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Kinder und digitale Medien: Welche Gefahren lauern und wie ihr Risiken mindern könnt

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Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Onlineshopping ist besonders risikoreich!

September 2006 im beschaulichen britischen Sleaford: Der damals dreijährige Jack Neal kaufte bei einem Internet-Auktionshaus ein pinkfarbenes Auto für umgerechnet rund 13.900 Euro. Glück im Unglück: Der Kauf konnte annulliert werden und der Familie entstand kein größerer finanzieller Schaden. Um Fälle wie diesen zu verhindern, ist es wichtig, Kinder frühzeitig über den Umgang mit digitalen Medien und eventuelle Gefahren aufzuklären.


„Sie sind online“

Digitale Medien gehören für Kinder und Jugendliche heutzutage zum Alltag. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) führte 2019 eine Befragung mit rund 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren durch. Danach nutzen drei Viertel aller Sechsjährigen bereits regelmäßig ein Tablet. Bei den 16-Jährigen sind es nur noch die Hälfte. Allerdings nimmt die Nutzung von Smartphones im gleichen Maße zu – beinahe jeder 12-Jährige besitzt mittlerweile eins. Außerdem verschiebt sich das Einstiegsalter der Kinder, die ab und zu Smartphones benutzen, weiter nach unten: Während 2014 rund 25 Prozent der Achtjährigen gelegentlich ein Smartphone nutzten, sind es 2019 bereits mehr als 50 Prozent.

Die elektronischen Statussymbole: Tablet schlägt TV

Wenn ihr denkt, dass ein eigener Fernseher im Kinderzimmer als „Einstiegsdroge dient, liegt ihr falsch: Nur sechs Prozent aller Sechs- und Siebenjährigen haben ein TV-Gerät – aber 20 Prozent besitzen ein eigenes Tablet. Da die Kinder in weiterführenden Schulen zunehmend auf Computer angewiesen sind, geben rund 50 Prozent aller zehnjährigen Kinder an, einen eigenen Computer zu besitzen. Mit 18 sind es schon 77 Prozent. Mit dem Wechsel auf das Gymnasium bzw. die Real- oder Hauptschule, scheint es für Kinder immer wichtiger zu werden, ein eigenes Smartphone zu haben: Bereits 75 Prozent der Zehnjährigen besitzen laut Bitkom-Studie ein solches Gerät.

Das Smartphone als Universalgenie – mit Gefahrenpotenzial

Mit dem Smartphone Musik zu hören, Videos anzuschauen oder im Internet zu surfen ist für neun von zehn Jugendliche wichtig. Bereits 87 Prozent der „Kleinen“, die mit sechs Jahren regelmäßig online sind, geben an, dass das Schauen von Videos oder der Lieblingsserie der Hauptnutzen des Smartphones ist. Allerdings ist die Gefahr dabei groß, durch Vorschläge von Videoplattformen oder darauf geschaltete Werbeanzeigen auf nicht kindgerechte Medien oder Webseiten zu stoßen.

Onlineshopping „leicht gemacht?“

Fälle wie die des jungen Jack Neal können mittlerweile auch in Deutschland passieren. In einer vom Vergleichsportal idealo beauftragten Studie zu Onlineshopping im Kinderzimmer gaben die befragten Eltern an, das 38 Prozent ihrer Kinder schon einmal etwas im Internet bestellt hätten. In mehr als der Hälfte dieser Fälle taten die Kinder dies ohne das Wissen der Eltern. Dabei könnt ihr selbst viel dafür tun, das Risiko ungewollter Online-Käufe zu verringern.

Kinder an die Hand nehmen

Was bei kleinen Kindern im Straßenverkehr gilt, bewährt sich auch im internationalen Datenverkehr. Ihr wisst als Eltern am besten, was ihr euren Kindern im Internet erlaubt und was nicht. Am besten begleitet ihr euren Nachwuchs dabei, wenn er die Welt des Internets für sich entdeckt. Sprecht über die Gefahren durch ungeeignete Inhalte. Dazu hilft es, wenn ihr den Kindern auf gemeinsamen Computern eigene Benutzerkonten einrichtet. Auf diesen könnt ihr als Administratoren Einstellungen vornehmen und Schutzprogramme installieren.

Wenn eure Kinder keinen Computer besitzen, sondern euer Smartphone benutzen, wird es etwas umständlicher. Es gibt aber auch hier einfache Maßnahmen: Beim Onlineshopping solltet ihr euch für jeden Bestellvorgang anmelden müssen und nach dem Einkauf unbedingt wieder abmelden. Auch ist es sinnvoll, eure Passwörter regelmäßig zu ändern. Zwar habt ihr als Verbraucher durch das Rückgaberecht und den Taschengeldparagraphen einen gewissen Schutz vor ungewollten Bestellungen, aber leider ist es so: Wer seinem Kind das eigene Smartphone überlässt, trägt im Fall der Fälle auch die Verantwortung.

Bei größeren Kindern beziehungsweise Jugendlichen ist es vor allem wichtig, über die Gefahren im Internet aufzuklären. Dabei solltet ihr im Hinblick auf soziale Medien unbedingt das Thema „Schutz der Privatsphäre“ besprechen – und wie auch die von anderen geachtet wird. Macht immer wieder klar, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und sowohl unangebrachte Äußerungen (wie Beleidigungen und/oder Mobbing) als auch illegale Downloads (rechtliche) Konsequenzen nach sich ziehen können.

Titelbild: © Yakobchuk Olena

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