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Her mit den Kröten: Wie lernen Kinder den Umgang mit Geld?

Umgang mit Geld lernen
Saskia
Geschrieben von Saskia

Vom Spielgeld zum Taschengeld

Je älter Kinder werden, umso größer werden ihre Wünsche. Sind es in jungen Jahren noch Kleinigkeiten wie Sticker, Puppen und Lego, stehen ab dem Schulalter Smartphone, Computer, Spielekonsolen und Markenkleidung auf der Wunschliste. Doch wie bringt ihr bereits Kindergartenkindern bei, dass das Geld nicht auf Bäumen wächst und dass ihr ihnen nicht immer jeden materiellen Wunsch erfüllen könnt oder wollt? Mit unseren Tipps lernen eure Kinder Schritt für Schritt den altersgerechten Umgang mit Geld.


Um den Jüngsten einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld beizubringen, ist es wichtig, dass ihr ihnen altersgerecht erklärt, dass ihr für euer Geld arbeiten müsst und davon in erster Linie euer Zuhause, Nebenkosten, Lebensmittel, Kleidung, Schulmaterial und so weiter kaufen müsst. Auch der Sommerurlaub, die Klassenfahrt und Ausflüge sind nicht zu vergessen. Je älter eure Kinder sind, umso mehr könnt ihr in die Tiefe gehen und ihnen zum Beispiel vorrechnen, wie viel von eurem Einkommen am Ende aller Fixkosten noch für Urlaub, Spielzeug und Co. übrig bleibt und wie lange ihr beispielsweise für einen Urlaub und größere Anschaffungen sparen müsst.

Eltern sind Vorbilder

Damit eure Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld lernen, geht als gutes Beispiel voran. Je stärker ihr der Konsumwelt erliegt, desto schwerer fällt es auch euren Kindern, zu verzichten. Bekommt euer Schulkind beispielsweise mit, dass ihr für größere Anschaffungen häufiger Kredite aufnehmen müsst, zieht es möglicherweise daraus den Schluss, dass man sich zur Not problemlos Geld leihen kann, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Dass Schulden beziehungsweise Kredite viele Risiken mit sich bringen, wird häufig unter den Teppich gekehrt.

Spielend den Umgang mit Geld lernen

Kleinkinder können bereits durch Spielgeld den ersten Umgang mit Geld altersgerecht lernen. Der klassische Kaufladen und Brettspiele sind somit ein perfekter Start für die Finanzerziehung eurer Kids.

Taschengeld und Sparschweine

Ab dem Vorschulalter ist ein regelmäßiges und altersgerechtes Taschengeld unverzichtbar. Kinder können bereits mit 50 Cent wöchentlich lernen, wie viel sie sich von diesem Geld kaufen können. Sie lernen damit zu haushalten und sofern sie sich etwas kostspieliges kaufen möchten, geht es ans Sparen. Bei den Jüngsten muss natürlich noch kein eigenes Sparkonto eingerichtet werden. Viel motivierender ist bei ihnen das klassische Sparschwein, weil sie das Geld selbst hineinwerfen, es zwischendurch zählen und es immer mal wieder in die Hand nehmen können. So merken sie: Das Geld wird mehr und sie kommen ihrem Ziel Schritt für Schritt näher! Ganz wichtig: Lasst sie ganz allein entscheiden, für was sie ihr Taschengeld ausgeben möchten. Nur so lernen sie, verantwortungsvoll damit zu haushalten und ein Gefühl für Preise und Fehlkalkulationen sowie Fehlkäufe zu entwickeln. Vorausgesetzt ihr schiebt ihnen nicht laufend zusätzlich etwas zu, damit sie sich ihre Wünsche schneller erfüllen beziehungsweise noch mehr kaufen können. Wollt ihr sie doch mal dabei unterstützen und sie bitten euch beispielsweise um einen Taschengeldvorschuss, macht ihnen deutlich, dass ihr nächstes Taschengeld definitiv wegfällt.

Diese Taschengeldtabelle hilft euch bei der Orientierung:

4 – 5 Jahre        0,50 Cent pro Woche

6 – 7 Jahre         1,50 bis 2 Euro pro Woche

8 – 9 Jahre       2 bis 3 Euro pro Woche

10 – 11 Jahre    13 bis 16 Euro pro Monat

Preise vergleichen

Damit eure Kinder zu kleinen Sparfüchsen werden, erklärt und demonstriert ihnen, dass es sinnvoll ist, Preise und das Preis-Leistungsverhältnis ähnlicher Produkte zu vergleichen. So können sie einige Kröten sparen und euer Nachwuchs lernt, mit Bedacht zu kaufen.

