Kolumne

Fianas Kolumne: FFTS? – WTF! (Teil 2)

Bei Schwangerschaftsbeschwerden denkt man in erster Linie an die üblichen Verdächtigen. Hat man die Übelkeitsphase überstanden, dauert es nicht lange, bis das Sodbrennen bei vielen einsetzt. Dass leider auch einige werdende Mütter aus verschiedensten Gründen sogar das Bett hüten oder gar mit Komplikationen ins Krankenhaus müssen, hatte ich zugegeben nicht auf dem Zettel. Und so saß ich nun wie betäubt im Wartebereich des Pränatalzentrums und versuchte, positiv zu denken und nicht völlig hysterisch und heulend zusammenzubrechen.

Ein paar Tränen kullerten dann aber doch, als ich wieder an der frischen Luft war und Ole erzählte, dass ich mich auf den Weg ins UKE machen muss. Zum Glück war ich an dem Tag mit meiner Mutter unterwegs, die mich natürlich begleitete. Und da man in Krankenhäusern ja bekanntlich kaum mit Wartezeiten rechnen muss – NICHT! – war ich für diese Ablenkung auch sehr dankbar. Und während wir Stunde um Stunde warteten, sprang doch tatsächlich das Kopfkino wieder an: FFTS? – WTF! Also Smartphone raus und ab ins Netz. Nicht immer eine gute Idee, denn einen Gefallen tut man sich in solchen Momenten damit meist nicht.

Doch was passiert bei diesem fetofetalen Transfusionssyndrom denn nun? Bei ca. 15% der einiigen Zwillingsschwangerschaften, bei denen sich die Kleinen eine Plazenta teilen, jedoch eigene Fruchtblasen bewohnen, entsteht dieses Syndrom. Da die Winzlinge eine gemeinsame Plazenta haben, gibt es auch verbindende Blutgefäße. Fließt dann zu viel Blut von einem Zwilling zum anderen, wird das eine Baby über- und das andere unterversorgt. Gefährlich ist diese Situation natürlich für beide, denn das Herz-Kreislauf System des überversorgten Babys wird stark belastet, während das unterversorgte Baby nicht genügend Blut erhält und auf Sparflamme läuft. Das eine produziert dann viel Fruchtwasser und das andere versucht, jegliche Flüssigkeit bei sich zu behalten. Und so schwamm meine „Große“ in einem Pool voll Fruchtwasser, während die „Kleine“ mehr oder weniger ausgetrocknet an die Gebärmutterwand gepresst wurde. Rosige Aussichten! Und da einiige Zwillinge ja so unfassbar häufig vorkommen, könnt ihr euch ja ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mit so einem Krankheitsbild ins Krankenhaus zu müssen.

Mit diesem Bild im Kopf wartete ich also auf meine Spritze. Nach gefühlten 10 Stunden war dann alles geklärt und ich durfte nach Hause. Da habe ich dann brav meine Tasche gepackt, denn am nächsten Tag sollte ich von einem Spezialisten untersucht und dann stationär aufgenommen werden. Natürlich habe ich die Hälfte vergessen – wer braucht schon eine Zahnbürste im Krankenhaus!? Am nächsten Morgen also wieder ab ins UKE und warten, Kaffee trinken und weiter warten. Ständig auf das Telefon starren, da die Station anrufen wollte, sobald ich an der Reihe war, und noch länger warten. Und dabei immer Horrorszenarien im Kopf, dass meine Twins in der Zwischenzeit schon … Aber lassen wir das! Wir wollten ja positiv denken!

Endlich, nach stundenlanger Warterei, war es dann so weit und mein mittlerweile riesiger Wasserbauch wurde von einem weiteren großartigem Arzt unter die Lupe genommen. Dieser bestätigte die Diagnose, sagte mir aber auch, dass die Werte der Kleinen noch sehr gut seien und dass man dieses Problem mit einem Laser-Eingriff therapieren könne, sollte ich dem zustimmen. Natürlich stimmte ich zu, denn eine Alternative gibt es nicht. Und so klärte er mich über den Eingriff auf. Bei der Lasertherapie wird versucht, die verbindenden Blutgefäße, durch die der Blutaustausch stattfindet, zu unterbrechen. So beseitigt man die Ursache der Belastung für beide Zwillinge und sie können sich wieder normal weiterentwickeln. Auch die Risiken wurden natürlich erläutert, die allerdings wieder neuen Stoff für mein Kopfkino darboten.

In meinem Zimmer angelangt, lernte ich Regina kennen. Mein Alter, ebenfalls Zwillinge mit FFTS im Bauch (allerdings Jungs) und extra aus Osnabrück angereist. Positiv denken war nicht so ihr Ding, was mich dazu bewegte, ihr Mut zu machen und mir somit auch. Schließlich ging es unseren Kleinen den Umständen entsprechend gut. Und so harrten wir zwei Tage und Nächte aus, bis der Eingriff endlich vorgenommen wurde.

Total nervös wurde ich also abgeholt und musste ständig daran denken, dass ich diesen Eingriff tatsächlich im wachen Zustand miterleben muss. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn erstens war es nicht so schlimm, wie ich mir ausgemalt hatte und zweitens konnte ich eins meiner Mädels live auf dem Bildschirm sehen! Da kann selbst der 3D-Ultraschall einpacken. Der Rest ging ganz fix. Sobald alles steril war und mit Tüchern abgeklebt, gab’s die Betäubungsspritzen, dann einen Minischnitt (ca. 3mm) gefolgt von kurzem Druck und schon war das Endoskop samt Kamera in meinem Bauch. Zur Orientierung gab es dann eine kleine Rundfahrt inklusive Babyshow – abgefahren! Dann wurde der Laser eingeführt und nach insgesamt einer halben Stunde waren alle verbindenden Gefäße getrennt und die Werte der Twins weiterhin gut. Zur Entlastung wurden dann noch knapp 4 Liter Fruchtwasser abgelassen und ich wurde wieder auf mein Zimmer gebracht.

Bei Regina lief ebenfalls alles reibungslos und so verliefen auch die folgenden Tage und Untersuchungen ohne größere Aufregung. Nachdem uns also versichert wurde, dass die Werte gut seien und sich alles zu normalisieren scheint, ging es wieder nach Hause. Allerdings war vorerst Schonzeit angesagt – also nix mit Kühlschränke durch die Gegend schieben!

Seit dem Eingriff gehe ich alle 7-10 Tage ins Pränatalzentrum und lasse meine Twins durchchecken. Die beiden haben anscheinend alles super weggesteckt und entwickeln sich prächtig! Ich bin mittlerweile (wieder) kugelrund und einfach nur glücklich, dass alles gut gegangen ist. Man könnte fast sagen, ich STRAHLE!

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Redaktion ma-gazin

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