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Durch dick und dünn: Streit unter Freunden

Streit unter Freunden
Saskia
Geschrieben von Saskia

Total normal und wichtig!

Wenn eure Kids die ersten engen Freunde haben, seid ihr plötzlich nicht mehr die einzigen Bezugspersonen eures Nachwuchses. Während es als Kindergartenkind oft schon genügte, dass das Nachbarskind einfach immer zur gleichen Zeit mit im Hinterhof gespielt hat, bilden sich mit Beginn der Schulzeit innigere Freundschaften, in denen sich Kinder bereits vieles anvertrauen. Gleichermaßen steigen auch die Erwartungen an eine Freundschaft, da jeder seine individuellen Bedürfnisse und Vorstellungen hat. Klar ist somit auch der erste Streit unter Freunden vorprogrammiert. 


Das kann für eure Sprösslinge erstmal sehr befremdlich sein. Womit ihr ihnen dann helfen könnt? Sofern sie sich euch anvertrauen, solltet ihr ihre Gefühle ernst nehmen, aber den Konflikt nicht unnötig aufbauschen und auch nicht Partei ergreifen. Denn neben einem harmonischen Miteinander sind auch Streitereien wichtig für eine gut funktionierende Freundschaft, für die Entwicklung der Sozialkompetenz sowie der Konfliktfähigkeit.

Erster Streit unter Freunden

Wieso streiten Kinder überhaupt?

Als Schulkind wird es bei einem Streit wahrscheinlich nicht mehr “nur” um ein Spielzeugs gehen. Übrigens ist es sehr wichtig, wenn ihr diese aus eurer Sicht belanglose Streiterei ebenso ernst nehmt. Im Schulkindalter können aber bereits tiefgreifendere Konflikte auftreten.

Dazu zählen beispielsweise folgende Dinge:

  • Loyalitätsprobleme (lästern)
  • äußeres Erscheinungsbild
  • Entwicklung der Persönlichkeit
  • Schulnoten/Intellekt
  • “Konkurrenz” durch neue Freunde
  • neue Interessen
  • sozialer Status/ unterschiedliche Familienverhältnisse

Vom Kindergarten zum Schulkind machen eure Sprösslinge die nächste große Veränderung durch. Je nachdem, wie stark ihre geistige Entwicklung dann schon fortgeschritten ist, spielen immer mehr Faktoren innerhalb einer Freundschaften eine Rolle. Und das ist gar nicht so einfach, denn gerade in der Grundschulzeit testen Kinder erstmal ganz viel aus, um dann festzustellen, dass ihnen etwas oder jemand plötzlich gar keinen Spaß mehr bereitet. Es werden neue Freundschaften geknüpft, die eine alte Freundschaft auf die Probe stellen können, soziale Unterschiede spielen nun eine größere Rolle als im Kindergartenalter, Noten-Neid und auch die unterschiedliche körperliche Entwicklung können plötzlich zu einem Problem zwischen ehemals besten Freunden werden.

Deshalb ist Streit unter Freunden wichtig!

Natürlich sorgt der erste Streit unter Freunden für Aufregung, Wut und Enttäuschung. Diese Gefühle zuzulassen, ist sehr wichtig. Im zweiten Schritt könnt ihr eure Kinder darin bestärken, zu hinterfragen und zu reflektieren, wieso es zu dem Konflikt gekommen ist und wie alle Beteiligten ihn lösen könnten. Macht ihnen deutlich, dass eine Freundschaft dadurch sogar gestärkt werden kann. Zum einen lernen eure Kids dabei, für ihre Interessen einzustehen und diese zu verteidigen. Zum anderen lernen sie natürlich auch, dass nicht immer nur ihre Meinung zählt. Schließlich geht es trotz beispielsweiser ähnlicher Interessen um individuelle Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Ansichten und Bedürfnissen. Die Kunst, aber auch das Wertvolle an einer Freundschaft ist, den anderen so zu akzeptieren wie er ist und Kompromisse einzugehen, aus eigenen und den Fehlern anderer zu lernen, fair zu sein und sich entschuldigen und vergeben zu können.

Nicht gleich aufgeben!

Geht es um harmlose Streitereien, unterstützt euren Nachwuchs darin, wegen eines Streits nicht gleich die gesamte Freundschaft in Frage zu stellen, sondern motiviert ihn, den Konflikt zu lösen. Manchmal kann es helfen, dass ihr an positive Erlebnisse der Streithühnchen erinnert. Oder ihr vergleicht diesen Streit mit einem anderen, der ähnlich verlaufen ist und den sie gemeinsam überwunden haben. Falls es eure Kids wünschen, könnt ihr auch als unparteiische Person versuchen zu vermitteln und die Beteiligten für ein Schlichtungsgespräch zusammenzuführen.

Faires Streitgespräch

Damit ein Streitgespräch überhaupt erst konstruktiv ist, sollte es natürlich fair ablaufen. Zudem sollte es im realen Leben und nicht digital stattfinden. Körperliche Gewalt, Beleidigungen und die Freunde anzuschreien sind absolute No-Gos. Zudem sollten alle Beteiligten die Chance bekommen, die eigene Situation und Gefühlslage zu erläutern. Das bedeutet wiederum, dass sie auch ihrem Gegenüber aufmerksam zuhören beziehungsweise ihn ausreden lassen sollten. Ein Streit lässt sich übrigens auch schlichten, wenn beide “Seiten” weiterhin auf ihren eigenen Standpunkt beharren. Die andere Sichtweise dennoch hinzunehmen und immerhin zu versuchen, diese nachvollziehen zu können (mit Ausnahme von Gewalttaten und Mobbing), beweist Stärke und Empathie.

Konsequenzen ziehen

Eine Freundschaft sollte dann in Frage gestellt werden, wenn sie unentwegt von Streit, Gewalt und Mobbing oder Ähnlichem geprägt ist. Verhält sich ein bislang guter Freund nur noch unfair, macht ein Kind zum Mobbing-Opfer oder nutzt die Gutmütigkeit seines Freundes laufend aus, wird diese Beziehung zu einer großen Belastung. Eine Freundschaft zu beenden ist ein großer Schritt und fällt manchmal leichter, wenn sich eure Sprösslinge zum Beispiel Schritt für Schritt neue Freunde suchen und die streitgeprägte Freundschaft erst mal nicht mehr priorisieren. Bestärkt sie darin, sich häufiger mit anderen Kindern zu verabreden oder ein neues Hobby zu beginnen. Nach einer Pause sehen alle Beteiligten klarer und können dann entscheiden, ob die Freundschaft vielleicht doch noch eine zweite Chance verdient.

Hier erfahrt ihr noch mehr zum Thema Kinderfreundschaften und hier findet ihr wichtige Tipps gegen Mobbing.

Titelbild: © Irina Schmidt

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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