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Mehr Zeit – weniger Streit: So wuppt ihr den Familienalltag!

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Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Auch Langeweile gehört dazu!

Im Leben mit Kindern ist es oft nicht einfach, alles zeitlich unter einen Hut zu bekommen: Arbeit, Schule, Hausaufgaben und Hobbys. Kein Wunder, dass es manchmal im heimischen Hamsterrad holpert. Die Familienexperten Heidi und Christian Eineder geben Tipps, wie es wieder rundläuft. 


Beim Zeitmanagement in der Familie geht es nicht darum, früher aufzustehen, um schneller im Hamsterrad zu sein, sondern darum, die Dinge anders zu machen: Zeit für Beziehung und Entwicklung zu schaffen, Streitthemen zu eliminieren und anders anzuleiten. Dadurch schaffen wir eine herzliche Kommunikationskultur, um in jedem Alter mit den Kindern im Gespräch zu bleiben. Es hilft, unseren Anspruch herunterzufahren und klar zu priorisieren, was uns wirklich wichtig ist. Das schafft wertvolle Zeitreserven. Wenn zum Beispiel häufig das Elterntaxi zum Einsatz kommt, überlegt, ob eure Kinder nicht zusammen mit anderen selbstständig zur Schule gehen oder radeln könnten und sich Hobbys aussuchen, die in eurer Nähe sind. Als schöner Nebeneffekt werden eure Kinder schneller selbstständig.

Langeweile hilft bei der kindlichen Entwicklung

Erziehungswissenschaftler und Hirnforscher betonen immer wieder, dass Langeweile zu den wichtigsten Triebfedern kindlicher Entwicklung gehört. Kinder müssen nicht stetig bespaßt werden, sondern brauchen Freiraum, um selbst Ideen zur Beschäftigung zu entwickeln. Ein Kind, das nie gelernt hat, Langeweile zu überwinden, wird sich auch als Erwachsener nicht selbst beschäftigen können.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul beschrieb es so: „Wenn die Erwachsenen nicht genug Zeit für sich selbst haben und die Eltern nicht für sich als Paar, dann widmen sie den Kindern garantiert zu viel Aufmerksamkeit. Kein Kind will Aufmerksamkeit. Es braucht Beziehung, will am Leben seiner Eltern teilhaben.“

Gleichberechtigung der Eltern ist gut für die Kinder

Wichtige Symbolwirkung hat die gleichberechtigte Zusammenarbeit der Eltern, denn sie wirkt sich unterschwellig auf die Kinder aus. Teilen sich Mann und Frau die Hausarbeit gerecht auf, wird diese von den Kindern als Selbstverständlichkeit empfunden. Sie lassen sich dann einfacher motivieren, auch selbst ihren altersgerechten Beitrag zur Hausarbeit zu leisten. Erst dann entsteht die eigentlich selbstverständliche Grundvoraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Eltern: eine gerechte Rollenverteilung zu Hause. Dieses Prinzip stärkt eine lebenslange Beziehung durch das Füreinander-Einstehen. Die Kinder erleben, wie normal es ist, dass jeder den anderen unterstützt.

Für eine verlässliche Umsetzung müssen wir Eltern uns anfangs Zeit nehmen und die Kinder bei einzelnen Haushaltsaufgaben anleiten. Nach kurzer Zeit gewinnt das Kind Freude an der Selbstständigkeit und die Eltern Zeit. Dennoch gibt es Streit, wenn Kinder im Spiel unterbrochen werden, um Wochenaufgaben zu erledigen, beispielsweise wenn Papa einfällt, dass die Tochter bitte jetzt den Müll raustragen soll. Kinder nehmen die Aufgaben vor allem dann gut an, wenn sie zeitlich frei aus einem festen Aufgabenvorrat wählen dürfen. Als dauerhafte Routine gelingt es, indem die notwendigen Aufgaben bildlich dargestellt werden und jeder seinen Beitrag visualisieren kann. Kinder fühlen sich wohl, wenn die Welt berechenbar für sie ist. Je klarer diese Struktur ist, umso sicherer fühlt sich das Kind. Denn es weiß: Wenn das eine geschieht, folgt das andere.

