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Hochsensibilität beim Kind: Woran merkt ihr, dass euer Kind hochsensibel ist?

Hochsensibilität beim Kind
Helena
Geschrieben von Helena

Keine Krankheit, sondern eine Charaktereigenschaft!

Immer häufiger werden Menschen als hochsensibel bezeichnet. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Hochsensibilität beim Kind und bei Erwachsenen ist keine psychische Erkrankung, sondern vielmehr eine Charaktereigenschaft von vielen. Hochsensible Kinder haben es allerdings im Alltag oft schwerer als hochsensible Erwachsene. Zudem fallen schnell abwertende Bezeichnungen wie „Sensibelchen“ oder die Betroffenen gelten als überempfindlich. Dabei ist es gar nicht so schwer, uns dafür zu „sensibilisieren“, hochsensible Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. 


Unsere Welt und unser Leben werden immer komplexer und hektischer – und dies kann schneller als noch vor wenigen Jahrzehnten zu einer Reizüberflutung führen. Allerdings bedeutet das nicht gleich, dass ein Mensch hochsensibel ist. So kann es sich zum Beispiel auch nur um eine zeitlich begrenzte Überreizung oder Überforderung handeln. Der Begriff Hochsensibilität (Hypersensibilität, Hochsensitivität) wurde in den 1990er-Jahren zum ersten Mal von der Psychologin Dr. Elaine Aron geprägt. Derzeit geht man davon aus, dass zwischen 15 und 30 Prozent der Menschen hochsensibel sind.

Das sind die wesentlichen Merkmale der Hochsensibilität

Ganz wichtig bei Hochsensibilität ist, dass es nicht DIE einen Charaktermerkmale, sondern viele verschiedene gibt, die mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt sind. Anhand eines schriftlichen Tests könnt ihr feststellen, ob euer Kind hochsensibel ist. Grundlegend geht es in diesem Test um Fragen zu unterschiedlichsten Reizen, wie Geräusche, Lichter, Gerüche usw., und die Frage, wie sensibel eure Kinder darauf reagieren. Auch werden Fragen zum Sozialverhalten gestellt.

Negative Merkmale und Eigenschaften der Hochsensibilität können sein:

Ein hochsensibler Mensch nimmt mehr und intensiver Sinneseindrücke wahr und muss daher auch mehr Informationen verarbeiten als weniger empfindsame Menschen. Dies kann somit auch schneller zu einer Überreizung/Überforderung führen.

Hochsensible neigen häufig zum Rückzug, wenigen dafür aber meist sehr intensiven sozialen Kontakten. Dies kann sie beispielsweise schnell erschöpfen.

Eine Überreizung, chronisches Gestresstsein und Erschöpfung können zu einem aggressiven oder unruhigem Verhalten und schlussendlich zu körperlichen und seelischen Erkrankungen führen.

Positive Merkmale und Eigenschaften der Hochsensibilität

Hochsensible zeigen meist viel Empathie und Fürsorglichkeit anderen Menschen gegenüber.

Positive Erlebnisse – wie einen Ausflug, Spaziergang, den ersten Schnee der Saison, das Zwitschern eines Vogels, den Duft einer frischgemähten Wiese, die Liebe oder Ähnliches – können Hochsensible meist sehr viel bewusster und intensiver wahrnehmen und genießen als die „Normalos“ unter uns.

Hochsensibilität geht meist mit einer hohen Affinität zu kreativen Tätigkeiten einher.

Hochsensible Kinder und Erwachsene können Situationen gut analysieren und ihr sowie das Verhalten anderer reflektieren.

Hochsensibilität beim Kind wiegt oft schwerer als bei Erwachsenen

Dass Kinder häufiger unter ihrer Hochsensibilität leiden als Erwachsene, hat verschiedene Gründe:

1. Kinder sind fremdbestimmt

Kinder sind stärker fremdbestimmt. Und zwar vornehmlich durch Eltern, Erzieher, Lehrer und Trainer. Welche Reize sie alltäglich wahrnehmen, wird meist von uns Erwachsenen gesteuert. Darunter fällt der Trubel zu Hause, in der Kita, der Schule, im Sportverein, das Ausüben von Hobbys und vieles mehr.

2. Kinder müssen schnell reagieren

Ab dem Grundschulalter werden Kinder auf schnelles Denken und Reagieren gepolt. Allerdings benötigen hochsensible Kinder häufig mehr Bedenk- und Reaktionszeit. Lehrer, aber auch Erzieher und nicht zuletzt die Eltern können dieses zaghafte, aber bedachte Verhalten schnell als Desinteresse, Faulheit oder Unkonzentriertheit interpretieren.

3. Kinder haben kaum Einfluss auf Veränderungen

Ein Umzug, Kita- oder Schulwechsel, die Trennung der Eltern, ein neuer Sitzplatz im Schulunterricht oder ein Positionswechsel im Sportverein. Auch hierbei haben Kinder in der Regel kein Mitspracherecht. Dies bedingt natürlich neue Eindrücke beziehungsweise Reize und kann grundlegend auch schneller als bei anderen Kindern negative Emotionen und Stress/Überreizungen auslösen.

4. Hochsensible Kinder gelten oft als schüchtern

Gerade in neuen beziehungsweise für das Kind ungewohnten Situationen hält es sich erst mal zurück und ist vorsichtig, um sich einen Überblick verschaffen zu können. Erst dann wird gehandelt. Diese anfängliche Zurückhaltung und das sensible Herantasten wirken sich häufig auch auf soziale Kontakte aus. Während Zurückhaltung bei hochsensiblen Erwachsenen meist eher akzeptiert ist, gelten hochsensible Kinder schnell als schüchtern, unsicher, desinteressiert oder gar arrogant. Stellt ihr bei dem Test übrigens fest, dass euer Kind auf äußere Reize gar nicht so intensiv reagiert, es allerdings sehr zurückhaltend ist, kann euer Kind auch einfach sehr zurückhaltend sein. Lest dazu auch noch mal unseren Beitrag zum Thema introvertiertes Kind. Natürlich sind auch beide Charaktereigenschaften möglich. Viel wichtiger als exakt benennen zu können, was nun auf euer Kind zutrifft, ist, dass ihr auf seine Bedürfnisse eingeht. 🙂

Wie genau das funktioniert, erfahrt ihr im zweiten Teil zum Thema hochsensible Kinder.

Titelbild: © Максим Галінский

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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