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Kreidezähne: MIH ist die neue Volkskrankheit bei Kindern

Kreidezähne
Saskia
Geschrieben von Saskia

Mineralisierung beginnt im Mutterleib

Auf dem Gebiet der Kinderzahngesundheit ist neben der bekanntesten Zahnerkrankung Karies eine neue Erkrankung in aller Munde: Kreidezähne! Statt strahlend und kräftig sind die Zähne fleckig und bröselig. Ihr habt richtig gelesen. Die MIH-Erkrankung sorgt dafür, dass die Zähne betroffener Kinder während des Kauens abbrechen können.


MIH steht für die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. “Molaren” werden die bleibenden Backenzähne genannt und “Inzisiven” die bleibenden Schneidezähne. Hypomineralisation bezeichnet die Erkrankung: Der Zahnschmelz dieser bleibenden Zähne wird nicht ausreichend mineralisiert. Das macht die Zähne nicht nur fleckig, sondern auch brüchig, schmerzempfindlich und Karies gefährdet. Wie viele Zähne durch MIH in Mitleidenschaft gezogen werden, ist sehr unterschiedlich. Es können alle Backen- und Schneidezähne oder nur ein einzelner Zahn erkrankt sein.

Insgesamt sind 10 bis 15 Prozent der Kinder von MIH betroffen. Bei zwölfjährigen Kindern sind es sogar 30 Prozent. Somit kommen Kreidezähne bei Kindern und Jugendlichen bis 12 Jahren häufiger vor als Karies und sind damit zur neuen Volkskrankheit avanciert. Das teilte Prof. Dr. Norbert Krämer, Präsident der DGKiZ (Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin) 2018 auf einer Pressekonferenz der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde) mit.

Wie erkennt man Kreidezähne?

Kreidezähne sind:

  • matt
  • kreidig
  • fleckig (weiß, bis gelblich/bräunlich/schwarz)
  • porös (rissig bis brüchig)
  • oft kariös

Mögliche, aber keine zwingenden Symptome sind schmerzempfindliche Zähne, wie etwa während des Zähneputzens, des Trinkens und Essens. Vor allem extrem kalte und heiße Getränke sowie Lebensmittel können für Beschwerden sorgen.

Mineralisierung beginnt im Mutterleib

Bevor das Kind auf die Welt kommt, werden zwischen dem 8. Schwangerschaftsmonat und bis zum 4. Lebensjahr die Weichen für die bleibenden Zähne gelegt. Innerhalb dieser Phase werden die Zähne normalerweise mit Kalzium und Phosphat versorgt, um den Zahnschmelz zu härten. Bei Kreidezähnen ist dieser Vorgang gestört. Bislang kann man zwar nicht zu 100 Prozent belegen, welche Störfaktoren die Mineralisierung der Zähne beeinflussen, allerdings weisen immer mehr Studien auf folgende (mögliche) Verursacher hin:

  • Bisphenol(-A/ Abkürzung: BPA) (Weichmacher in Kunststoff wie Spielzeug, Strohhalmen und Lebensmittelverpackungen)
  • Dioxine (giftige Nebenprodukte chemischer Prozesse – beispielsweise in Lebensmitteln)
  • chronische Erkrankungen beim Kind (zum Beispiel Atemwegserkrankungen)
  • frühe Einnahme von Antibiotika (Amoxicillin)
  • Windpocken

Prophylaxe statt Prävention

MIH-Zähne wachsen bereits ohne Zahnschmelz aus dem Kiefer. Eine nachträgliche Mineralisierung ist nicht möglich. Allerdings ist eine gute Prophylaxe zu Hause und beim Zahnarzt extrem wichtig. Da Kreidezähne aufgrund des fehlenden Zahnschmelzes eine sehr raue Oberfläche haben, sind sie stark kariesanfällig.

Folgende Maßnahmen helfen, den Zahn so lange wie möglich zu erhalten und Schmerzen zu lindern:

  • regelmäßiges Zähneputzen
  • Zähne mit Fluorid Gelée putzen (sofern das Kind alt genug ist)
  • Zahnseide und Zahnbürstchen für die Zahnzwischenräume
  • regelmäßige Flouridierung (beispielsweise durch Flouridlack)
  • regelmäßige professionelle Zahnreinigung
  • wenig säurehaltige und süße Lebensmittel
  • Versiegelung oder Überkronung (entscheidet euer Kinderzahnarzt individuell)

Zudem sollten Schwangere ab dem 8. Monat darauf achten, nur BPA freies Kunststoff im Haushalt und Co. zu verwenden und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt durchführen zu lassen.

Quellen: DGZMK & Utopia

Video: YouTube

Titelbild: © karelnoppe

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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