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Original Play: Pädagogikkonzept in Kitas sorgt für Entrüstung

Original Play
Saskia
Geschrieben von Saskia

Eltern und Ministerien fordern generelles Verbot

Achtsames Raufen und Toben, damit Kinder bereits in der Kita lernen, respektvoll miteinander umzugehen anstatt aggressive Verhaltensmuster zu entwickeln? Das will der US-amerikanische Spieleforscher Fred Donaldson mit seinem Pädagogikkonzept „Original Play“ – was so viel wie „urtümliches Spiel“ bedeutet – möglich machen. Doch was auf den ersten Blick wie eine sinnvolle Methode auf dem Gebiet der Erlebnispädagogik scheint, kann auf den zweiten Blick den Weg zum sexuellen Missbrauch an Kindern ebnen.


Seit einigen Monaten plädieren bereits besorgte Eltern, Therapeuten und Ministerien für ein generelles Verbot von Original Play. Ende Oktober berichtete die ARD-Sendung Kontraste über das umstrittene Pädagogikkonzept. Während es in Bayern, Brandenburg und Hamburg bereits verboten beziehungsweise gar nicht erst zugelassen wurde, bewirkten nun auch die Bildungsbehörden in Berlin, dass Original Play nicht mehr praktiziert werden darf.

Doch wieso ist das Kita-Spiel, das weltweit angewandt wird, so in Verruf geraten?

Original Play soll sexuelle Übergriffe an Kindern vereinfachen

Auf den ersten Blick klingt so ein Kuschel- und Rauf-Kurs auf Matten mit der gesamten Kita-Gruppe doch eigentlich gar nicht so verwerflich. Allerdings wird Original Play nicht nur unter den Kindern, sondern auch unter der Leitung eines erwachsenen Mentors praktiziert, der ebenfalls Teil des Geschehens ist und somit intensiven Körperkontakt zu den Kleinkindern pflegt. Und genau hier kann es zu sexuellen Übergriffen kommen.

Durch „Original Play“ werde im schlimmsten Fall „pädokriminellen“ Männern und Frauen der Zugang zu Kitas ermöglicht, sagte der Kinderpsychiater Karl-Heinz Brischin in der Sendung Kontraste.

 

Verfahren zu Missbrauchsvorwürfen eingestellt

Dass Original Play derzeit keinen guten Stand in unseren Kitas hat, liegt unter anderem daran, dass es in zwei evangelischen Kindergärten in Hamburg und Berlin zu Fehlverhalten und Übergriffen durch die Mentoren gekommen sein soll. Allerdings ließ sich in beiden Fällen der Verdacht nicht bestätigen und die Staatsanwaltschaft stellte somit beide Verfahren ein. Dennoch kämpfen derzeit viele Eltern weiterhin für ein generelles Verbot des Spiels wie beispielsweise mit dieser Online-Petition.

Original Play soll Kindern ein Gespür für Grenzen vermitteln

Gewiss sind die Bedenken in Bezug zu körperlicher Nähe zwischen einem fremden Erwachsenen und Kleinkindern nachvollziehbar. Wichtig ist dennoch zu wissen, dass das Konzept ebenfalls daraus besteht, dass Eltern am Spielrand sitzen oder sogar daran teilnehmen können und kein Kind gezwungen wird, mitzumachen. Zudem werden laut der Initiatoren die Mentoren speziell geschult. Das Ziel von Original Play sei, dass jedes Kind lernt, in puncto körperlicher Nähe seine und die Grenzen anderer ausloten und diese zu respektieren. Laut des Erfinders soll es grundlegend dazu dienen, Aggressionen bei Kindern vorzubeugen. Bislang gibt es allerdings keine Studien, die dies auch belegen können.

Sexueller Missbrauch lauert überall

Was wir uns immer wieder vor Augen halten sollten: Da wo sich Kinder und Erwachsene körperlich nahe kommen – egal ob es sich dabei um eine fremde Person handelt oder nicht – kann es immer zu Distanzüberschreitungen beziehungsweise zu sexuellen Übergriffen kommen. Vor allem im Kleinkind- und Grundschulalter suchen Kinder häufig die Nähe ihrer Erzieher und Lehrer. Es wird getröstet, umarmt und Kinder werden auf den Schoß genommen. Auch im Familienkreis, beim Judo oder Ballett oder in zahlreichen anderen Situationen kommt es zu Berührungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Aus diesem Grund sollten wir unseren Nachwuchs immer im Auge und immer ein offenes Ohr für ihn haben. Dass Original Play in Deutschland wahrscheinlich keinen Anklang mehr finden wird, ist verständlich. Dennoch sollten wir vorsichtig damit sein, gleich das gesamte Konzept sowie die Mentoren in Frage zu stellen und ihnen generelle Grenzüberschreitungen zu unterstellen. Strengere Regeln wie beispielsweise die Anwesenheit mehrerer Eltern sowie ein polizeiliches Führungszeugnis der Mentoren hätten möglicherweise verhindern können, dass Original Play so sehr in Verruf gerät.

Habt ihr auch bereits Erfahrungen mit Original Play gemacht und seid ihr auch für ein generelles Verbot oder empfindet ihr die Kritik als ungerechtfertigt? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Titelbild: © oksix

Über den Autor

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Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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