Baby Gesundheit

Plötzlicher Kindstod: Prävention ja, Panik nein!

plötzlicher kindstod
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Euer Baby ist gerade erst auf der Welt und ihr wollt alles Menschenmögliche tun, um euer Kind vor allen Gefahren zu beschützen. Eine der ersten großen Sorgen ist bei vielen Eltern der Plötzliche Kindstod. Noch immer gibt es keine genau definierten Ursachen und ganz eingedämmt ist dieses “Todesphänomen” noch immer nicht. Das Positive? Dank der Forschung und der Präventionsmaßnahmen ist die Todesrate von 1.300 Babys im Jahre 1990 auf mittlerweile unter 200 pro Jahr gesunken. Seid also achtsam, aber verfallt nicht in zu große Sorgen. Auch der Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg, Prof. Dr. Jorch, rät allen Eltern, dass kein Grund zur Panik besteht, sofern ihr einige wenige und leicht umsetzbare Dinge beachtet.


Was bedeutet der Plötzliche Kindstod?

Der Plötzliche Kindstod (SIDS – Sudden Infant Death Syndrom) gilt im ersten Lebensjahr eines Babys als Todesursache Nr.1. Meist sind die Kinder bis zum sechsten Lebensmonat davon betroffen und ganz besonders zwischen der fünften und elften Woche. Nach Jahrzehnten der Forschung kann man diese Form des Säuglingstodes mit ganz einfachen Mitteln weitesgehend verhindern.

Risikofaktoren

Vorgegebene Risikofaktoren

Jungen sind gefährdeter als Mädchen

Frühgeburten und unterernährte Babys

Zwillingsstatus

Erstgeborene sind gefährdeter als die jüngeren Geschwister

Anfällige Babys, die bereits im Vorfeld ein lebensbedrohliches Ereignis/eine Krankheit durchgemacht haben

In den kälteren Monaten zeigt sich zudem eine höhere Sterberate, als in den warmen Monaten. Das liegt allerdings nicht an den regulären äußeren Temperaturen sondern daran, dass Kinder in den kalten Monaten oft trockener Heizungsluft ausgesetzt sind und sie durch zu warme Bettdecken und Schlafsachen eher überhitzen können, als zu wärmeren Jahreszeiten. Hier gilt vor allem Vorsicht, wenn in der kalten Jahreszeit die Außentemperaturen plötzlich ansteigen und ihr euer Baby zu warm eingepackt habt. Zudem ist natürlich in den kühlen Monaten auch die Infektanfälligkeit höher.

Sozioökonomische Risikofaktoren

Mütter ohne Partner

Sehr junge Mütter

Kinderreichtum

Niedriges verfügbares Einkommen

Schlechte Wohnverhältnisse

Arbeitslosigkeit

Diese Feststellung aufgrund jahrelanger Untersuchungs- und Präventionsstudien sollte uns alle ein wenig wachsamer gegenüber Frauen und Familien machen, die möglicherweise mehr Unterstützung und Aufklärung benötigen, als andere Familien. Das kann nicht nur der behandelnde Arzt der werdenden Mutter, sondern auch Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen sollten ein wenig aufmerksamer mit den (werdenden) Müttern umgehen. Genau hier fehlt es nämlich leider häufiger an der nötigen und eigentlich recht simplen Aufklärungsarbeit. Ganz wichtig ist hier der Aspekt, dass die mütterliche Bildung noch mehr zum Schutz des Kindes beiträgt, als die finanziellen Faktoren. Diese stehen allgemein für ein höheres Risiko von diversen Gesundheitsstörungen und nicht spezifisch für den Plötzlichen Kindstod.

Veränderbare Risikofaktoren

Dass der Säuglingstod allein zwischen 1990 und 2010 um 84 Prozent gesunken ist, liegt vor allem an einem Hauptrisikofaktor: dem Schlafen in Bauchlage, der Anfang der 1990er Jahre noch eine beliebte Schlafposition der Eltern für Säuglinge war und seit den 1970er Jahren von Ärzten hoch angepriesen wurde. Nachdem die Bauchlage weltweit als Hauptfaktor des Plötzlichen Kindstodes proklamiert wurde, ging auch weltweit die Sterberate zurück. Ausgenommen davon sind die asiatischen Länder, die sich der westlichen Zivilisation nicht anschließen wollten und das Schlafen in Bauchlage weiterhin als ungefährlich ansahen.

Die Schlafposition in Rückenlage könnt ihr ganz einfach mithilfe eines Schlafsackes umsetzen. Damit könnt ihr nicht nur die Liegeposition, sondern auch das Risiko der Überhitzung und der Überdeckung (durch zerwühlte Kissen und Decken) eures Babys verhindern und die Risiken mindern. Allen Sorgen zum Trotz ist es übrigens nicht schädlich, wenn euer Baby nur in Wachphasen die Bauchlage trainiert. Selbst wenn euer Schatz dadurch etwas später weitere motorische Fähigkeiten wie das Krabbeln erlernt, ist es noch immer ein vollkommen normal und vor allem gesund entwickeltes Kind. Hier bekommt ihr die wichtigsten Infos zu Babys Schlafrhythmus.

Weitere Risikofaktoren, die Eltern vermeiden sollten:

Hinlegen in Seitenlage

Überhitzung des Schlafraumes

Verwendung großvolumiger Kopfkissen und Überbetten

Frühzeitiger Verzicht auf Stillen

Rauchen

Verzicht auf Schnuller

Mitschlafen im Elternbett

Schlafen außerhalb des Elternschlafzimmers

Elterliche Abhängigkeit von Alkohol und anderen Drogen

Prävention für eine gesundheitsfördernde Säuglingsbetreuung

Das Kind immer in Rückenlage und ohne Kopfkissen zum Schlafen legen.

Die Schlafposition in Rückenlage könnt ihr ganz einfach mithilfe eines Schlafsackes umsetzen. Damit könnt ihr nicht nur die Liegeposition, sondern auch das Risiko der Überhitzung und der Überdeckung (durch zerwühlte Kissen und Decken) eures Babys verhindern und die Risiken vermindern.

Möglichst ins eigene Bettchen im elterlichen Schlafzimmer legen. Im Elternbett sollte das Baby insbesondere dann nicht schlafen, wenn ein Elternteil raucht.

Das Schlafzimmer unbedingt rauchfrei halten – besser noch die ganze Wohnung, weil im Laufe des Tages auch aus anderen Räumen Inhaltsstoffe des Rauchs ins Schlafzimmer gelangen.

Schlafzimmer nicht heizen, solange die Raumtemperatur nicht unter 18° C abfällt.

Alle Informationen wurden uns freundlicherweise von Prof. Dr. Jorch, Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg, zur Verfügung gestellt und stammen aus seinem Beitrag “Prävention des Plötzlichen Kindstodes”.

Titelbild: © Barbara Helgason – Fotolia.com

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