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Bittere Pillen? – Medikamente in der Schwangerschaft

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft ist ein heikles Thema und lässt furchtbare Erinnerungen an den Contergan-Skandal von 1961/62 wieder wachwerden. Damals sorgte das oft verkaufte Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan für Schädigungen in der Wachstumsentwicklung von Föten, wenn es von Frauen während der Schwangerschaft eingenommen wurde. Über die möglichen Folgen des Medikaments, mit seinem Wirkstoff Thalidomid wurden die betroffenen Frauen im Dunkeln gelassen, bis die ersten Kinder mit Missbildungen geboren wurden. Heute ist man gewarnt: So etwas soll nie wieder passieren und schwangere Frauen sind heute extrem vorsichtig, was die Einnahme von Pillen betrifft. Aber muss man wirklich jeden Kopfschmerz ertragen?

Und wenn ihr euch noch so sehr sträubt: In einigen Fällen ist die Einnahme von Medikamenten unumgänglich – auch während der Schwangerschaft. Trotzdem jagt die Vorstellung, sie könnten mit der unüberlegten Einnahme einer Paracetamol ihrem ungeborenen Baby etwas Schreckliches antun, vielen Frauen kalte Schauer über den Rücken. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Einnahme von Medikamenten kann sich auf euer Kind auswirken – das gilt auch für einige harmlos wirkende Mittel gegen Kopfschmerzen. Besonders kritisch ist die Einnahme von Medikamenten zwischen der 3. und 8. Schwangerschaftswoche. In dieser Zeit entstehen die einzelnen Organe des Kindes und das Baby ist besonders gefährdet. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft können bestimmte Medikamente das Wachstum und die Funktionen des Kindes beinträchtigen.

Bei bestehenden und zu behandelnden Krankheiten, wie z.B. Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen, solltet ihr, im Falle einer Schwangerschaft, umgehend euren Arzt informieren und mit ihm besprechen, wir ihr weiter vorgehen sollt. Und natürlich sind nicht alle Medikamente, auch gegen weniger schwere Krankheiten, bedenklich. Wir sagen euch, was ihr bei Durchfall, Husten und Co. einnehmen könnt. Jede Einnahme sollte aber immer mit dem behandelnden Arzt bzw. Gynäkologen abgesprochen werden. Zur Einstufung der Unbedenklichkeit eines Medikaments wurden in Deutschland Kategorien entwickelt, die alle Arzneimittel von G1 bis G10 eingeteilen. G1 bedeutet gar kein Risiko. Ab der Kategorie G7 kann ein Medikament Gefahren für die Schwangerschaft und das Kind mit sich bringen. Diese Präparate sollten von euch auf keinen Fall eingenommen werden.

Fieber

Fieber hat fast jeder von uns mindestens einmal im Jahr – leider sind auch Bald-Mamas nicht davon ausgenommen. Aber ihr müsst euch deswegen keine Sorgen machen. Sollte das Fieber aber über 38,5 Grad steigen oder länger andauern, ist unbedingt ein Arzt hinzuzuziehen. Was ihr schon vorher machen könnt? Viel, viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Und verzichtet auf Kombinationsprodukte aus der Apotheke, zu denen man ja schnell greift, um den Arztbesuch zu umgehen. Diese enthalten jedoch meistens Alkohol, Schmerzmittel oder andere Stoffe, die für das Baby schädlich sein könnten. 500 mg Paracetamol, sollten jedoch, nach Absprache mit dem Arzt, in Ordnung sein, um das Fieber einzudämmen.

Erkältung

Einfache Erkältungen, die mit Husten, Schnupfen und manchmal auch Fieber einhergehen, stellen für euer Kind kein Risiko dar. Aber auch in diesem Fall ist von Kombi-Präparaten aus der Apotheke abzuraten. Möchtest Du trotzdem Medikamente einnehmen, so sprecht vorher am besten mit eurem Frauenarzt.

