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Saure-Gurken-Zeit

Heißhunger
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Darf es noch etwas mehr Schlagsahne zur groben Leberwurst sein? Oder noch eine Kugel Himbeer-Eis auf die Pizza Funghi? Ich weiß, ich weiß, das Thema Schwangerschaftsgelüste wurde inzwischen zur Genüge, jawohl, bis zum Erbrechen ausgeschlachtet. Zu Recht wahrscheinlich, denn es ist schon seltsam, dass viele werdende Mütter Heißhunger auf besondere Nahrungsmittel und skurrile Snack-Kombinationen entwickeln. Beinahe 85 Prozent aller schwangeren Frauen kennen dieses Gefühl. Doch woher kommen diese Gelüste? Und wie angesagt ist die viel zitierte saure Gurke noch?


Als meine Mutter mit mir schwanger war, kam es oft über sie. Sie konnte nicht anders. Sie bekam Heißhunger und ihre Schwäche waren Dauerlutscher. Überall im Haus hatte sie kleine Lutscher-Verstecke, damit sie immer schnell zugreifen konnte, wenn sie Lust bekam. Und sie hat sie nicht gelutscht, sie hat sie mit den Zähnen geknackt. Gierig! Und heute? Ich glaube ich habe meine Mutter in meinem Leben noch nicht einen Dauerlutscher essen sehen. Faszinierend, diese sogenannten Schwangerschaftsgelüste. Ihre Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt und die Meinungen gehen, wie bei vielen Dingen, auseinander. Nur eines steht fest: Die saure Gurke scheint nur noch ein großes Klischee zu sein.

Tatsächlich zieht es etwa 40 Prozent aller Schwangeren eher zum süßen Zeug hin, während ca. 30 Prozent lieber Salziges verspeisen. 17 Prozent mögen es scharf und damit kommen die saure Gurke und ihre geschmacklichen Äquivalente nur bei etwa 10 Prozent der heißhungrigen, werdenden Mamas auf den Tisch. Nicht selten kommt es vor, dass sich die Gelüste gerade auf Nahrungsmittel beziehen, auf die Frau unter „normalen“ Umständen gar keine Lust hat. Andersherum kann es auch passieren, dass sich euch, in der Zeit eurer Schwangerschaft, beim Anblick eures Lieblingsessens der Magen umdreht. Keine Panik, das alles gibt sich nach einiger Zeit wieder.

Mögliche Gründe für spezielle Gelüste

Während viele Ärzte und Ernährungsexperten die Gründe für sonderbare Nahrungsgelüste schlicht in den hormonellen Schwankungen einer Schwangeren sehen, denn ähnlich wie der Geruchssinn ist auch der Geschmackssinn werdender Mütter anders und intensiver, vermuten andere Wissenschaftler wiederum, dass der Körper mit dem Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln Zeichen aussendet, damit bestehende Nährstoffmängel ausgeglichen werden. Wow, unser Körper, oder? Wenn das stimmt, besitzen wir einen besonders gut ausgebildeten Schutzmechanismus. Erklären würde dies auf jeden Fall weit verbreitete Heißhungerattacken auf Feldsalat (viel Vitamin C, Kalzium, Eisen und beruhigende Wirkung), Schokolade (Vitamin B) und Fleisch (Eiweiß, Eisen).

Das klingt doch sehr logisch und beeindruckend. Dennoch wird vom gegnerischen Argumentationslager die Fähigkeit des Körpers, nämlich den Nährstoffgehalt in Lebensmitteln zu prüfen, immer noch vehement angezweifelt. Keine Einigung in Sicht. Wer nun Recht hat, spielt in Wirklichkeit keine große Rolle. Gut zu wissen wäre jedoch, wie ihr mit den Hungerattacken am besten umgeht.

Hilfe, Heißhunger?

Salzstangen in Nutella tauchen oder Oliven in Apfelmus – Hauptsache es funktioniert und bleibt ausgewogen. Lukullische Ausraster schaden dem Baby nicht und der Mama tut es gut, der Lust ab und zu nachzugeben. Jedoch sollten die Gelüste nicht als Ausrede für’s Frustessen herhalten. Die Gesamtkalorien sollten im Auge behalten werden. Zudem solltet ihr auch immer nur dann loslegen, wenn ihr wirklich den Wunsch nach etwas Bestimmten hegt, und nicht, wenn euch langweilig ist oder ihr unzufrieden mit euch seid. Das hat nichts mit Gelüsten zu tun. Was außerdem hilft: Ein Fast-24-Stunden-Supermarkt in der Nähe und das gemäßigte Bunkern von Vorräten – wie meine Mama es getan hat. Ihr solltet auf regelmäßige Mahlzeiten achten, keinesfalls das Frühstück auslassen und viel frische Luft tanken. Ersatzbefriedigungen bringen übrigens gar nichts. Wenn man Parmesan mit Schokoladensoße essen möchte, dann bringt die Tüte Erdnussflips bestimmt nicht das ersehnte Glück. Und dieser Frust führt nicht selten zum besagten Frustessen.

Einigen Substanzen sollte aber niemals nachgegeben werden, egal, wie groß der Heißhunger ist. Einige schwangere Frauen entwickeln Gelüste auf Ungenießbares. Sie verspüren den Wunsch, Erde, Holz, Wäschestärke und Kalk zu sich zu nehmen. Wenn ihr also Lust auf ein großes, saftiges Stück Lehm bekommt, solltet ihr das nicht auf die leichte Schulter nehmen und euren Arzt konsultieren. Es könnte dann nämlich sein, dass ihr an einer seltenen Essstörung namens Pica leidet, die mit Eisenmangel einhergeht und die abstrusesten und teilweise gefährlichsten Essgelüste auslöst. Das sind jedoch Ausnahmen. Dann doch lieber ein großes Stück Käsekuchen mit Ketchup. Und Sahne? Ja, bitte!

Titelbild: ©panthermedia.net Bernd Jürgens

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