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Geburtsvorbereitungskurse für Paare: Kompakt, realistisch und ohne Klischees!

Geburtsvorbereitungskurse Paare
Helena
Geschrieben von Helena

Hebamme Kareen Dannhauer redet Tacheles!

Euch Vätern (beziehungsweise Partnern und Partnerinnen) gebührt bereits ab der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Zwar könnt ihr der werdenden Mutter die Schwangerschaft, Geburt und das Stillen nicht abnehmen, allerdings seid ihr die wichtigste Bezugsperson, um eure schwangere Partnerin zu unterstützen. Zudem könnt ihr bereits den ersten Kontakt zu eurem ungeborenen Kind und damit auch eine emotionale Bindung herstellen. Als werdende Väter habt ihr daher nicht umsonst und gerade bei der ersten Vaterschaft eine Menge Fragen, die es zu klären gilt. Zum einen geht das natürlich durch Familie, Freunde, die werdende Mama und das Internet und zum anderen auch mithilfe eines Geburtsvorbereitungskurses für Paare. Was ihr dort so alles lernen könnt, verrät euch Hebamme Kareen Dannhauer!


Wie unterscheidet sich der werdende Vater von heute vom werdenden Vater von vor 20 Jahren?

Kareen: Ich glaube, gar nicht so sehr. Ich überblicke in meiner Hebammenarbeit jetzt 25 Jahre und weder die Bedürfnisse noch die Art und Weise des Umgangs haben sich in dieser Zeit grundlegend verändert. Väter sind aufgeregt, die Grundstimmung ist positiv, mit einigen Aspekten, die Ihnen Respekt einflößen und hier und da durchaus ein paar heimliche Ambivalenzen. Ganz normal und angemessen also – und auch nicht so unterschiedlich zu den Gefühlen der Frauen.

Vor 20 Jahren waren die meisten Geburtsvorbereitungskurse noch viel umfangreicher als heute. Die Paare, die ich betreue, hatten noch ein viel größeres Informationsbedürfnis. Damals haben meine Kurse 20 Stunden gedauert, aufgeteilt auf acht Abende, mit Hang zum Überziehen. Heute sind kompakte Formate als Crash-Kurs gefragter, die sind nur noch 12 bis 14 Stunden lang. Den Rest erledigen Apps und das Internet.

Was unterscheidet einen Paarkurs von reinen Väterkursen?

Kareen: Reine Väterkurse werden oft von geburtserfahrenen Männern gehalten, sodass ein „Gespräch unter Männern“ ein wesentliches Element ist. Das können Gynäkologen sein oder in anderer Weise erwachsenenpädagogisch geschulte Männer, die sich in diesem Umfeld auskennen. Die Idee ist sicher auch, dass die Männer dort freier sprechen können, ohne dass sie ihre Gedanken gleich von weiblicher Seite, sei es von der Hebamme oder den teilnehmenden Frauen, bewertet fühlen.

Welche Kurse bietest du an?

Kareen: Ich biete für erstgebärende Paare nur Paarkurse an, weil ich es wichtig finde, dass ein Mann, der seine Frau zur Geburt begleitet, eine realistische Vorstellung von „Geburt“ hat und eben auch auf dieser Ebene „vorbereitet“ ist. Er sollte eine klare Idee von der Intensität und dem Kontrollverlust bekommen, die eine Geburt mit sich bringen, auf ihre je eigene Weise eben für Frauen und Männer. Ein wichtiges Element in meinen Kursen ist beispielsweise eine recht realitätsnahe „Gebärperformance“, innerhalb derer ich kurz demonstriere, wie Wehen so sind und wie Frauen mit Wehen so sind und wie sich Gebären beispielsweise anhört. Dann werden alle erstmal ganz still, die Männer wollen alle eine PDA und wenn dann klar ist, worüber wir hier eigentlich reden, wird es dann auch ganz interessant und wir reden Tacheles.

Was sind deinen Erfahrungen nach die größten Klischees, die Männer von einer Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs abhalten?

Kareen: Ich habe keine Ahnung, wer diese Hechelkursklischees am Leben hält, aber es scheint schon immer noch eine capitulation of coolness zu sein, da Lust drauf zu haben. Mir schlägt von einer gewissen Fraktion immer noch entgegen, dass man hergeschleift wurde. Dann mache ich ein paar naheliegende Witze, wir lachen gemeinsam drüber und dann kann ich irgendwann mit den wesentlichen Dingen anfangen. Seht es vielleicht so, dass Hebammen ziemlich smarte Girls sind, die von all dem, von dem ihr keinen Plan habt, eine ganze Menge wissen. Ich würde alles tun, um bei dieser Aneignung von Herrschaftswissen dabei sein zu können.

