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Einfach zu schlau für die Schule: Hochbegabte Kinder

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

„Hochbegabte sind keinesfalls immer und automatisch gleichzusetzen mit schulischen Hochleistern (auch wenn dies in manchen Fällen so ist!). Dies ist ein weitverbreiteter Irrtum!”, erklärt Gregor Kowalski, Ansprechpartner für Jugendliche im Raum Köln-Bonn bei Mensa e.V und Gründer des Lerninstituts SMS. Hochbegabte Kinder sind nicht so selten, wie man glaubt.


Ungefähr 2% der Menschen sind hochbegabt. Allerdings werden sie häufig nicht erkannt. Nicht nur Langeweile und verpasste Chancen drohen für die Kleinen, sondern auch ernsthafte psychische Probleme. Der Klischee-Intelligenzbolzen ist ein wirres Genie – ein Albert Einstein eben. Tatsächlich ist es aber so, dass viele überdurchschnittlich begabte oder hochbegabte Kinder gar nicht oder nur negativ auffallen, stören, aggressiv werden und sich der Schule verweigern. Gebraucht wird ein IQ-Test und, je nach Ergebnis, besondere Förderung.

Was ist Hochbegabung?

Hochbegabung ist nicht die Leistung selbst, die ein Kind erbringt. Nur weil ein Kind gute Noten hat, ist es also noch nicht hochbegabt. Es geht viel mehr um das Potenzial eines Kindes (oder Erwachsenen, natürlich). Die überdurchschnittlich hohe Intelligenz bringt – mit geeigneter Förderung – in der Regel die Fähigkeit mit sich, schnell zu lernen und zu verstehen. Dieses Potenzial wird mit dem Intelligenzquotienten (IQ) gemessen. Eine Person mit einem IQ zwischen 115 und 130 gilt als überdurchschnittlich intelligent, ab 130 IQ-Punkten spricht man von hochbegabt.

Wie erkennt man Hochbegabung? 

Es gibt keine allgemein gültige Art, ein hochbegabtes Kind zu erkennen. Häufig wird Hochbegabung beispielsweise mit einer unersättlichen Liebe zu Büchern in Verbindung gebracht. „Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen intellektueller Hochbegabung und Leselust kann meiner Erfahrung nach nicht allgemein behauptet werden. Sogenannte hochbegabte Menschen sind da vermutlich genauso vielfältig, wie alle anderen menschlichen Gruppierungen”, so Kowalski. Das macht es natürlich schwer, ein hochbegabtes Kind zu erkennen. Häufig fallen die Kinder jedoch durch unstillbaren Wissensdurst auf oder sind für ihr Alter einfach weiter entwickelt, als die anderen. Einige hochbegabte Kinder neigen jedoch auch dazu, aggressiv zu werden oder den Klassenclown zu spielen. Generell ist es aber so, dass nur weil ein Kind sich anders verhält als seine Altersgenossen, es nicht gleich hochbegabt sein muss. Als Werkzeug für die Feststellung einer Hochbegabung gilt ein professioneller IQ-Test, der bei Psychologen, einigen Kinderkliniken und anderen Anlaufstellen gemacht werden kann.

Hilfe für die Klugen

Wird ein außergewöhnlich hoher IQ bei einem Kind festgestellt, bleibt die Frage, wie es nun weitergehen soll. Natürlich ist jeder Fall individuell. Deswegen werden in der Regel die Eltern, die Schule, möglicherweise ein Psychologe und das Kind selbst eingebunden, um eine passende Förderung für das Kind zu finden. „Es gibt grundsätzlich in der Hochbegabtenförderung die zwei Ansätze: Die Akzeleration (z.B Klassen überspringen) und das Enrichments (Vertiefende Aufgaben für Begabte innerhalb des Klassenverbands)”, so Kowalski. Gerade das Überspringen einer Klasse kann zwar das Problem der Unterforderung lösen, „es hat unbestreitbar aber auch Nachteile im sozialen Bereich. Denn z.B. in der Pubertät auch noch eine/r der Jüngsten in der Klasse zu sein und zudem eventuell Interessen zu haben, die nicht mehrheitsfähig sind, das kann zu erheblichen sozialen Schwierigkeiten führen”, erklärt Kowalski. Wohlgemerkt: Es kann zu Problemen führen – muss aber nicht! Eine weitere Alternative kann es sein, sich bei Schulen für Hochbegabte umzusehen. Dort ist das Unterrichtsniveau höher als in den normalen Schulen. Allerdings sind diese Schulen häufig Internate und die meisten Eltern demensprechend nicht sonderlich angetan von der Idee, ihre Kinder in sehr jungem Alter „abzugeben“. Es kann auch schon helfen, die Kinder zu Hause mehr zu fordern. So sollte die Ausübung der  Interessen, die das Kind entwickelt, ermöglicht werden. Viele Bücher und Besuche im Museum können den intellektuellen Knirpsen helfen, ihre Kapazitäten auszunutzen. Das gilt natürlich für alle Kinder, aber für die hochbegabten besonders.

Super schlau und super gelangweilt

Wenn Hochbegabte unentdeckt bleiben, kann die ständige Unterforderung negative Auswirkungen haben. Haben Hochbegabte nicht die Möglichkeit, sich selbst zu entfalten, „läuft man Gefahr, dass dasselbe passiert wie mit allen Menschen: Sie meinen oft, Lernen sei etwas Unangenehmes, sie verbinden Lernen ausschließlich mit schulischem Lernen, das zumeist auf Verwertbarkeit in Prüfungen reduziert und deformiert wird und haben oft ein Grundaversion gegen Herausforderungen etwas Neues zu erfahren, obwohl (oder gerade weil!) Lernen ursprünglich ein menschliches Grundbedürfnis ist!”, so Gregor Kowalski. Teilweise kann die „chronische Langeweile” sogar noch schlimmere Folgen haben: das Gefühl des Andersseins kann zum Außenseitertum führen, manchmal mündet die Unterforderung in störendem Verhalten oder etwa Depressionen.

Das heißt nicht, dass ein IQ-Test jetzt der Garant für das Seelenheil der Kinder ist. Aber: Wer die Signale ungefähr deuten kann, schafft es möglicherweise besser, ein hochbegabtes Kind zu erkennen und ihm dabei zu helfen, seine Talente voll zu entwickeln.

Weitere Infos zum Thema findet ihr hier:

Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.

Mensa e.V.

Institut für das begabte Kind

Lerninstitut SMS

Titelbild: ©Serhiy Kobyakov – Fotolia.com

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