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Hirntod nach Asthmaanfall: Verstorbene bringt gesundes Kind zur Welt

Hirntod
Saskia
Geschrieben von Saskia

Hirntote Frau wird zu menschlichem Inkubator

Im Dezember 2018 musste ein portugiesisches Medizinerteam eine Entscheidung treffen, die aus ethischer Sicht immer wieder zu Gewissenskonflikten und Diskussionen führt: Nachdem die im fünften Monat schwangere Catarina Sequeira an einem Asthmaanfall verstarb, entschieden sich Ärzte und Ethikkommission, alles medizinisch Mögliche zu tun, um das Leben des ungeborenen Kindes zu retten. 


Bis auf ihre Asthmaerkrankung war die 26-jährige Catarina Sequeira eine gesunde junge Frau. Sie strebte sogar eine große Karriere als Kajakfahrerin an und nahm an internationalen Wettbewerben teil. Asthma ist zwar nicht vollständig heilbar, lässt sich aber durch eine gezielte Medikation und einen gesunden Lebensstil sehr gut lindern. Wie sich Asthma in der Schwangerschaft entwickelt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Diagnose Hirntod nach Asthmaanfall

Nur in ganz seltenen Fällen kann ein Asthmaanfall zum Tode führen. Bei Catarina Sequeira war er so stark, dass sie im Dezember letzten Jahres das Bewusstsein verlor und ihre Ärzte sie in ein Langzeitkoma versetzen mussten. Nachdem sich der Gesundheitszustand der Leistungssportlerin weiter verschlechterte, wurde sie am 26. Dezember 2018 für hirntot erklärt. Zeit in Ruhe zu trauern und sich von Catarina zu verabschieden, hatte ihre Familie allerdings noch nicht. Denn da ein Hirntot in der Regel bedeutet, dass andere Organe noch funktionieren, konnte die Schwangere künstlich beatmet und ihr ungeborener Sohn somit am Leben gehalten werden.

Ethikkommission für Organspende

In Portugal gilt die sogenannte Widerspruchslösung, die auch in Deutschland diskutiert wird. Hat eine Person einer Organspende zu Lebzeiten nicht widersprochen, kommt sie als Spender infrage. Dieses Recht greift auch dann, wenn es darum geht, das Leben eines ungeborenen Kindes zu retten.

„Als Spender geht es nicht nur darum, eine Leber, ein Herz oder eine Lunge zu spenden, sondern auch darum, in der Lage zu sein, seinen Körper zur Verfügung zu stellen, damit ein Kind leben kann“, so der Vorsitzende der Ethikkommission, Filipe Almeida.*

Da die Mutter sich nie gegen eine Organspende ausgesprochen hat, sah sich das Krankenhaus in der Pflicht. Catarinas letzte große Aufgabe bestand somit darin, als menschlicher Inkubator das Leben ihres Kindes zu retten.

Geburt früher als geplant

Um dem Kleinen die besten Überlebenschancen zu ermöglichen, sollte der Junge nicht vor der 32. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken. Da sich der Zustand der hirntoten Mutter aufgrund ihrer Atemwegserkrankung plötzlich verschlechterte, konnten die Ärzte allerdings keine ausreichende Sauerstoffzufuhr mehr garantieren. Daher musste das Kind bereits einen Tag früher und somit in der 31. Schwangerschaftswoche – am 28. März 2019 – durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden. Mit einem Geburtsgewicht von 1,7 Kilogramm und einer Größe von 40 Zentimetern wird Salvador nun erstmal wie ein normales Frühchen auf der Neugeborenenstation versorgt. Nach anfänglichen Atmungsproblemen kann der kleine Junge mittlerweile selbstständig atmen und entwickelt sich sehr gut. Aller Voraussicht nach kann er in drei bis vier Wochen aus dem Krankenhaus Gaia entlassen werden.

Großmutter braucht noch Zeit

Bis die Großmutter Fatima Branco ihr Enkelkind in die Arme schließen kann, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Zu groß ist ihr Schmerz über den Verlust ihrer Tochter. Erst wenn sie die intensivste Phase des Trauerprozesses überwunden hat, ist sie laut Yahoo 7 News in der Lage, den kleinen Salvador auf der Welt willkommen zu heißen. Trauer benötigt bekanntlich Zeit und wir sind uns sicher, dass Fatima irgendwann in der Lage sein wird, ihrem Enkel eine liebevolle Großmutter zu sein.

Salvador ist nach Baby Lourenço im Jahr 2016 das zweite Kind in Portugal, das durch eine hirntote Mutter geboren wurde. In Deutschland gab es bereits 1992 einen vergleichbaren Fall, der für große Diskussionen sorgte.

* Quelle: Observador

Titelbild: © ondrooo

Über den Autor

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Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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