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“Ich will keine Medaille gewinnen!” (Teil 2)

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Der perfekte Nachmittag. Meine beste Freundin Jana, zukünftige Neu-Mama und der reine Sonnenschein (wie auch das Titelbild vermuten lässt), und ich reden und lachen auf dem Riesensofa in ihrer Wohnung über ihre Schwangerschaft, über die kurz bevorstehende Geburt und über ihre Ängste und Befürchtungen. Verantwortung und Veränderung sind die Themen, die sie gerade am meisten bewegen. Und das äußere Erscheinungsbild ihres Erstgeborenen natürlich!

Jana: Resi, ich habe schon ein bisschen Angst langsam. Und das wird auch von Tag zu Tag mehr.

Teresa: Das glaube ich dir. Hätte ich auch.

Jana: Am Anfang der Schwangerschaft ist das alles noch so abstrakt. Wobei es jetzt ja immer noch so abstrakt ist, wenn man sich meinen Bauch so anguckt und sich vorstellt, dass da ein fertiges Baby drin ist. Ich gucke mir auch alle 2-3 Tage Bilder im Internet von Babys in der und der Woche an, weil ich es mir einfach nicht vorstellen kann. Und dann kommt auch noch diese emotionale Komponente hinzu und ich denke manchmal zurück an meine Schildkröte Lilly, die ich als Kind damals unbedingt haben wollte.

Teresa: Ohja…Lilly!

J: Damals sind wir in die Tierhandlung gefahren und haben sie geholt und ich hatte sie auf der Rückfahrt auf dem Schoß und ich habe nur geheult und wollte sie wieder loswerden, weil ich so Angst hatte, ihr keine gute Mami zu sein…so war es dann ja auch!

T: Aber Lilly war ein schwieriges “Kind”.

J: Lilly war irre! Nein, aber so im übertragenen Sinne, weißt du was ich meine?

T: Ja, aber du bist jetzt erwachsen.

J: Aber die Verantwortung und die Sorgen sind jetzt ja noch größer. Ich mache mir Gedanken darüber, ob alles gut geht. Das fängt ja jetzt schon an. Ich frage mich Dinge wie: Ist es ok, wenn ich einen Spritzer Nasenspray oder eine Paracetamol nehme. Ich nehme jetzt EINE Paracetamol, wenn ich Migräne habe. Früher habe ich starke Tabletten genommen. Jetzt ist das einfach etwas anderes. Ich kann nicht mehr sagen: Scheiß‘ drauf, ich bin ein freier Mensch, ich mache was ich will. Das geht nicht mehr. Ich habe jetzt Verantwortung!

T: Du hast einmal gesagt, dass du vor der Geburt, der Verantwortung und der Veränderung Angst hast. Was wiegt am meisten?

J: Die Geburt kriege ich schon irgendwie hin. Am meisten habe ich Angst vor der Veränderung im Allgemeinen. Robin und ich sind dann Eltern. Wir sind dann nicht mehr das sexy, kinderlose Traumpaar – double income, no kids! (Wir lachen laut. Nicht das einzige Mal an diesem Nachmittag, trotz der relativ seriösen Interviewsituation.)

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Wir sind dann Mami und Papi. Das sind wir ja jetzt schon. Wir haben uns ja schon total verändert. Was ja nicht schlecht ist. Es ist eben anders.

T: Fühlst du dich schon wie so eine „Muddi“?

J: Ja, manchmal schon. Ich bin manchmal neidisch, wenn ihr mir erzählt, dass ihr am Wochenende unterwegs wart. Bei solchen Geschichten werde ich ein bisschen wehmütig. Weil ich das früher auch gemacht habe. Es ist so krass, wie stark ich mich in kurzer Zeit verändert habe. Ich möchte auch nicht zurücktauschen, aber es ist so anders.

Als hätte er den thematischen Braten gerochen, kommt Robin, Janas bessere Hälfte, zur Tür herein. Unterm Arm trägt er eine Tiefkühlpizza. Als verständnisvolle Ehefrau und Fast-Mama „erlaubt“ meine Freundin ihrem Mann die Pizza zu essen, obwohl sie später etwas „Richtiges“ kochen wollte.

J: Tja, Robin kauft auch gerne mal nur für sich eine Pizza! Bin ich die Einzige, die hier Verantwortung übernehmen muss?? (Sie lacht schon wieder und rollt mit den Augen.) Du weißt, wie ich dann bin!

T: Aber das wird sich schlagartig ändern, wenn es soweit ist.

J: Ich habe natürlich auch Schiss – völlig unbegründet wahrscheinlich – dass ich hier, wie so eine Muddi, immer ganz alleine sitze und dass er die Biege macht. So: „Hast du was dagegen, wenn ich mich noch mal kurz mit den Jungs treffe etc.?“

T: Da muss man kommunizieren.

J: Das mache ich ja jetzt auch schon. Das darf man dann auch nicht persönlich nehmen. Ich möchte nur ungern immer als Muddi zuhause sitzen. Alleine, allein, allein, allein (Jana stimmt den Song von Polarkreis 18 an. Das kann sie gut.), während alle anderen sich das nett machen.