Diplom-Psychologin Renate Barth: „Es ist ein Grundbedürfnis jedes Kindes, Regelmäßigkeiten zu entdecken. Routinen bringen Vorteile für Kind und Eltern: Das Kind muss nicht ständig Energie darauf verwenden, seine kleine Welt neu zu ordnen, sondern kann seine geistige Kapazität dafür nutzen, sich weiterzuentwickeln.“

Ein Hoch auf den spielerischen Wettbewerb

Routinen funktionieren auf Basis einiger Wirkprinzipien, die Eltern leicht in den Alltag einbauen können. Die wichtigsten sind spielerischer Wettbewerb, Selbstständigkeit, Wiederholungen und Lob im Sinne des positiven Verstärkens. Es lohnt, die Kinder beim Spiel oder bei ihren Aufgaben bewusst dabei zu „erwischen“, wenn sie etwas gut gemacht haben. Kinder lieben den spielerischen Wettbewerb. Und es ist gar nicht so schwer, ihn in den Tagesablauf einzubauen.

Zwei Beispiele: Für die Kleinen ist das „Wer ist als Erster beim Zähneputzen?“-Wettrennen jeden Abend ein großer Spaß. Die Älteren mögen das Spiel „Müll Meisterin“ oder „Müll Meister“, diesen Titel bekommt das Familienmitglied verliehen, das am häufigsten den Abfall entsorgt hat.

Spielerischer Wettbewerb motiviert und überwindet Widerstände. Der Wunsch zu gewinnen lässt ein gedankliches Hemmnis oft verschwinden. Kinder haben nämlich einen natürlichen Spieltrieb, während dieser in der Welt der Erwachsenen unterschätzt und häufig unterdrückt wird. Und doch macht auch uns Minigolfen viel mehr Spaß, wenn wir unsere Punkte auf einen Zettel schreiben und so den Spielstand verfolgen können.

Routinen helfen Kindern und entlasten Eltern

Routine etabliert sich besonders gut, wenn der Fortschritt der Kinder sichtbar gemacht wird. Bei der Morgenroutine kann dies ein Erinnerungsmarker am Türstock sein, für die Abfolge Waschen, Anziehen, Bett-Machen, Frühstücken, alternativ ein Magnetboard mit Spielsteinen. Für die Schulleistungen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, um ein Lob, eine gute Leistung oder die Hilfestellung für andere sichtbar zu machen: zum Beispiel ein Erfolgsjournal der Familie als Whiteboard. Eltern stellen damit sicher, dass auch kleine Erfolge in der Familie wahrgenommen und gefeiert werden und nicht bis zur Heimkehr der arbeitenden Eltern verloren gehen.

Entscheidend sind die Freude und Lockerheit, mit der Familien Routinen angehen, denn das Gehirn lernt spielerisch und mit Spaß erst richtig gut! Eltern sind dann nicht mehr die drängenden, unter Zeitdruck stehenden Kontrolleure, sondern liebevolle, begleitende Coaches. Zeitmanagement in der Familie ist also vorrangig eine Frage des Mindsets und der klugen Nutzung von Routinen. Diese dienen der gesunden Entwicklung der Kinder und entlasten gleichzeitig die Eltern – nicht nur im Alltag.

Hier findet ihr noch mehr Tipps für ein harmonisches Familienleben und 6 gute Vorsätze für die ganze Familie.

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Heidi und Christian Eineder

Über die Autoren

Heidi und Christian Eineder sind Experten für professionelle Familienorganisation. Mit ihrem Unternehmen „easyfaM
unterstützen sie berufstätige Eltern mit Tools und Coaching-Videos und machen Arbeitgeber familienfreundlich.

Titelbild: © Yakobchuk Olena

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