Auch bei unangenehmen Reizhusten hilft viel Flüssigkeit. Und auch ätherische Öle, die zum Inhalieren verwendet werden, wirken beruhigend und befreiend. Sollte alles Natürliche nicht helfen, kannst Du vorübergehend auch codeinhaltige Hustentropfen oder schleimlösende Medikamente einnehmen, wie z.B. Dextromethorphan oder Ambroxol gegen Reizhusten.

Gegen eine verstopfte Nase können ebenfalls ätherische Öle oder eine Kochsalzlösung helfen, mit denen ihr inhaliert. Auch Meersalzsprays und Nasentropfen für Neugeborene könnt ihr verwenden. Hauptsache ihr bekommt genug Luft.

Durchfall und Magen-Darm-Infekt

Zwar kommt Durchfall in der Schwangerschaft eher selten vor, wenn es aber losgeht, müsst ihr vor allem viel trinken und euren Elekrolythaushalt mit Zwieback und Salzstangen ausgleichen – selbst wenn es schwerfällt. Außerdem solltet ihr auf schwer verdauliches und fettes Essen verzichten. Bei stärkerem Durchfall ist die Einnahme von Kohletabletten oder Tabletten mit dem Wirkstoff Loperamid nach Absprache mit eurem Arzt vertretbar. Wenn ein richtiger Magen-Darm-Infekt nicht innerhalb von ein paar Tagen wieder verschwinden sollte, keine Elektrolytlösung aus der Apotheke hilft und Symptome wie Fieber, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schüttelfrost hinzukommen, dann könntet ihr auch an einer Lebensmittelvergiftung oder einer Infektion leiden. In diesem Fall solltet ihr sofort einen Arzt aufsuchen. Wenn dieser seine Zustimmung gibt, könnt ihr Arzneistoffe wie z.B. Penicilline, Cephalosporine, Erythromycin und im 2. Trimester auch noch Cotrimoxazol, Dimenhydrinat, Meclozin, Metoclopramid einnehmen.

Kopfschmerzen

Unter Kopfschmerzen leiden gewöhnlich viele schwangere Frauen. Und ausgerechnet hier muss man mit der Auswahl der Arzneimittel vorsichtig sein. Selbst die als harmlos angepriesene Acetylsalicylsäure, die u.a. in Asperin enthalten ist, oder Paracetamol solltet ihr bei einfachen Kopfschmerzen meiden oder nur gering dosieren. Sie erhöhen das Asthmarisiko und können im schlimmsten Fall zu Missbildungen beim Kind führen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel wirken sie außerdem wehenhemmend und verzögern den Geburtsvorgang. Sollten bei euch Kopfschmerzen in Verbindung mit Sehstörungen, Erbrechen und Übelkeit im letzten Schwangerschaftsdrittel auftreten, könnte auch eine Präeklampsie, eine so genannte Schwangerschaftshypertonie, vorliegen, die unbedingt medizinisch untersucht werden muss. Solltet ihr unter gewöhnlichen Kopfschmerzen leiden, helfen oft schon frische Luft, viel trinken und Entspannungsübungen. Und natürlich der allseits beliebte Schlaf und die viel zu oft unterschätzte Ruhe.

Mehr Informationen zum Thema erhaltet ihr bei eurem Arzt, beim Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie und beim Institut für Reproduktionstoxikologie. Wir wünschen euch trotzdem eine einigermaßen medikamentfreie Schwangerschaft. Viel Glück!

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2 Kommentare

  • Embryotox ist auch meine erste Anlaufstelle in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit. Leider bleibt (oder blieb es zumindest bei mir) nie aus, auch in der Schwangerschaft krank zu werden – Embryotox nahm mir aber immer ganz schnell Sorgen (oder empfahl ein anderes Mittel der Wahl, was ich nach Rücksprache mit dem Arzt / der Ärztin meist auch bekommen habe).

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