T: Nach dem Motto: Du hast das Kind getragen, du hast es ausgetragen, du fütterst es, deshalb bist du auch die Hauptverantwortliche.

J: Genau. Und so wird es nicht laufen. Das möchte ich nicht.

T: Stellst du dir schon vor, wie ER aussieht?

J: Ja, jeden Tag!

T: Und?

J: Ich habe echt Angst, dass er hässlich wird!

T: Das wird er nicht sein!

J: Nein, das weiß ich ja auch, aber ich habe schon geträumt, dass er alt geboren wird und aussieht wie einer aus diesen Reality Shows. Mit grauen Zauselhaaren, Zahnprotese und schlimmen Falten. Oder, dass er mit 70 cm auf die Welt kommt. Ich habe tatsächlich schlimme Albträume, die davon handeln wie er aussieht. Ich glaube, ich würde es sehen, wenn er hässlich ist.

T: Echt? Ich glaube nicht, dass du es sehen würdest. Und er wird es auch nicht sein!

J: Ich hoffe, dass er Haare hat.

T: Aber bitte keine grauen Zauselhaare. Er ist ja ein Baby, also kann es schon sein, dass er ohne Haare auf die Welt kommt. Aber bei deiner Haarpracht kann ja eigentlich nichts Haarloses dabei herauskommen.

In dem Wissen, dass meine Jana wahrscheinlich das süßeste Kind der Welt bekommen wird, kann ich mich vor Lachen nicht mehr halten. Sie stimmt, Gott sei Dank, nach ein paar Grübel-Sekunden mit ein.

J: Tja, meine „Bikinifigur“ hat sich natürlich auch ziemlich erledigt, vor allem durch die Schwangerschaftsstreifen.

T: Machst du dir Sorgen, dass du körperlich nicht wieder so wirst, wie du warst? Obwohl, ganz ehrlich: Abgesehen von der Kugel hast du dich kaum verändert.

J: Ich wünsche mir, dass ich nach der Geburt auf jeden Fall wieder ein sexuell attraktiver und auch sexuell interessierter Mensch werde, weil momentan dieses Gefühl, auch für mich selbst, gar nicht vorhanden ist.

Im Moment kann ich mich allgemein schwerlich auf mich selbst konzentrieren, weil er den ganzen Tag in Action ist und ich mich nie alleine und unbeobachtet fühle. Er ist den ganzen Tag in Bewegung.


T: Du fühlst dich niemals alleine?

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J: Vorher hat man ja immer drauf gewartet, dass er sich mal meldet und jetzt ist es so alltäglich. Du musst gucken, was du isst, damit er nicht die ganze Zeit rülpsen muss, keinen Schluckauf bekommt, nicht zu viel Sprudel oder Koffein, denn davon bekommt er auch Schluckauf. Keine Aufregung, dann dreht  er auch durch. Du bist halt nicht mehr du selbst – ein Stück weit.  Das ist echt krass, das hätte ich nicht gedacht.

T: Du bist nicht mehr Alleinherrscher über deinen Körper.

J: Er verhindert sogar, dass ich mir die Beine rasiere.

T: Naja, das ist ja nicht so schlimm.

J: Nein, aber es trägt zu meinem persönlichen Unwohlsein bei. Das ist alles nicht schlimm, aber es trägt dazu bei, dass ich mich nicht mehr fühle wie…nur ich!

T: Ich finde du machst das so super. Ernsthaft! Wie du schwanger bist und was du nebenbei noch alles machst.

J: Ja, ich bin ja an einigen Tagen auch noch relativ viel unterwegs, weil ich das dann nicht wahrhaben will. Und abends fühle ich mich dann wie erschossen.

T: Du freust dich, oder?

J: Ja natürlich. Ich will jetzt auch langsam sehen, wie er ist. Was er für ein Typ ist. Klar, freue ich mich. Wie Sau! Ich möchte das auch nicht missen oder die Zeit rückgängig machen.

T: Ich will ihn jetzt auch langsam kennenlernen! Und wie er dann wohl wird?

J: Ja, wie wird er wohl? Immer wenn ich Teenies sehe, denke ich: Wie wirst du wohl mal? Eher so ein Nerd-Typ. Oder bist du eher so ein Kleiner-Professor-Typ, ein schlauer Typ? Schlau und cool? Schlau und nerdig? Oder vielleicht eher nicht so schlau, aber dafür menschlich total super? Hast du das mit den Mädels drauf? Bist du voll der Charmbolzen? Sagst du Bitte und Danke? Wirst du ein Schläger oder bist du derjenige, der verkloppt wird oder bist du der, der schlichtet…weißt du?

Robin kommt nach verspeister Pizza wieder zu uns.

J: Oder wirst du so wie Papa?

T: Spielst du Mud-Golf und vertikutierst gerne den Rasen?

Robin: Zieht ihr über mich her, oder was?

T: Quatsch, überhaupt nicht!

J: Es ist jedenfalls alles total spannend, weil es ja immer weitergeht und nach der Geburt nicht einfach fertig und abgeschlossen ist. Es ist erst einmal nicht mehr vorbei. Das ist ein ganz neues Leben.

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