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Patchworkfamilie: Modernes Chaos

Patchworkfamilie
Saskia
Geschrieben von Saskia

Langsam wächst zusammen, was zusammen gehört.

Bereits vor einem Jahr haben wir das Thema Patchworkfamilien kritisch betrachtet und euch mit Hilfe der Familientherapeutin und Autorin Doris Beerli die häufigsten Schwierigkeiten und Lösungsvorschläge herausgearbeitet. Das Problem ist allerdings noch immer, dass diesem schwierigen Familien-Modell zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht und es häufig unterschätzt wird. Steht die Patchworkfamilie immer für chaotische Familienverhältnisse?


Desaster der Modernität

Zuweilen auch als moderne Familienverhältnisse bezeichnet, wirkt eine Patchworkfamilie oft easy und vermittelt ein schönes Miteinander, während es im Hintergrund brodelt. Aber manchmal sind die Verhältnisse so verschoben, dass die nach außen so cool und zeitgeistig wirkende Familie eigentlich mehr als sanierungsbedürftig ist. Und die Leidtragenden sind in jedem Fall immer die Kinder.

Was hier jetzt negativ und hart klingt, soll nicht heißen, dass jede Patchworkfamilie still und heimlich leidet. Doch ist es wichtig, dass Eltern nicht vergessen, was sie sind – nämlich Eltern (!), Vorbilder und Erziehungsberechtigte. Immer mit der Verantwortung, ihren Kindern weiterhin Halt zu geben. Das gilt trotz der neuen Schmetterlinge im Bauch und auch dann, wenn sich so mancher als cooles Elternteil fühlt, der dem Kind plötzlich einen zweiten Vater oder Mutter beschert. Neue Geschwister inklusive. Ob Kind will oder nicht…

Patchworkfamilie oder das alltägliche Chaos

Ein Leben innerhalb einer Patchworkfamilie muss sich einspielen. Gerade zu Beginn ist es für Eltern schwierig, die Balance zwischen der Gefühlslage der Kinder und der eigenen zu finden. Beides ist wichtig, denn ist ein Elternteil mit dem eigenen Seelenleben nicht zufrieden und verdrängt seine Bedürfnisse, leidet schnell die gesamte Familie. Es gilt also nicht nur, auf die Kleinsten Rücksicht zu nehmen, sondern auch auf sich und den neuen Partner.

Den Kindern gerecht werden

Zieht man zusammen, entstehen plötzlich zahlreiche neue Konstellationen und alle Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden. Der Schritt, mit dem neuen Partner und dessen Kindern zusammenzuziehen, ist ein großes Wagnis, das alle Familienmitglieder gleichermaßen fordert und manchmal auch überfordert. Egal, wie harmonisch die ersten Treffen und wie lustig die gemeinsamen Ausflüge waren, das tägliche Zusammenleben ist mehr als nur ein flüchtiger Augenblick und sollte daher nicht ad hoc geschehen.

Scheut euch nicht –  vor diesem Schritt – eine Familientherapeutin hinzuziehen. Redet offen, aber feinfühlig mit euren Kindern. Erspart euch Sätze wie “Du musst akzeptieren, dass die Mama jetzt einen neuen Partner hat” oder Ähnliches. Das setzt eure Kinder unter Druck und schürt ihre Ängste, die ob solch einer Situation verständlich sind. Der wichtigste Punkt ist allerdings, dass ihr als Vater oder Mutter nicht versucht, euren Kindern den jeweils neuen Partner als Ersatzelternteil zu präsentieren.

Egal, wie angespannt das Verhältnis zum Ex-Partner ist, dieser ist und bleibt die erste Bezugsperson für eure Kinder und grundlegend entscheiden sie über die Integration neuer Familienmitglieder und wie eng die Beziehung werden darf. Hinzu kommen plötzlich zwei Wohnorte, an die sich eure Kinder gewöhnen müssen. Auf sie warten ab sofort zwei vollkommen neue Leben, mit neuen Personen und an neuen Orten. Sich an all das zu gewöhnen muss nicht, aber kann oft Jahre dauern.

Dem neuen und dem alten Partner gerecht werden

Außerdem sollte euch bewusst sein, dass euer neuer Partner mindestens genauso unsicher und aufgeregt ist. Auch er muss lernen, mit allen Gepflogenheiten der neuen Familienmitglieder umzugehen. Ganz sicher werdet ihr immer wieder Punkte erreichen, an denen ihr an die Grenzen eurer Toleranz und Akzeptanz stoßt. Vielleicht sehnt ihr sogar plötzlich die vertraute, alte Zeit zurück – selbst, wenn ihr längst keine Schmetterlinge mehr im Bauch hattet. Betrachtet dies aber nicht sofort als Zeichen für ein Scheitern der neuen Beziehung, sondern gebt euch einfach mehr Zeit. Und vergesst nicht, dass der alte Partner noch immer einen Platz in eurem neuen Leben benötigt, denn er gehört nach wie vor zum engsten Kreis der Familie.

Euch gerecht werden

Auch ihr müsst euch ganz sicher an die neue Situation gewöhnen. Selbst, wenn ihr euch aufopfernd um eure Liebsten kümmert, vergesst euch dabei nicht selbst. Gesteht euch Fehler und Rückschläge ein, nehmt euch Auszeiten und vor allem: Redet offen über eure Gefühle, Ängste und unbedingt über eure gemeinsamen Fortschritte. Nehmt es nicht als selbstverständlich hin, dass ihr gemeinsam bereits einiges gemeistert habt, sondern seid stolz darauf und redet darüber. Somit kann ganz langsam zusammenwachsen, was zusammen gehört – selbst, wenn es geflickt und kunterbunt zusammengewürfelt wurde. 🙂

 Titelbild: monropic

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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