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(K)ein Tabu: Blasenschwäche in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Blasenschwäche in der Schwangerschaft und nach der Geburt
Saskia
Geschrieben von Saskia

#breakthebubble

In Deutschland leiden laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft über neun Millionen Menschen unter Inkontinenz. 75 Prozent sind Frauen. Der häufigste Grund: ein geschwächter Beckenboden durch Schwangerschaft und Geburt. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Welche Frau spricht vor allem in jungen Jahren ohne Scheu und Scham über das Thema Inkontinenz? Deshalb widmen wir uns gemeinsam mit der Expertin Hanna Hartmann der Beckenboden-App pelvina den wichtigsten Fragen rund um das Thema Blasenschwäche.

Disclaimer: Das Interview wurde geführt mit Hanna, Beckenbodenexpertin bei pelvina. pelvina ist ein Gesundheitskurs und sollte nicht zur Therapie von akuten Beschwerden eingesetzt werden. Im Fall von akuten Beschwerden bitte einen Arzt aufsuchen.


Die Beckenbodenmuskulatur ist ein wichtiger Körperteil und dient beispielsweise dazu, Blase und After zu verschließen und aufrecht gehen zu können. In der Schwangerschaft und durch die Geburt wird sie allerdings stark beansprucht. Mit der Beckenboden-App pelvina lernt ihr, wie euer Beckenboden aufgebaut ist und mit welchen Übungen ihr ihn wahrnehmen und kräftigen könnt. Ein kräftiger Beckenboden kann der sogenannten Belastungsinkontinenz (früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet) vorbeugen. Diese liegt vor, wenn ihr aufgrund eines geschwächten Beckenbodens beispielsweise während des Lachens, Niesens, Hustens oder Springens unkontrolliert Urin verliert. Als BIG-Versicherte werden euch die Kursgebühren von 74,99 Euro übrigens komplett erstattet. Hier geht’s zur kostenlosen Registrierung.

1. Wieso leiden viele Frauen bereits in der Schwangerschaft und vor allem nach der Geburt unter einer Blasenschwäche?

Hanna: Während der Schwangerschaft drückt recht bald die schnell wachsende Gebärmutter auf die Harnblase. Im späteren Verlauf erhöht sich das Gewicht des Babys und das Köpfchen des Ungeborenen rutscht meistens tiefer ins Becken. Dadurch erhöht sich der Druck nochmals.

Auch hormonelle Veränderungen begünstigen schon während der Schwangerschaft eine Blasenschwäche. Die Muskeln, Bänder und das Bindegewebe werden weicher, da sich der Körper auf die Geburt vorbereitet. Zudem wird hormonell bedingt etwas mehr Urin produziert, und die Spannung der Harnröhre nimmt ab. In vielen Fällen kann die Beckenbodenmuskulatur diesen Veränderungen nicht immer standhalten, und besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft tritt häufig eine temporäre Blasenschwäche auf.

Viele Mütter leiden vor allem im ersten Jahr nach der Geburt unter einer schwachen Blase und haben Schwierigkeiten, ihren Urin zu halten. Die natürliche Geburt ist eine zusätzliche Belastung für den Beckenboden, da das Gewebe und die Muskulatur durch den Geburtsvorgang extrem gedehnt und beansprucht werden. Die Hauptursache für die Blasenschwäche nach der Geburt ist dennoch die Hormonumstellung während der Schwangerschaft und das Gewicht des Babys, das im letzten Drittel stark nach unten drückt und somit den Beckenboden schwächt. Daher können auch nach einem Kaiserschnitt Beckenbodenprobleme in Form von Blasenschwäche auftreten. Auch genetische Veranlagungen und das Alter der Frau spielen eine Rolle. Der natürliche Muskelabbau mit zunehmendem Alter spielt uns hier leider nicht in die Karten.

Die Blasenschwäche während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt äußert sich vor allem beim Niesen, Husten, Springen, Bücken oder Lachen, wenn der Druck auf die Blase und den stützenden Beckenboden steigt. Man spricht daher auch von einer Belastungsinkontinenz.