Ich gehe das mit gesundem Menschenverstand an und versuche, mich da ganz menschlich-empathisch hineinzuversetzen und frage mich, was ICH mich so fragen würde, wenn ich überhaupt keine Ahnung davon hätte. Klischeehaft ist sicher der Mann, der sich sorgt, die Erlebnisse unter der Geburt könnten so verstörend sein, dass er sich um die Qualität der Liebesbeziehung sorgt. Aber vielleicht gibt es die auch.

Väter fühlen sich in der Schwangerschaft gerade in Bezug zum Ungeborenen oft außen vor. Wie können sie beispielsweise direkten Kontakt zum Baby aufnehmen und sich in die Schwangerschaft einbringen?

Kareen: Frauen haben da den körperlichen Vorsprung, ganz klar. Für Männer ist es sicher eine abstrakte Idee, dass sie wirklich ein Baby bekommen. Naheliegende Tipps wie: „Der Mann kann ja ganz viel den Bauch einölen und immer schön mitgehen zu den Ultraschalluntersuchungen“, sind mir eher zu verkitscht. Klar kann man das machen! Aber Bindung braucht nicht solchen Event-Charakter.

Man kann auch sehr innige Momente haben, während man gemeinsam ein Champions-League-Spiel anguckt und sich auf gemeinsames Bolzen freut. Für die Paarbeziehung ist es allerdings viel wichtiger, dass man gemeinsam eine Idee von Elternschaft entwickelt, konkrete Verabredungen trifft und sich auf einen Alltag zu dritt vorbereitet.

Echtes Interesse am realistischen Leben mit kleinen Kindern, das halte ich für wirklich effektiv – und für sehr romantisch.

Was beschäftigt Männer im Hinblick auf ihren Part bei der Geburt am meisten?

Kareen: Männer ahnen natürlich, dass sie mit einer gewissen Hilflosigkeit konfrontiert werden. Die Rollen sind ja von Anfang an klar verteilt, die Frau bekommt das Baby und die Männer sind halt dabei. Unsere Aufgabe als Hebamme im Kreißsaal ist durchaus, beide als Paar zu betreuen. Manchmal hilft es, konkrete Dinge zu tun: festhalten, massieren, Stirn kühlen, Musik lauter oder leiser drehen. Da kommen dann auch die ganzen Hebammenvokabeln ins Spiel, „Loslassen“, „Gehenlassen“, „Hingabe“. Wenn es gelingt, das zu vermitteln, war es ein guter Geburtsvorbereitungskurs.

Wie wichtig ist es aus deiner Sicht, dass der werdende Vater bei der Geburt dabei ist?

Kareen: Eine Geburt ist mit Sicherheit das intensivste gemeinsame Erlebnis, dass ihr miteinander haben werdet. Ich persönlich hätte große Lust darauf, das auch gemeinsam miteinander zu erleben, weil eben auch das gemeinsame Erinnern so toll ist. Aber das stimmt natürlich nicht für alle Menschen. Wenn das zu viel ist oder aus irgendwelchen anderen guten Gründen nicht vorstellbar – dann eben nicht. Man hat ja ein paar Monate Zeit, das gut zu überlegen.

Mit der Geburt ist ja das „Vaterwerden“ nicht zu Ende, es beginnt gerade erst …

Kareen: Spoiler: Die größte Herausforderung ist nicht die, im Kreißsaal nicht das Bewusstsein zu verlieren. Danach geht es eben weiter und wenn sich die Anfangseuphorie gelegt hat, sollte man unbedingt gucken, wie das theoretische Ideal und der reale Baby-Alltag sich miteinander als deckungsgleich erweisen. Eine wichtige Vokabel in dieser neuen Sozialisation als Vater lautet: Mental Load.

Wer weiß, was damit gemeint ist, hat schon mal viel gewonnen, wer nicht, sollte das sofort googeln und sich ein wenig einlesen.

Übrigens: Sind beide Elternteile bei BIG direkt gesund versichert, werden auch Partnern und Partnerinnen die Kosten des Geburtsvorbereitungskurses von bis zu 80 Euro erstattet. 

Ihr geballtes Hebammenwissen vermittelt Kareen Dannhauer im Herzen von Berlin und – ganz neu – auch in einem Online-Geburtsvorbereitungskurs. Die Vorbereitung auf die Geburt findet dabei genau wie in ihren regulären Kursen statt – on top kommen unter anderem Informationen rund um das Wochenbett sowie natürlich alles Wichtige rund um Schwangerschaft und das Gebären in Zeiten von Corona. Alle Infos dazu findet ihr auf Kareens Website.

Titelbild: © alfa27

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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