Lebensmitteleinkauf

Nehmt eure Kinder mit in den Supermarkt und packt die Lebensmittel nicht wahllos in den Einkaufswagen, sondern vergleicht gemeinsam die Produkte und Preise und rechnet euren Einkauf vor dem Kassieren hoch. Wenn eure Kids alt genug sind, könnt ihr sie kleinere Einkäufe bereits eigenständig erledigen lassen. Schreibt gemeinsam einen Einkaufszettel und gebt ihnen etwas mehr Geld mit, als der Einkauf kosten wird. Erinnert sie trotzdem daran, auf die Preise zu schauen, diese zu vergleichen, zwischendurch den Einkauf hochzurechnen und das restliche Geld wieder mitzubringen. Das vermittelt ihnen nicht nur ein Gespür für Preise, sondern sie lernen außerdem, das Geld nicht vollständig auszugeben, obwohl sie noch etwas übrig haben.

Nachhaltigkeit und Wertschätzung

Es ist nicht einfach, den Verlockungen der Konsumwelt zu widerstehen. Wenn die Wunschliste eurer Kids mal wieder den Höhepunkt erreicht, setzt euch zusammen und haltet euch vor Augen, wie gut es euch geht. Fragt euch, wieso sie eine Sache unbedingt haben wollen und ob sie sie wirklich brauchen. Bei Kindern ist es gewiss nicht einfach, ihnen auszureden, dass sie ein Spielzeug nicht benötigen, nur weil es der beste Freund auch hat. Dann kann es helfen, dass ihr die Anschaffung für einige Tage oder Wochen nach hinten verschiebt. Häufig verblasst der Wunsch dann und plötzlich ist ein ganz anderes Spielzeug schon wieder viel interessanter. So lernen bereits die Jüngsten, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob einige Wünsche vielleicht doch ganz schnell wieder unwichtig sind. Ebenfalls hilfreich: Habt eure Umwelt und Menschen, denen es nicht so gut geht, im Blick. Macht euren Kindern deutlich, dass jedes Spielzeug hergestellt, verschickt und auch wieder entsorgt werden muss und dass es viele Kinder gibt, die nicht mal halb so viel Spielzeug haben wie sie. Je früher ihr es mit Spielzeug und Co. nicht übertreibt und mit Bedacht kauft, desto leichter wird es euren Kindern fallen, auf die eine oder andere Anschaffung zu verzichten.

Kaufen und verkaufen auf dem Flohmarkt

So schnell wie eure Kinder wachsen auch ihre Kinderzimmer mit. Es kommt immer mehr Spielzeug und Kleidung hinzu. Was gestern noch total interessant war und gut gepasst hat, ist nach ein paar Wochen oder Monaten plötzlich uninteressant oder zu klein. Statt Dinge wegzuwerfen oder zu verschenken (was natürlich auch sinnvoll ist!), könnt ihr stattdessen alle sechs Monate einen Flohmarkt besuchen und ihr verkauft die Dinge, mit denen eure Kinder nichts mehr anfangen können. Sie lernen zu handeln, nehmen Geld ein, anstatt es auszugeben und können es dann wieder in neue Dinge, die natürlich auch mal vom Flohmarkt sein können, investieren oder es sparen.

Markenwahnsinn

Ab dem Schulalter wünscht sich jedes Kind irgendwann Kleidung teurer Marken. Hinzu kommt der Druck, mit anderen Kindern mithalten zu können. Reagiert auf jeden Fall verständnisvoll und einfühlsam, wenn sich eure Kinder plötzlich nicht mehr mit günstiger Kleidung zufriedengeben. Dennoch bedeutet das nicht, dass ihr euch für sie in Unkosten stürzen oder ihnen ein zu hohes Taschengeld zahlen solltet. Versucht stattdessen, einen Mittelweg zu finden. Einigt euch zum Beispiel darauf, dass ihr den für euch vertretbaren Preis einer Jeans bezahlt und dass sie  von ihrem Taschengeld etwas dazu geben. Oder ihr einigt euch darauf, dass die coolen Markensneaker bereits ein Teil ihres Geburtstagsgeschenkes sind. Je nach Alter könnt ihr ihnen auch Hausarbeiten anbieten, die etwas aufwendiger (aber immer noch altersgerecht) sind, damit sie sich zu ihrem Taschengeld etwas hinzuverdienen und sich ihren Herzenswunsch schneller erfüllen können.

Titelbild: © Maria Sbytova

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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