2. Wann ist der ideale Zeitpunkt, um mit gezieltem Beckenbodentraining einer Blasenschwäche vorzubeugen?

Hanna: Idealerweise wird der Beckenboden schon vor einer Schwangerschaft trainiert. Wer mit einem kräftigen Beckenboden schwanger wird und während der Schwangerschaft weiter trainiert, hat meist weniger Probleme nach der Geburt. Nach der Geburt sollte ein gezieltes Rückbildungs- oder Beckenbodentraining nie fehlen. Wichtig ist: Regelmäßiges Training lohnt sich. Bereits kurze Übungseinheiten, die man zwischendurch problemlos absolvieren kann, sind effektiv. Es muss hierfür keine „Sportstunde“ eingeplant werden. Der Beckenboden ist eine dankbare Muskulatur, die sich über jeden Trainingsreiz freut und bei regelmäßigem Training auch recht schnell gekräftigt wird.

3. Mit welcher Übung kann eine Schwangere ihren Beckenboden und damit ihre Blase stärken?

Hanna: Ich empfehle eine ganz einfache Übung, die sich im Schneidersitz auf dem Boden oder aber auch auf der Stuhlkante sitzend durchführen lässt.

Der Rücken ist aufrecht, die Hände liegen entspannt auf den Knien. Beim Einatmen ist alles locker und entspannt. Beim Ausatmen wird die Beckenbodenmuskulatur aktiviert und damit nach oben und innen gezogen. Diese Spannung wird einen Moment gehalten, und beim Einatmen wird wieder entspannt.

Die Bewegung unserer Beckenbodenmuskulatur können wir uns wie eine Seerose vorstellen. Beim Einatmen entfaltet sich die Seerose zu voller Blüte. Beim Ausatmen macht sie sich ganz klein und zieht sich zu einer Knolle zusammen. Diese Bild hilft vielen Frauen, die von außen unsichtbaren Beckenbodenmuskeln besser ansteuern zu können.

4. Hat ein gestärkter Beckenboden Vorteile für die Geburt?

Hanna: Für die Geburt ist sehr hilfreich, wenn die Frau ihren Beckenboden bewusst wahrnehmen und ansteuern kann. Die Atmung spielt bei der Geburt ebenso wie beim Beckenbodentraining eine wichtige Rolle genauso wie gezieltes Anspannen und Entspannen. Ein gut trainierter Beckenboden hilft bei der Austreibungsphase, wenn das Baby nach draußen drängt. Beckenbodentraining kann somit durchaus einen positiven Einfluss auf die Geburt haben.

5. Einige Mütter leiden nach der Rückbildungsgymnastik weiterhin unter Blasenschwäche. Was ist dann zu tun?

Hanna: Die Rückbildungskurse finden meistens innerhalb der ersten 2-6 Monate nach der Geburt statt. Es ist aber individuell sehr unterschiedlich, wieviel Zeit der Körper braucht, um sich vollständig zu regenerieren. Es sollte also nicht davon ausgegangen werden, dass ein Rückbildungskurs, der über acht Wochen 1x pro Woche stattfindet, alles wieder richtet. Übung macht den Meister und lohnt sich in jedem Fall. Ich rate allen Frauen, sich ein paar Übungen in den Alltag einzubauen, sodass der Beckenboden jeden Tag gezielt angesprochen wird. Ein paar Minuten sind hierfür schon ausreichend. Ganz einfache Übungen können sogar unter der Dusche, an der roten Ampel oder beim Zähneputzen durchgeführt werden.

Wenn nach 9-12 Monaten trotz regelmäßigem Training starke Beschwerden bleiben, empfehle ich von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt eine Verordnung für Beckenbodentraining ausstellen zu lassen. Es gibt viele Physiotherapeutinnen oder -therapeuten, die ein solches Training anbieten. Nur in seltenen Fällen ist ein medizinischer Eingriff notwendig. Darüber klärt ebenfalls die Frauenärztin oder der Frauenarzt auf.

Blasenschwäche – Schluss mit dem Tabu!

Blasenschwäche

© pelvina

Während die Schauspielerin Kate Winslet nach den Geburten ihrer Kinder offen über ihre Blasenschwäche gesprochen hat, ist sie für die meisten Frauen immer noch ein Tabuthema. Mit der Instagram-Kampagne #breakthebubble macht pelvina deutlich, dass Blasenschwäche und Inkontinenz Frauen in jedem Alter betreffen kann und dass es an der Zeit ist, Vorurteile und Irrtümer aus der Welt zu schaffen und damit die Blase des Schweigens zum Platzen zu bringen.

Allgemeine Tipps zum Thema Blasenschwäche findet ihr bei der BIG!

Titelbild: © nataliaderiabina

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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