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Freies Spiel: Lasst eure Kinder einfach mal machen!

Freies Spiel
Saskia
Geschrieben von Saskia

Kleiner Aufwand, großer Lerneffekt!

Aufgrund der häuslichen Isolation fragt ihr euch derzeit sicher auch mehrmals am Tag, wie ihr eure Kinder beschäftigen könnt. Denn statt eines sonst vollgepackten Tages, durch Kita, Schule, Sportverein und so weiter, verbringen eure Kinder gerade die gesamte Zeit zu Hause. Womit ihr euch und euren Kids die Corona-Quarantäne schöner und leichter gestalten könnt? Durch freies Spiel!


Freies Spiel ist so einfach und findet dennoch immer seltener statt. Stattdessen gehört es zum guten Ton, den Alltag des Nachwuchses komplett durchzuplanen. Dabei ist freies Spielen bereits im Rahmen der Frühförderung enorm wichtig, da es eine Vielzahl kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse fördert.

„Selbst gewählte Kinderspiele sind immer ambitioniert. Kinder suchen sich aktiv Anforderungen, die am besten zu ihren Fähigkeiten passen. Kein Förderprogramm kann das leisten. (…) Extrinsische Motivation (Motivation von außen, also gelenktes Spielen) ist immer Glücksache. Oft sind die Kinder über- oder unterfordert. Der Hauptunterschied besteht also darin, dass die intrinsische Motivation (Motivation von innen, also freies Spielen) dafür sorgt, dass die Kinder beim Spielen herausgefordert, aber nicht überfordert sind. Forschungsbefunde zeigen, dass intrinsisch motivierte Kinder widerstandsfähiger sind, besser mit Misserfolgen umgehen können, sich selbst besser einschätzen können und Lernen mit positiven Emotionen verbinden“, so Diplom-Psychologe Prof. Dr. habil. André Frank Zimpel zum Thema spielerisches Lernen.

 

Was ist freies Spiel?

Häufig verbinden Eltern mit der Tätigkeit negative Aspekte wie etwa, dass das Kind sich langweilt, einfach nur abhängt und schlichtweg planlos ist. Habt ihr den Alltag eures Kindes bislang durchgeplant, kann es tatsächlich ein wenig dauern, bis es sich an diese neue Aufgabe gewöhnt. Nehmt ihm dann die Qual der Wahl nicht ab, sondern motiviert es, sich innerhalb einer festgelegten Zeitspanne eigenständig zu beschäftigen. Klappt das zu Beginn noch nicht, könnt ihr auch erstmal dabei bleiben. Hat euer Kind dann eine Beschäftigung gefunden und sich ins Spiel vertieft, könnt ihr euch immer mal wieder vom Spielort entfernen. Übrigens gehört auch Langeweile dazu und ist absolut okay. Euer Kind lernt dadurch, mit seinen Gedanken und Gefühlen umzugehen und sich eigenständig wieder aus dieser „Lage“ herauszumanövrieren, indem es sich eine Beschäftigung sucht, die ihm Spaß macht. Das wiederum fördert die Autonomie und das Selbstbewusstsein.

Hier noch mal die wichtigsten Eckpunkte:

  • Kinder wählen den Spielort im Rahmen der Möglichkeiten selbst aus.
  • Sie entscheiden selbstständig, mit was, mit wem und wie lange sie spielen wollen.
  • Das freie Spielen darf auch aus Langeweile und Nichtstun bestehen.
  • Die Aufsicht und Anleitung durch Erwachsene sollte so gut wie möglich vermieden werden.

Ein paar grundlegende Regeln darf und sollte es dennoch geben. So ist es wichtig, dass ihr mit euren Kindern einen Zeitraum, und mögliche Spielorte festlegt und Dinge beziehungsweise Spielmaterialien zur Verfügung stellt beziehungsweise sie als diese definiert. Denn freies Spielen bedeutet nicht, dass eure Kids mit allen Haushaltsgegenständen durch jeden Raum toben und für Chaos sorgen dürfen.

Eure Abmachung kann beispielsweise lauten: Du kannst nun eine Stunde mit deinen Spielsachen allein oder mit deinen Geschwistern in deinem Kinderzimmer und/oder im Wohnzimmer spielen. Wenn die Zeit rum ist, räumst du/ räumt ihr bitte wieder alles auf. Sind eure Kinder noch sehr klein, könnt ihr natürlich auch gemeinsam das Chaos beseitigen.

Tätigkeiten wie Fernsehen, Computerspiele und Chatten mit Freunden zählen übrigens nicht zum freien Spiel. 😉

Freies Spiel in häuslicher Isolation

Natürlich ist es derzeit wichtiger denn je, eure Kids zu Hause sinnvoll zu beschäftigen. Neben Homeschooling und ergänzenden Lernaufgaben, sollte auch die tägliche Bewegung an der frischen Luft sowie in der Wohnung nicht zu kurz kommen. Dafür stehen euch viele hilfreiche Apps und Videos zur Verfügung. Tipps dazu findet ihr in unserem Beitrag „Coronavirus: So verbindet ihr Homeoffice mit Kinderbetreuung und Homeschooling“. Dann wäre da noch die Familienzeit, in der ihr mit euren Kindern kochen, backen, vorlesen, spielen, fernsehen oder einfach nur kuscheln könnt. Was euch derzeit aber wirklich in die Karten spielt, ist das freie Spiel, das übrigens auch gut beim Stressabbau behilflich und der Grund dafür ist, dass dänische Kinder rundum hyggelig sind. Während der Quarantäne könnt ihr auch mal ein Auge zudrücken und es euren Kids erlauben, dass sie auch das Wohnzimmer, den Flur und/oder den Esstisch nutzen dürfen. Der Garten kann ebenfalls dazugehören. Statt Planung und über die Schulter schauen, könnt ihr dann endlich mal in Ruhe ein Bad nehmen, für ein paar Minuten die Augen schließen, telefonieren, konzentriert arbeiten oder eure eigene Sportstunde im Wohnzimmer abhalten.

Titelbild: © famveldman

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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