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Geburtsbericht Olivia Dawn – Teil 2

Fran
Geschrieben von Fran

Mitten in der Nacht setzten bei Fran die Wehen ein, so schnell und plötzlich, dass die Hebamme es wohl nicht rechtzeitig schaffen würde. Lest hier den zweiten Teil ihres Geburtsberichtes.


 

Nach der erholsamen Wehenpause, wusch die erste heftige Wehe wie eine brutale Welle über mich. Damit hatte ich nicht gerechnet. Diese Wehe machte mir schlagartig bewusst, dass dieses Baby heute geboren werden wollte. Und das ohne Verzögerung.
Ich sah zu meinem Mann und forderte ihn auf sofort die Hebamme anzurufen.
Binnen zwei Minuten hatte ich die nächste heftige Wehe und einen Augenblick später wurden schon Presswehen daraus. Ich wandte mich von Joe ab, und lehnte mich über die Seite des Pools, die dem Fenster und meinen Motivationssprüchen gegenüber stand.


Mir wurde in diesem Moment bewusst, dass ich Olivia alleine auf die Welt bringen würde. Meine Hebamme hatte fast eine Stunde Anfahrt.
So lange würde das hier definitiv nicht dauern.

frischInmitten dieser Situation hörte ich aus dem Schlafzimmer unsere Tochter Alice nach mir rufen.
Joe sprang auf und holte sie zu uns ins Wohnzimmer. Er stellte einen Stuhl neben den Pool, drückte ihr eine Honigmilch in die Hand und erklärte ihr, dass ihre kleine Schwester auf dem Weg sei. Über Wochen hinweg hatten wir sie auf diesen Moment vorbereitet, mit ihr zusammen auf die Geburt hingefiebert. Nun hofften wir, dass sie wirklich so gut darauf vorbeiret war, wie wir glaubten. 

Da ich bei meiner ersten Entbindung eine PDA hatte, kannte ich das Gefühl der Presswehen überhaupt nicht. Es war eine sehr interessante Empfindung.

Ich entsann mich daran, dass meine Hebamme gesagt hatte, möglichst nicht mitzupressen, sondern einfach meinen Körper und das Baby arbeiten zu lassen, jedoch konnte ich einfach nicht anders. Nichtstun fühlte sich überhaupt nicht gut an. Sobald ich also eine Presswehe aufkommen fühlte, atmete ich tief ein und wartete auf ihren Gipfel, um dann mit aller Kraft zu pressen.

Es fühlte sich unfassbar an zu spüren, welche Kräfte in mir steckten.
So faszinierend dies alles war, so anstrengend war es auch. Da ich von Natur aus ein eher bequemer Mensch bin, wollte ich dies alles nicht unnötig herauszögern, um mich nicht unnötig zu ermüden. Nach einigen Presswehen fragte ich Joe, ob er schon etwas sehen konnte. Er verneinte. Ich griff also nach unten, um zu ertasten, ob meine Mühe denn etwas bewegte.

plazenta
Meine Finger ertasteten die Fruchtblase. Ich wurde ganz hibbelig und einige Sekunden später hörte und spürte ich ein „Plop“ und die Fruchtblase war Geschichte. Dies führte zu einer deutlichen Steigerung der Presswehen, deren Intensität mich völlig ergriff. Ich öffnete meine Augen und schaute auf zu meinen Motivationssprüchen. Der erste, der mir ins Auge fiel, war auch der, der mir am meisten am Herzen lag „She believed she could. So she did.“ Ich musste ehrlich ein Tränchen verdrücken. Dies half mir wieder mich vollends zu konzentrieren.

Ich legte all meine Kraft in jede einzelne Wehe. Abermals griff ich nach unten und da war es: Olivias Köpfchen.
Das war all die Motivation, die ich benötigte. Ich presste mich allem, was in mir war. Nutzte dabei die Aqua-Breathing Technik, die mir meine Hebamme gezeigt hatte, welche wahre Wunder bewirkte.
Nach wenigen Wehen spürte ich einen regelrechtes Brennen und ich wusste, dass die Geburt meiner Tochter nur Minuten entfernt war. Gegen das Brennen anzupressen, verlangte minimale Überwindung. Endlich hörte ich meinen Mann freudig verkünden: Der Kopf ist draußen!

