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MIS-C: Covid-19 kann gefährliches Entzündungssyndrom bei Kindern auslösen

MIS-C
Geschrieben von Helena

Kinder ohne Corona-Symptome sind besonders gefährdet!

Bereits im letzten Jahr haben wir vom Kawasaki-ähnlichen Syndrom berichtet, an dem Kinder weltweit nach einer Coronainfektion erkranken. Auch eine britische Studie belegt, dass immer wieder Fälle auftreten, in denen Kinder nach einer Covid-19-Infektion an dem gefährlichen Multisystem-Entzündungssyndrom (Multisystem Inflammatory Syndrome) – kurz MIS-C oder PIMS (Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) – leiden, das lebensgefährlich sein kann. Besonders Kinder, bei denen eine Infektion mit Sars-CoV-2 asymptomatisch verläuft, erkranken häufiger an PIMS.


Seit Mitte März erkranken immer mehr Kinder in Deutschland an Covid-19. Vor allem an der gefährlichen britischen Mutante B.1.1.7. Das liegt unter anderem daran, dass die Mutante wesentlich ansteckender und gefährlicher ist als das ursprüngliche Virus. Das RKI warnt derzeit besonders vor Infektionen, die sich im privaten Haushalt, der Kita, der Schule und durch das berufliche Umfeld rasend schnell und damit auch durch Kinder übertragen.

Mittlerweile gehen Experten immer stärker davon aus, dass Kinder nicht mehr „nur“ als Überträger eine prägende Rolle spielen. Das RKI sowie Ärzte warnen davor, dass Corona-Patienten auf den Intensivstationen immer jünger werden könnten. Bislang verläuft die Corona-Infektionen bei Kindern häufig asymptomatisch (symptomlos). Gerade in Bezug zur britischen Mutante gibt es allerdings bislang kaum Erkenntnisse zum Krankheitsverlauf bei Kindern. Zudem zeigt eine US-Studie des Centers for Disease Control and Prevention (CDC), veröffentlicht am 6. April 2021 im Fachmagazin JAMA Pediatrics, dass drei Viertel der untersuchten Kinder und Jugendlichen, die an MIS-C erkrankten, bei einer vorangegangenen Infektion mit Sars-CoV-2 asymptomatisch waren. Laut Studie zeigten ältere Kinder dagegen häufiger Symptome. Hier vermuten die Forscher allerdings auch, dass sich jüngere Kinder seltener bis gar nicht zu ihren Symptomen äußern.

Was ist PIMS beziehungsweise MIS-C?

Das Multisystem Inflammatory Syndrome ähnelt bereits bekannten „entzündlichen Erkrankungen“ wie dem Kawasaki-Syndrom oder dem Makorphagenaktivierungssyndrom. MIS-C sorgt für eine gestörte Immunreaktion, woraus Organ- und Blutgefäßentzündungen resultieren können. Laut einer Studie, die am 1. März 2021 im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht wurde, mussten 64 bis 80 Prozent der erkrankten Kinder intensivmedizinisch behandelt und 30 Prozent der Patienten beatmet werden. Bei rund zwei bis vier Prozent endet PIMS tödlich. In den USA wurden bislang 24 MIS-C-Todesfälle registriert. Dennoch ist MIC-S bislang sehr selten. Das Entzündungssyndrom zeigt sich etwa zwei bis sechs Wochen nach einer Sars-CoV-2-Infektion. Meist sind Kinder im Schulalter (im Schnitt acht Jahre alt, eher männlich als weiblich), seltener auch Babys und junge Erwachsene betroffen.

Wie häufig ist MIS-C in Deutschland?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) sind derzeit 260 MIC-S-Fälle bei Kindern und Jugendlichen bekannt. Todesfälle wurden in Deutschland bislang nicht registriert. Oft sei laut DGPI die Aufnahmediagnose erstmal eine andere. Allerdings würde man dann im weiteren Verlauf und natürlich durch die Diagnose PIMS eine passende Behandlungsmethode finden. Dabei kommen zum Beispiel Kortison, Antibiotika (gegen zusätzliche bakterielle Infektionen) und Präparate, die aus Spender-Blutplasma bestehen, zum Einsatz.

PIMS-Symptome

Wenn eine Corona-Infektion bei eurem Kind nachgewiesen wurde oder es in einem engen Kontakt zu einer infizierten Person stand, können folgende Symptome auf das Entzündungssyndrom hinweisen:

  • Fieber (länger als 24 Stunden)
  • erhöhte Entzündungswerte
  • Funktionsstörung von mindestens zwei bis häufig vier Organen (zum Beispiel Herz, Haut, Magen und Darm, Nieren, Atemwege, Blut)
  • Magen-Darm-Beschwerden (Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall)
  • Veränderte Schleimhäute (Hautausschlag, Bindehautentzündung)
  • Atemwegsprobleme
  • neurologische Beschwerden (Kopfschmerzen, steife Nackenmuskulatur)

Die US-Studie zeigt, dass bei 90 Prozent der untersuchten Kinder gleich vier Organe und vornehmlich das Herz betroffen waren. Zu den Beschwerden zählten beispielsweise Herzmuskelentzündungen, niedriger Blutdruck oder Störungen der Herzfunktion. Unter schweren Verläufen mit Herzproblemen litten besonders jüngere Kinder, die keine Covid-19-Symptome hatten. Dennoch leiden eher ältere Kinder unter schweren PIMS-Verläufen. Zwei Drittel hatten Magen-Darm-Beschwerden. Hinzu kamen Atemwegsprobleme, Fieber und Hautausschlag.

Zudem konnten die Ärzte immer einen Zusammenhang zwischen größeren Corona-Wellen und PIMS-Infektionen feststellen. Je höher die Inzidenzrate also ist, desto größer ist in den Wochen darauf auch das Risiko, dass ein Kind an MIS-C erkrankt.

Euer Kind ist am Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome erkrankt? Um die epidemiologische Entwicklung in Deutschland verfolgen zu können, könnt ihr bei der DGPI ein PIMS-Meldeformular ausfüllen, nachdem euer Kind die stationäre Behandlung abgeschlossen hat. Ihr seid bei BIG direkt gesund versichert? Hier findet ihr die wichtigsten Infos zur Corona-Pandemie und zur Coronavirus-Impfung.

Titelbild: © Rido

Über den Autor

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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