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Nachtschichten erhöhen Frühgeburtsrisiko

Nachtschichten Frühgeburtsrisiko
Geschrieben von Helena

Schichtdienst und speziell häufige Nachtschichten sind anstrengend und können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Zum Glück gibt es in Deutschland das Mutterschutzgesetz, das Nachtschichten bei Schwangeren untersagt. Doch es gibt Schlupflöcher, die gerade in Corona-Zeiten häufiger genutzt werden könnten. Studien machen deutlich, welchen Gefahren Schwangere und Ungeborene durch Nachtdienste ausgesetzt sind – demnach steigen die Risiken von Fehl- und Frühgeburten enorm. 


Frühgeburtenprävention ist wichtig, wird aber leider immer noch häufig unterschätzt. Mehrere Studien haben bereits belegt, dass häufige Störungen des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus große Risiken für das Ungeborene birgt. So kann es dadurch bei der Schwangeren zu vorzeitigen Wehen und einem erhöhten Fehl- und Frühgeburtsrisiko kommen:

Dies zeigt zum Beispiel eine dänische Kohortenstudie unter der Leitung von Luise Moelenberg Begtrup vom Bispebjerg og Frederiksberg Hospital in Kopenhagen aus 2019. So lief die Studie ab: Die Forscher*innen setzten die Daten wie etwa die Anzahl der Nachtschichten von insgesamt 22.744 Pflegerinnen und Ärztinnen in Beziehung der vom Geburtsregister erfassten Fehlgeburten. Die Anzahl der Nachtschichten konnten sie durch die Sichtung der Gehaltsabrechnungen rückverfolgen, da diese den Lohn beeinflussen und deshalb gesondert erwähnt werden. Das Ergebnis: Ab der achten Schwangerschaftswoche kam es 32 Prozent häufiger zu einer Fehlgeburt, wenn die Frauen in der Woche zuvor zwei oder mehr Nachtschichten leisteten. Bei Frauen, die mindestens 26 Nachtschichten im Frühstadium ihrer Schwangerschaft absolvierten, war das Risiko einer Fehlgeburt 2,6-fach höher.

Was zeigt die neue Studie?

Die schwedische Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm unter der Leitung von Dr. Manzur Kader begründet sich ebenfalls auf Daten des schwedischen Geburtenregisters. Dieses Mal konnten die Wissenschaftler*innen bei Frauen, die im Gesundheitswesen arbeiten und eine Frühgeburt hatten, auf digital hinterlegte Arbeitszeiten im Arbeitsregister über einen Zeitraum von acht Jahren (2008 bis 2016) zurückgreifen. Insgesamt wurden für die Studie Daten von 4.970 Einlingsgeburten ausgewertet.

Nachtschichten können Frühgeburtsrisiko verdreifachen

Laut Studie hat sich das Risiko für eine Frühgeburt bei Frauen, die mehr als 25 Nachtschichten leisteten, um 62 Prozent erhöht. Absolvierten die Schwangeren im ersten Trimester mindestens drei Nachtschichten hintereinander, stieg das Risiko einer Frühgeburt um 43 Prozent.

Ein verdreifachtes Risiko hatten die Schwangeren, die …

  • mehr als achtmal mindestens drei oder mehr aufeinanderfolgende Nachtschichten hatten
  • weniger als 28 Stunden Zeiten hatten, sich nach der Nachtschicht zu erholen

Weitere Risikofaktoren:

  • Wenn die Schwangere mehr als 20 Schichten von zehn Stunden oder mehr im ersten Trimester arbeiteten.
  • Wenn die Wochenarbeitsstunden in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten höher als 40 waren.

Mutterschutzgesetz, Druck und Verantwortungsbewusstsein

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) verbietet es Arbeitgeber*innen, Schwangere zwischen 20 und 6 Uhr zu beschäftigen.

Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn…

  • die Schwangere ausdrücklich einverstanden ist
  • im Anschluss an eine unterbrochene Nachtruhezeit von mindestens elf Stunden ein Ersatzruhetag gewährt wird
  • die Teilnahme zu Ausbildungszwecken erforderlich ist
  • die unverantwortbare Gefährdung für Schwangere und Ungeborenes durch Alleinarbeit ausgeschlossen ist
  • eine Ausnahme vom allgemeinen Verbot der Arbeit an Sonn- und Feiertagen nach § 10 des Arbeitszeitgesetzes zugelassen ist

(Quelle: Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz – § 4 „Verbot der Mehrarbeit; Ruhezeit“, § 5 „Verbot der Nachtarbeit“ und § 6 „Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit“)

Die Vielzahl an Schlupflöchern kann dazu führen, dass euch Arbeitgeber*innen oder Arbeitskolleg*innen unter Druck setzen. Auch euer eigener Fleiß und Verantwortungsbewusstsein sowie finanzielle Aspekte können euch die Entscheidung gegen Nachtschichten erschweren. Die Studie beweist allerdings, dass ihr im Idealfall ganz oder nur in Ausnahmefällen Nachtschichten während der Schwangerschaft leisten solltet. Dies gilt besonders für das dritte Trimester. Lest auch noch mal unseren Beitrag „Frühgeburt erhöht Risiko für Herzkrankheit bei Müttern“.

Übrigens gilt für § 5 und 6: Die schwangere oder stillende Frau kann ihre Erklärung nach Satz 2 Nummer 1 jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. 

Titelbild: © LIGHTFIELD STUDIOS

Über den Autor

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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