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Deshalb sollte auf Frühchenstationen Musik gespielt werden

Frühchen
Saskia
Geschrieben von Saskia

Hirn-Entwicklung im Fokus

Rund neun Prozent der Babys in Deutschland werden zu früh geboren. Zwar haben Frühchen immer bessere Überlebenschancen, allerdings haben sie häufig Probleme bei ihrer motorischen und geistigen Entwicklung und sind anfälliger für Krankheiten. Ein Forscherteam der Uni Genf hat nun untersucht, ob die Entwicklungsstörungen ausschließlich auf die Unreife des Gehirns zurückzuführen sind oder ob es auch noch einen weiteren Grund dafür gibt. Und dieser hat nicht nur etwas mit der zu frühen Geburt an sich, sondern mit der intensiven Betreuung auf Frühchenstationen zu tun.


Kommt ein Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt, spricht man von einer Frühgeburt. Je früher die Geburt stattfindet, umso geringer sind die Überlebenschancen eines Kindes und desto größer und langwieriger sind auch die medizinischen Interventionen auf Frühchenstationen und in Perinatal-Zentren. Diese sind notwendig, da Frühchen meist noch nicht selbstständig atmen und Nahrung zu sich nehmen können. Zudem ist meist auch die Gehirnreifung noch nicht vollständig abgeschlossen. Beatmungsgeräte und Co. sind unerlässlich für die medizinische Versorgung – allerdings gehen mit ihnen auch negative Aspekte einher. Denn die Geräte sorgen für eine laute und unruhige Atmosphäre, die Babys stressen können.

„Die Unreife des Gehirns in Kombination mit störenden sensorischen Reizen könnte erklären, warum sich die neuronalen Netzwerke vieler Frühgeborener nicht normal entwickeln“, so Petra Hüppi des Universitätsklinikum Genf.

 

Struktur und Beruhigung durch Musik

In der Schweizer Studie um Erstautorin Lara Lordier wurde untersucht, wie sich mithilfe von musikalischen Klängen störende sensorische Reize mindern lassen. Der Alltag der Babys sollte angenehmer und strukturierter gestaltet werden. Ein Komponist entwarf drei unterschiedliche Melodien zum Aufwachen, Einschlafen und für die Wachphase mit Instrumenten, die auf Babys nachweislich beruhigend wirken. Dazu zählen Flöte, Harfe und Glocke.

Für die Studie wurde ein Teil der Probanden fünfmal pro Woche für jeweils acht Minuten mit Hintergrundmusik über Kopfhörer beschallt. Der andere Teil bekam ebenfalls Kopfhörer aufgesetzt – allerdings hörte dieser statt der Musik weiterhin die Geräusche der Frühchenstation. Bei der Entlassung wurde bei einer abschließenden funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht, ob sich die Musik positiv auf die neuronale Entwicklung der Kinder ausgewirkt hat. Die Ergebnisse wurden zudem mit Daten von Kindern verglichen, die zum errechneten Geburtstermin – und somit reif – auf die Welt kamen.

Musik fördert Hirn-Entwicklung

Heraus kam, dass speziell das so genannte Salienz-Netzwerk – das ist die Hirnregion, die für Lernprozesse oder die Entwicklung sozialer Fähigkeiten von Bedeutung ist – sowie weitere wichtige Regionen bei den Frühchen, die mit Musik beschallt wurden, besser ausgeprägt waren als bei der Gruppe, die keine Musik zu hören bekam. Zudem kamen die Ergebnisse der Musik-Frühchen denen der reifen Neugeborenen bereits sehr nahe.

Um herauszufinden, ob dieser positive Effekt bestehen bleibt, will das Forscherteam die Kinder mit Eintritt ins Schulalter erneut untersuchen. Zudem will es weitere Reize, die auf Kinder angenehm und beruhigend wirken, bei Frühchen testen. So könnte sich beispielsweise elterlicher Gesang ebenfalls positiv auf die Entwicklung von Frühgeborenen auswirken.

Quellen: Proceedings of the National Academy of Sciences & scinexx

Titelbild: © Tobilander

Über den Autor

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Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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