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Die größten Kinderängste: Wie Eltern helfen können

Kinderängste
Saskia
Geschrieben von Saskia

Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?

Jeden Tag begegnen wir Situationen, die uns Angst machen. Euren Kindern geht es da genauso. Und Angst ist nicht unbedingt schlecht, denn sie signalisiert uns, dass wir uns vor etwas oder jemandem schützen oder vorsichtig sein sollten, damit uns nichts passiert. Doch manchmal sind Ängste auch unbegründet oder übertrieben. Lest hier, welche Kinderängste häufig auftreten, woher diese kommen, wie ihr eure Kinder unterstützen und wie ihr Angststörungen vorbeugen könnt.


Wenn von Kindern große Veränderungen abverlangt werden, gehen diese häufig mit Ängsten einher. Beispielsweise dann, wenn sie einen großen Entwicklungsschritt machen: Dazu zählt zum Beispiel Fremdeln (auch Achtmonatsangst genannt), bei den Großeltern zu übernachten, die ersten Tage oder Wochen in der Kita, Schule oder die Pubertät. Meist lassen sich diese Ängste relativ leicht auflösen, indem die positiven Erfahrungen in der jeweiligen Situation überwiegen und das Umfeld Verständnis und Geduld zeigt.

Zwei Beispiele:

Ist euer Kind rund acht Monate alt und weint plötzlich, wenn es von fremden Personen auf den Arm genommen wird, kann es sich dabei um die sogenannte Achtmonatsangst handeln. Ihr könnt die Fremdelphase abmildern, indem ihr euer Kind bereits frühzeitig immer mal wieder von „fremden“, aber verlässlichen Personen betreuen lasst. Allerdings sollte es sich dabei immer um dieselben Personen handeln, wie etwa die Großeltern oder die Tagesmutter.

Leidet euer Kind in der Kita unter Trennungsangst, lest noch mal unseren Beitrag zur Eingewöhnung in den Kindergarten. Generell ist es bei Verlust- beziehungsweise Trennungsangst hilfreich, mit älteren Kindern eine Abmachung zu treffen, auf die sie sich verlassen können und wissen: Um diese Uhrzeit holen mich meine Eltern wieder ab.

Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?

Es gibt allerdings auch tiefgreifendere Ängste. Diese können nach dem Verlust einer nahestehenden Person, durch Gewalt (dazu zählt auch verbale Gewalt bei Kindern), sexuellen Missbrauch, Mobbing, Armut/finanzielle Probleme, Liebesentzug oder auch durch die Trennung der Eltern entstehen. In diesen Fällen ist das Risiko, eine Angststörung und/oder Depression zu entwickeln, sehr hoch. Stellt ihr negative Veränderungen bei eurem Kind fest, solltet ihr ärztliche und/oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Symptome, die auf eine Angststörung hindeuten können:

  • übertriebene Sorgen/Ängste in Alltagssituationen
  • Unruhe und Anspannung
  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Herzrasen, Schwitzen, Zittern
  • Ein- und Durchschlafschwierigkeiten
  • Einnässen/Bettnässen
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen u. Ä.
  • Stottern

So könnt ihr euren Nachwuchs bei Kinderängsten zur Seite stehen

Ihr könnt euren Kindern nicht die Ängste nehmen und sollt es auch gar nicht. Stattdessen ist es wichtiger, sie darin zu unterstützen, ihre Ängste eigenständig zu verarbeiten und aufzulösen. Das stärkt das Selbstvertrauen eurer Kinder und ihr könnt so gemeinsam möglichen Angststörungen vorbeugen.

1. Vertrauen aufbauen und Ängste ernst nehmen

Wichtig ist, dass ihr Vertrauen zu euren Kindern aufbaut, dass ihr offen über Ängste und Sorgen sprechen könnt und dass ihr eure Kinder ernst nehmt. Auch dann, wenn ihre Sorgen unbegründet oder irrational scheinen. Zwar sollt ihr diese dann nicht schüren, aber indem ihr ihnen zuhört und ihre Ängste ernst nehmt, fühlen sich eure Kinder verstanden und ihr habt dann die Möglichkeit, diese gemeinsam aufzulösen. Geht ihr auf die Ängste nicht ein oder macht euch darüber lustig, riskiert ihr, dass sich eure Kinder euch nicht mehr anvertrauen und dass aus diesen bislang harmlosen Ängsten Angststörungen und/oder eine Depression wird.

