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Paracetamol in der Schwangerschaft: Studien warnen vor Nebenwirkungen beim Kind

Paracetamol in der Schwangerschaft
Saskia
Geschrieben von Saskia

Auch Väter in spe können ihr Kind gefährden!

Die Frage, welche Medikamente in der Schwangerschaft erlaubt sind und welche nicht, verunsichern werdende Mütter immer wieder. Kein Wunder, denn Medikamente, die bislang als eher unbedenklich galten, können plötzlich doch gefährlich für das Ungeborene sein. So galt Paracetamol (unter anderem auch unter dem Namen Tylenol bekannt) in der Schwangerschaft lange als unbedenklich. Mehrere Studien zeigen mittlerweile allerdings, dass das Schmerzmittel Spätfolgen beim Kind verursachen könnte.


Paracetamol ist in Deutschland das meistverkaufte Medikament bei leichten bis mäßig starken Schmerzen. In Europa nehmen es aufgrund seiner angeblichen Unbedenklichkeit und guten Verträglichkeit zwischen 50 und 60 Prozent der Schwangeren. Hauptgründe der Einnahme sind Kopfschmerzen und Fieber. Mittlerweile häufen sich allerdings Studien, die zeigen, dass Paracetamol in der Schwangerschaft die Gesundheit des Kindes gefährden kann.

Laut einer Studie der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health aus dem Jahr 2019 konnte ein Zusammenhang zwischen dem Nachweis des Wirkstoffes im Nabelschnurblut und den Diagnosen ADHS und Autismus bei Kindern nachgewiesen werden. Es gab also wesentlich mehr Fälle von Entwicklungsstörungen bei Kindern, wenn die Mütter während der Schwangerschaft das Schmerzmittel eingenommen haben, beziehungsweise konnten stärkere gesundheitliche Beeinträchtigungen bei den Kindern festgestellt werden.

Paracetmaol in der Schwangerschaft laut Medizinern immer noch vertretbar

Dennoch kann damit bislang kein eindeutiger Zusammenhang bewiesen werden, da beispielsweise auch die genetischen Anlagen der Familien und die jeweiligen Umwelteinflüsse in die Untersuchungen mit einfließen müssen.

Laut Dr. Andrew Shennan, Professor für Geburtshilfe am King’s College London könne es möglich sein, dass Paracetamol bei den untersuchten Schwangeren nicht der Auslöser für Autismus sei, sondern dass das erhöhte oder verstärkte Risiko der Entwicklungsstörung eher durch den Grund der Einnahme des Schmerzmittels entstehe. Es spiele also ebenfalls eine wichtige Rolle, welche Beschwerden die Schwangere mit Paracetamol lindern will beziehungsweise welche Ursachen den Schmerzen zugrunde liegen (Quelle: dailymail.co.uk).

Weitere Studien warnen vor Langzeitnebenwirkungen von Paracetamol in der Schwangerschaft

Die Studie ist längst nicht die einzige, die aufzeigt, dass Paracetamol in der Schwangerschaft zu gesundheitlichen Risiken bei der kindlichen Entwicklung führen kann. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2019 der Universität Bristol (publiziert in der wissenschaftlichen Zeitschrift Paediatric and Perinatal Epidemiology) macht einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsproblemen bei Kindern mit sechs Monaten und elf Jahren deutlich. Für die Langzeitstudie wurden rund 14.000 Kinder untersucht.

„Unsere Ergebnisse fügen weitere besorgniserregende Befunde zu einer Serie von Studien hinzu, die mögliche Nebenwirkungen der Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft wie Asthma oder Verhaltensauffälligkeiten der Nachkömmlinge zeigen. Sie bestärken den Ratschlag, dass Frauen vorsichtig sein sollten, wenn sie während der Schwangerschaft Medikamente einnehmen. Sie sollten medizinischen Rat einholen“, so die Studienleiterin Prof. Jean Golding.

 

2014 machte eine dänische Studie ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko für ADHS bei Sechsjährigen aufmerksam. 2013 zeigte eine Studie aus Norwegen, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft an mehr als 28 Tagen das Schmerzmittel eingenommen haben, mit drei Jahren Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Für eine weitere norwegische Studie wurden mehr als 170.000 Mütter und Väter sowie rund 115.000 Kinder über einen Zeitraum von zehn Jahren begleitet. Auch hier kam man zu dem Ergebnis: Je mehr Paracetamol von beiden Elternteilen während der Schwangerschaft beziehungsweise vom Vater vor der Zeugung des Kindes eingenommen wurde, desto höher war die ADHS-Gefahr beim Kind. Haben die Eltern das Mittel länger als einen Monat eingenommen, hatte sich das Risiko für ADHS mehr als verdoppelt. Nahmen die Schwangeren Paracetamol, um Fieber zu bekämpfen an mehr als 22 Tagen ein, erhöhte sich das Risiko für ADHS bei ihren Kindern um mehr als das sechsfache.

Weiterführende Infos zu den Studien findet ihr hier und hier.

Paracetamol in der Schwangerschaft weiterhin erlaubt

Solange die genauen Zusammenhänge zwischen dem Wirkstoff des Schmerzmittels und den Entwicklungsstörungen bei Kindern nicht eindeutig nachgewiesen werden können, gilt Paracetamol in der Schwangerschaft weiterhin als gut verträglich und risikoarm.

Gibt es Alternativen?

Bedenkt man, dass Paracetamol sowieso nur bei leichten bis mäßigen Schmerzen wirkt, empfehlen wir euch, vor der Einnahme alle alternativen Therapieformen auszuprobieren, bevor ihr zu einem Schmerzmittel greift.

So liegen Kopfschmerzen häufig daran, dass ihr zu wenig getrunken habt oder verspannt beziehungsweise gestresst seid. Denkt also immer daran, genug Flüssigkeit zu euch zu nehmen, gönnt euch eine Massage, sorgt dafür, dass ihr ausreichend Schlaf bekommt, geht regelmäßig an die frische Luft und probiert unterschiedliche Entspannungstechniken wie autogenes Training aus. Weitere Tipps bekommt ihr übrigens über das BIG Gesundheitstelefon und natürlich von eurem Arzt und eurer Hebamme sowie auf embryotox.de.

Lest auch noch mal folgenden Beitrag: Ist Ibuprofen während des Stillens erlaubt oder schädlich?

Titelbild: © Andrey Popov

Über den Autor

Saskia

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Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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