Schulen und Lehrer*innen. Dies trifft vor allem auf Grundschulen (67 Prozent) zu. Hier gaben gerade mal sieben Prozent an, über Laptops oder Tablets für (fast) alle Schüler*innen zu verfügen. Gerade Schüler*innen beziehungsweise Familien, die finanziell benachteiligt sind, trifft es hart. So fehlt 80 Prozent der Schüler*innen eine ausreichende technische Ausstattung, um am digitalen Unterricht teilnehmen zu können. 54 Prozent der befragten Lehrer*innen stellen messbare Lernrückstände bei mehr als der Hälfte ihrer Schüler*innen in Förderschulen fest. An den Gesamtschulen hinken 47 Prozent den Anforderungen hinterher, an Grundschulen und Gymnasien sind es 32 Prozent. Kinder sind in der Corona-Krise somit klar im Vorteil, wenn sich Eltern intensiv kümmern können, die finanziellen Mittel für die digitale Ausrüstung haben und ihrem Nachwuchs zur Not auch Nachhilfe ermöglichen können.

Allerdings kritisieren 57 Prozent der Befragten auch die eigenen beziehungsweise die Kompetenzen der Kolleg*innen bei der Anwendung digitaler Lernformate. Laut der Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung Dr. Dagmar Wolf sei daher weiterhin das Engagement der Lehrkräfte sowie eine systematische Schul- und Unterrichtsentwicklung mit verbindlichen Konzepten für den Fern- und Wechselunterricht notwendig, um den digitalen Schulalltag erfolgreich meistern zu können. (Quelle: Robert Bosch Stiftung).

Und wo es an digitaler Ausstattung bei Schulen und Lehrer*innen mangelt, da sind Schulpolitik-Probleme nicht weit. Daher lag der Notendurchschnitt der Landesregierungen für ihre jeweiligen schulpolitischen Maßnahmen durch die Befragten bei 4,2. Nordrhein-Westfalen wurde mit einer 4,6 am schlechtesten bewertet.

Digitale Lernplattformen oft überlastet

Doch selbst wenn digitale Lernplattformen zur Verfügung stehen, Lehrer*innen engagiert sind und Schüler*innen technisch sehr gut ausgestattet sind, klappt es mit dem digitalen Unterricht häufig immer noch nicht. Viele Lernplattformen sind schlichtweg zu überlastet und brechen deshalb zusammen. So reiche nur in jeder dritten Schule (36 Prozent) die Internetverbindung aus, weshalb auch das Streamen nicht immer möglich ist. Hier sind Lehrkräfte an Gymnasien mit 60 Prozent im Vorteil, während in Förderschulen nur 40 und in Grundschulen nur 34 Prozent der Lehrer*innen Unterricht streamen können. Insgesamt verfügen 98 Prozent der Gymnasien über Lernplattformen, in Förderschulen und Grundschulen sind es nur knapp unter 60 Prozent.

Sorgen und Belastungen der Lehrkräfte in der Corona-Krise

Verständlich ist natürlich, dass sich viele Familien im Homeschooling oder Wechselunterricht derzeit nicht ausreichend bis gar nicht unterstützt fühlen. Bei all der Verzweiflung sollten wir den Einsatz vieler Schulen und Lehrkräfte dennoch anerkennen. Denn nicht nur Familien, sondern auch Schulen und Lehrer*innen müssen sich trotz technischer und gesundheitlicher Missstände möglichst schnell anpassen und das Beste aus der derzeitigen Situation machen. So gaben zwischen 60 und 80 Prozent der befragten Lehrkräfte an, in der Corona-Krise vor allem unter fehlender Planbarkeit, einem hohen Arbeitspensum und fehlender Unterstützung bei der Organisation von Fernunterricht zu leiden. Zudem haben sich bei der Befragung im Dezember 2020 56 Prozent große bis sehr große Sorgen gemacht, sich durch den Präsenzunterricht mit Corona zu infizieren. Bei ihnen ist die Sorge im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehr viel höher. Aus diesem Grund sprachen sich daher im Dezember auch rund 60 Prozent der Lehrkräfte für einen Fern- und Wechselunterricht aus.

Doch bei all den Problemen und Herausforderungen, die die Corona-Krise für den Schulalltag mit sich bringt, nehmen Schulen und Lehrkräfte auch positive Veränderungen für die Zeit nach Corona wahr.

Corona-Krise als Innovations-Chance

So gehen 50 Prozent des Lehrpersonals von Haupt-, Real- und Gesamtschulen davon aus, dass die Corona-Krise langfristig positive Veränderungen mit sich bringt. Waren im März/April noch 59 Prozent der Befragten der Meinung, dass digitale Lernformate und Kommunikation ohne Schulschließungen nicht, später oder sogar gar nicht umgesetzt worden wären, waren es im Dezember 2020 bereits 78 Prozent. Zudem wollen 69 Prozent der Lehrer*innen ihre neuen Methoden und Ansätze im Unterricht auch in Zukunft weiterhin anwenden.

Hier geht’s zum kompletten Deutschen Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise.

Lest hier, wieso Schulen und Lehrkräfte die Bildungspolitik kritisieren.

Und mit diesen sieben Morgenritualen für Kinder könnt ihr für einen optimistischen Start in den Homeschooling-Tag sorgen.

Titelbild: © ulza

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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