2. Vorbild sein und über eigene Kindheit sprechen

Hat euer Kind beispielsweise Angst im Dunkeln und Angst vor Monstern? Dann hört ihm zu und erzählt ihm zum Beispiel, dass ihr als Kind selbst davor Angst hattet und schildert dann, wie ihr sie besiegt habt. Ihr habt keine eigene Geschichte parat?

Unser Tipp: Wenn sich euer Kind nicht allein ins Bett traut, einigt euch darauf, dass ihr beim ersten Mal vorangeht, schaltet das Licht ein, schaut gemeinsam unter das Bett und in die Schränke und vergewissert euch, dass das Zimmer monsterfreie Zone ist. Macht das Licht aus, setzt euch zu eurem Kind und schaut euch gemeinsam die Schattenspiele an und erklärt, woher diese kommen. Denn diese sorgen oft für die wildesten Gedanken. Achtet darauf, dass ihr die Türe nicht ganz schließt oder lasst ein Nachtlicht brennen, bis euer Kind eingeschlafen ist. Sagt ihm auch, dass ihr immer in der Nähe seid. Sofern notwendig, wartet ab, bis euer Kind eingeschlafen ist. Beim nächsten Mal lasst ihr dann euer Kind vorangehen, damit es als erstes ins Zimmer geht, das Licht einschaltet und nach Monstern schaut.

3. Kein Druck und keine Bestrafungen

Jedes Kind benötigt unterschiedlich viel Zeit, seine Ängste zu besiegen. Habt also Geduld, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt und zieht keine Vergleiche zu euch, Geschwistern oder anderen Kindern. Druck würde die Ängste nur verstärken. Ebenfalls tabu sind Bestrafungen! Habt ihr beispielsweise abgemacht, dass euer Kind beim zweiten Mal allein das Kinderzimmer nach Monstern absucht und es traut sich noch nicht, zeigt Verständnis, übt euch in Geduld und macht es noch mal gemeinsam, anstatt es dann zur Bestrafung allein ins Zimmer zu schicken oder auszuschimpfen.

4. Ängste gemeinsam verarbeiten

Mit Kindern über Ängste zu reden, ist sehr wichtig. Doch manchmal genügt es nicht, damit eure Kinder sie auch wirklich verarbeiten. Dann könnt ihr zum Beispiel Geschichten vorlesen, in denen es darum geht, Ängste zu bewältigen, ihr könnt euch gemeinsam eine eigene Geschichte ausdenken, Bilder malen, ein Monster kneten und dieses anschließend zerdrücken oder Rollenspiele spielen, in denen bestimmte Kinderängste besiegt werden.

Das sind die zehn größten Kinderängste

Nun seid ihr Experten, wenn es darum geht, eure Kinder darin zu unterstützen, ihre Ängste aufzulösen, aber was sind überhaupt die häufigsten Kinderängste?

  • Angst vor Dunkelheit/Monstern/Einbrechern
  • Trennungsangst
  • Angst vor Liebesverlust
  • Angst vor Tieren (vor allem Insekten)
  • Angst vor Wasser
  • Angst vor Fehlern
  • Angst vor Krankheit und Tod (so könnt ihr Kindern den Tod erklären)
  • Angst vor Eigenständigkeit
  • Angst vor Arztbesuchen (erster Zahnarztbesuch)
  • Wiedereingewöhnung in Kita oder Schule in Corona-Zeiten

Lest auch noch mal unseren Beitrag “Trauern in Corona-Zeiten: Virtuelle Unterstützung für Kinder und Jugendliche“!

Titelbild: © Halfpoint

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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