Ich war so glücklich! Das Schwierigste lag also hinter mir! Ich wollte nun natürlich so schnell wie möglich mein Baby im Arm halten, jedoch musste ich regelrecht auf die nächste Wehe warten. Während die Wehen zuvor jede Minute kamen, kam die Kontraktion, die meine Kleine auf die Welt bringen würde, erst vier Minuten später.wiegen In der Zeit des Wartens streichelten mein Mann und ich liebevoll Olivias Kopf. An diesen Moment denke ich heute noch jedes Mal, wenn ich über ihr Haupt streiche.

Langsam baute sich eine Wehe auf. Ich sammelte nochmals all meine Kräfte und gab einfach alles. Ich konnte fühlen, wie ihre Schultern nach draußen „ploppten“ und der Druck ließ mit einem male nach. Oh, die Erleichterung!
Gefolgt von einem „Wo ist sie?!“ – Da hätten wir doch glatt im Wasser das Kind verloren.


Ich griff ins Wasser, zog sie heraus und legte sie mir auf die Brust. Ihr Weinen klang nass, etwas röchelnd. Jedoch nicht beunruhigend. Nach wenigen Augenblicken entfaltete sie ihr ganzen Lungenvolumen und schrie sich ins Leben.

Alice schaute mir neugierig über die Schulter und strahlte von einem Ohr zum anderen.
Die Geburt hatte sie nicht im geringsten verunsichert. Sie war also wirklich gut vorbereitet gewesen. Ihre größte Sorge war die Tatsache, dass sie nicht mit ins große Planschbecken durfte.

Hier die Notizen, die mein Mann auf Anweisung der Hebamme machte:

  • 07:09 – Fruchtblase platzte
  • 07:15 – Geburt des Kopfes
  • 07:19 – Geburt des Körpers
  • 07:21 – erster lauter Schrei

messenIch konnte mein Glück überhaupt nicht fassen. Völlig benebelt wandte ich mich zu meinem Mann: „Ruf doch mal Cornelia an, und sag ihr, dass wir ein Baby haben.“
Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade von der Autobahn abgefahren. Zehn Minuten später klingelte es an der Türe. Freudestrahlend begrüßten wir uns. Sie warf einen kurzen Blick auf Olivia und half mir dann die Plazenta zu gebären. Diese legten wir in eine große Schüssel und ich durfte noch einen Augenblick mit Olivia im Wasser kuscheln.

Anschließend ging es für die ganze Familie ins Schlafzimmer, wo wir Olivia vermaßen, wogen und letztendlich die Nabelschnur durchtrennten.
Während wir die ersten Stunden zur viert kuschelnd im Bett verbrachten, beseitigte die Hebamme das gröbste Chaos, leerte den Pool und kümmerte sich um Papierkram.

Obwohl die Geburt meiner ersten Tochter kürzer war (4 Stunden) und deutlich weniger schmerzhaft (Danke, PDA!), war die Hausgeburt definitiv das angenehmere Erlebnis.
Ich war innerhalb weniger Minuten nach der Geburt wieder fit wie ein Turnschuh, hätte Bäume ausreißen können!
Olivias Geburt dauerte insgesamt ca. 7 Stunden. 6,5 Stunden Eröffnungswehen und 30 Minuten Presswehen.

ddyWährend all dieser Zeit hatte ich nicht ein einziges Mal Angst, oder Zweifel; selbst während der schmerzhaftesten Augenblicke war ich voller Zuversicht und Freude. Ich vertraute meinem Körper, meiner Kraft und wuchs an diesem Erlebnis als Person. Ich wünsche jeder Frau eine solche Geburt. Sie war alles, was ich mir gewünscht hatte. Ich habe mein Baby zur Welt gebracht. Nur ich. Kein Arzt, keine Hebamme. Ich.

Der Stolz, der mit dieser Erfahrung einhergeht, ist nicht in Worte zufassen.

…jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was wir mit der Plazenta im Gefrierfach machen!

Mehr Blogbeiträge von Fran gibt es auf ihrem Mama-Blog hier beim ma-gazin.

 

Titelbild und Bilder im Text: © Franziska Petersen

Über den Autor

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"Ein Kind zu bekommen, ist eine grosse Entscheidung, denn man entscheidet sich dafür, sein Herz für alle Zeit außerhalb seines Körpers zu tragen." Dieses Zitat ist so wahr, dass es fast schon weh tut. Ich habe durch meine Töchter gelernt, wie unfassbar das Leben durch ein Kinder bereichert wird und liebe jeden Tag mit ihnen. All die Anstrengungen, der Stress, einfach alles, ist es wert. Denn wenn sie mich nur einmal anlächeln, wird mir meine Mühe tausendfach zurückgezahlt.

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