Kolumne

Fianas Kolumne: Obst, nein danke!

Ich habe soeben die 12+0 erreicht und kann Euch sagen, dass mir die Schwangerschaft bisher kaum Freude bereitet hat. Warum? Ich bin leider eine der „Glücklichen“, die sich seit Wochen mit Übelkeit und Erbrechen quält. Ich muss dazu sagen, dass ich Zwillinge erwarte, was momentan für mich eher doppeltes Leid als doppelte Freude bedeutet. Doch versteht mich bitte nicht falsch! Ich freue mich wahnsinnig auf die Twins, nur die Nebenwirkungen machen mir das Leben schwer.

Es gibt Tage, an denen möchte ich einfach immer weiterschlafen, damit sie schnell wieder vorbei sind. Der Haken daran ist bloß, dass der nächste Tag auch keine Abwechslung, geschweige denn Besserung bringt und ich außerdem vor Langeweile eingehen würde, wenn ich permanent Zuhause rumliegen würde. Also habe ich vor einigen Wochen damit begonnen, mir mentale Notizen zu erstellen, wann – also nach dem „Genuss“ welcher Lebensmittel – es mir besonders schlecht geht, um diese vorerst zu meiden.

Zu all den leckeren Sachen, die in einer Schwangerschaft ohnehin tabu sind, steht bei mir zusätzlich Obst ganz weit oben auf der „Bloß-nicht-anrühren-Liste“. Die Säure geht einfach gar nicht! Darunter fällt natürlich auch jeglicher Saft – egal, ob mit Wasser oder ohne. Getränke mit Kohlensäure und zu viel Zucker, also Cola & Co., sind ebenfalls gestrichen, da sie mir einfach nicht mehr schmecken. Jedenfalls im Moment nicht. Und das, obwohl ich sonst den ganzen Tag Zuckerwasser trinken konnte. Jetzt  trinke ich also nur Milch und stilles Wasser. Ab und zu geht auch ein Glas Ginger Ale. Warum ich gerade das mag und vertrage, ist mir ein Rätsel, aber ich will mich nicht beschweren! Meine Ernährung ist sowieso schon boring as Hell!

Denn auch Nahrungsmittel machen es mir schwer. Wie bitte soll ich mich „gesund“ ernähren, wenn mir so ziemlich alles, was nicht aus Kartoffeln oder Reis besteht die Galle in den Hals treibt? Und ganz ehrlich: Ich habe nicht jeden Abend Lust, mir Kartoffelstampf zu machen oder zum dritten Mal am Tag eine gebackene Kartoffel zu mir zu nehmen. Vor einigen Tagen wurde ich auch noch schwer von meinem bisher sehr bekömmlichen Müsli enttäuscht. Und auch das vermeintlich sichere Toastbrot, das in den letzten Wochen mein treuer Begleiter war, wollte an dem Tag einfach nicht bei mir bleiben. Es war einfach einer dieser Tage, an dem man die so sorgfältig geführte und peinlich beachtete Liste getrost in die Tonne treten kann.

Ein weiteres Problem ist der ach so tolle, geschärfte Geruchssinn. Mir war vorher nie bewusst, wie sehr unsere Welt stinkt! Vor allem Bahn fahren ist eine unglaubliche Herausforderung für mich geworden. Nicht gerade hilfreich, wenn einem speiübel ist und dann ein Raucher einsteigt oder eine Dame es mal wieder mit dem Haarspray und Parfum übertrieben hat. Auch die bevorstehende Glühwein-Saison bereitet mir Kopfzerbrechen, aber vielleicht geben meine Kleinen ja bald Ruhe. Schließlich soll ich angeblich die schlimmste Zeit hinter mich gebracht haben. (Ich klopfe auf Holz!) Ich gebe die Hoffnung nicht auf, habe jedoch genügend Horrorgeschichten gehört, die mir den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Merkwürdigerweise werden solche Anekdoten meist mit einem Lächeln wiedergegeben: „Als ich schwanger war, habe ich am Anfang auch ständig gekotzt!“ und „Mir war auch immer übel und zwar 9 Monate lang!“ oder „Einmal musste ich mitten auf der Straße das Auto anhalten: Tür auf, spucken, Tür zu, weiterfahren“. Wie schlimm man sich jedoch wirklich dabei die meiste Zeit gefühlt hat, scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Ich frage mich nur, WIE? Ich krieche seit geraumer Zeit auf dem Zahnfleisch und fühle mich alles andere als „in freudiger Erwartung“. Und das sieht man mir auch an. So werde ich von Freunden gern mit „Du siehst aber fertig aus“ und „Bist du aber blass“ begrüßt. Ich kann mir also beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich diese Monate jemals vergessen oder mit einem Lächeln davon berichten könnte.

In diesem Sinne möchte ich vor allen werdenden Müttern da draußen, denen es ebenfalls schlecht geht, den Hut ziehen! Scheißt einfach mal drauf, dass ihr den Haushalt in dieser Zeit nicht packt, weil einfach alles unangenehm riecht und ihr keinerlei Energie habt. Und ihr seid auch keine Rabenmütter, weil ihr die Winzlinge in eurem Bauch für euren miserablen Zustand verantwortlich macht! Natürlich liebt ihr sie! Stresst euch nicht mit solchen Lapalien und haltet durch! Bald ist das alles vorbei und dann werden auch wir vor Freude strahlen! Und geschlemmt wird dann auch wieder!

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Redaktion ma-gazin

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