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Geschlechter-Klischees: Von Mannsweibern und Weicheiern

Geschlecht
Saskia
Geschrieben von Saskia

Schluss mit dem Schubladendenken!

Auch wenn wir immer stärker dafür sensibilisiert werden, unsere Kinder frei von Vorurteilen und festgefahrenen Geschlechter-Klischees aufwachsen zu lassen, sind wir noch immer weit davon entfernt. Mädchen, die lieber mit Autos anstatt mit Puppen spielen und blaue Kleidung tragen? Wird gerade so zähneknirschend gebilligt. Jungen, die Einhörner auf ihrem Schulranzen haben und pinke Schuhe mögen? Ein noch schwierigeres Unterfangen!


Doch wie kommen Geschlechter-Klischees überhaupt zustande? Natürlich in erster Linie durch tradierte Geschlechterrollen, die fest in unseren Köpfen verankert sind. Das bedeutet aber längst nicht, dass wir diese Rollen weiterhin fortführen müssen.

Folgende Schemata sollten wir uns daher bewusst machen und in Frage stellen:

1. Anpassung

Ab ungefähr drei Jahren ist einem Kind bewusst, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Zumindest wenn man das Geschlecht aufgrund äußerlicher Merkmale definiert. Natürlich spielt auch die Erziehung eine große Rolle. Ist es Eltern beispielsweise wichtig, zu signalisieren, ob der Nachwuchs männlich oder weiblich ist, gehören typische Rollen-Klischees schnell zum Alltag. Bis ungefähr zum siebten Lebensjahr ist es Kindern in der Regel dennoch wichtiger, ihre eigenen Interessen und Vorlieben auszuleben. Dann kann es also häufiger vorkommen, dass ein Junge einen Rock tragen oder sich die Nägel lackieren möchte. Was allerdings nicht bedeutet, dass ihm die Erwartungen, die an sein Geschlecht geknüpft sind, egal sind. Im Gegenteil. In diesen ersten Lebensjahren lernen Kinder, ihr Verhalten anzupassen und andere Personen ebenfalls in die für sie vorgesehene Schublade zu stecken. Dies ist ein normaler Prozess und hilft eurem Nachwuchs bei der Orientierung.

2. Gruppenzugehörigkeit

Eine Studie der University of Texas macht deutlich, wie schnell sich Kinder von äußeren Merkmalen lenken lassen. Dazu wurden Vorschulkinder geschlechtsunabhängig drei Wochen lang in eine rote und eine blaue Gruppe eingeteilt und trugen ein T-Shirt in der jeweiligen Farbe. Zudem wurden beide Farbgruppen gleichmäßig auf zwei Räume verteilt. Während die Erzieher des einen Raumes die Kinder regelmäßig auf den Unterschied aufmerksam machten, wurde dieser in dem anderen Raum nicht thematisiert. Nachdem die Kinder nach dem Experiment wieder zusammengeführt und befragt wurden, ließ sich in beiden Räumen feststellen, dass alle Teilnehmer lieber mit den Kindern spielten, die die gleiche T-Shirt-Farbe trugen. Auch bei der Wahl des Spielzeugs orientierten sich die Kinder an den Vorlieben ihrer „Farbkameraden“. Die Kinder, bei der die Unterschiede offen angesprochen wurden, zeigten allerdings ein noch ausgeprägteres Verhalten. Ein vergleichbarer Effekt lässt sich auch beim Gender-Marketing feststellen.

3. Gender-Marketing

Ob Spielwarenabteilung, Werbung oder beliebte Kinderserien wie „Bob der Baumeister“ – uns wird noch immer eingebläut, wie Jungen und Mädchen sein und was sie mögen sollten. Diese Denkweise verfestigt sich im Laufe unseres Lebens immer mehr und verlangt von uns unentwegt, dass wir uns positionieren und andere Personen ebenfalls einordnen. Wie groß der Einfluss der Marketing-Branche auf uns als Individuum ist, macht die Initiative „Der Goldene Zaunpfahl“ mit ihrem Preis für absurdes Gender-Marketing deutlich. Der Goldene Zaunpfahl ging in diesem Jahr an die Online-Plattform „SpielAffe.de“ und ihr Computerspiel „Toilette putzen“, das als „lustiges Mädchenspiel“ angepriesen wird. Mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 45 Milliarden Euro trägt die Marketing-Branche mit geschlechtsspezifischem Marketing und Produktdesign elementar dazu bei, uns regelrecht zu manipulieren.

4. Angst vor Ausgrenzung

Selbst für aufgeschlossene Eltern, die es ihren Kindern freistellen, welche Kleidung sie tragen und mit welchem Spielzeug sie spielen möchten, ist es nach wie vor keine leichte Entscheidung, die Kinder entgegen aller Gender-Klischees zu erziehen. Sie frei entscheiden zu lassen, ob sie ihr Haar kurz oder lang tragen, lieber mit Puppen oder Autos spielen oder das Prinzessinnen- dem Feuerwehrmannkostüm vorziehen. Denn abgesehen davon, entscheidet sich der Nachwuchs oft aus eigenen Stücken beziehungsweise aufgrund der soeben genannten Schemata für die ihm zugewiesenen „Klischee-Kostüme“ und Co. Ist dies nicht der Fall, ist der Weg für eine geschlechtsneutrale Kindheit allerdings immer noch nicht geebnet. Denn dann fließt bei Eltern häufig die Angst mit ein, dass das eigene Kind mit negativen Äußerungen oder direkter Ausgrenzung konfrontiert werden könnte. Dass ihr als Eltern auch humorvoll gegen vorherrschende Rollenbilder vorgehen könnt, zeigt euch dieses Elternpaar, das von Erziehern darum gebeten wurde, die Tochter mädchenhafter zu kleiden.

Beide Geschlechter erfahren Abwertung

Dass heutzutage Mädchen auch mal gerne mit Autos spielen und gerne blau tragen, wird mehr und mehr gebilligt. Mädchen, die auf „Jungssachen“ stehen werden als stark und selbstbewusst angesehen. Was im Umkehrschluss natürlich bedeutet, dass Mädchen gewöhnlich als das schwache und sensible Geschlecht gelten. Jungen, die auf „Mädchensachen“ stehen, sind dagegen gleich als Weichei verrufen. Beide Geschlechter werden somit zutiefst diskriminiert. Eine weitere Initiative, die gegen jegliche Art von Sexismus, Homophobie, Geschlechter-Klischees und Gender-Marketing vorgeht, ist die Protest- und Bildungsorganisation „Pinkstinks“:

„Menschen sind mehr als Pink und Blau. Deshalb kritisieren wir starre Geschlechterrollen in Medien und Werbung und zeigen auf, dass es vielfältiger geht. Für eine moderne Gesellschaft müssen wir ermöglichen, dass Jungen und Männer zart sein dürfen und Mädchen und Frauen Raum einnehmen können. Frauen als Käpt‘n und Männer als Feen: nicht immer, aber auch!“

 

Im nächsten Beitrag verraten wir euch einige Tipps für eine geschlechtsneutrale Erziehung.

Titelbild: LoloStock

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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