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Das Schwinden der Hebammen

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Hebammen sind für viele werdende Mütter nicht nur eine Begleitung während der Geburt, sie kümmern sich auch während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Geburt um Mama und Baby. Doch leider treiben die schlechte Bezahlung und die extrem gestiegene Haftpflichtversicherung immer mehr Hebammen aus ihrem Beruf.

„Geburtsstation Werneck: Bis zu 30.000 Kinder aus der ganzen Region sind in 70 Jahren am Marktkrankenhaus zur Welt gekommen. Am kommenden Montag ist zum Bedauern Vieler Schluss.“
Immer mehr solcher Beiträge über schließende Entbindungsstationen werden seit Monaten in den regionalen Zeitungen veröffentlicht und es scheint fast niemanden – zumindest in der Politik – zu kümmern.

Diese Gleichgültigkeit gegenüber einem der wichtigsten Beruf überhaupt stößt innerhalb unserer Redaktion auf Unverständnis. Hebammen sind nicht nur Geburtsbegleiter, sondern Ansprechpartner, Ernährungsberater, Vertrauensperson und Therapeut sie leisten so viel mehr als für eine entspannte Geburt zu sorgen. Doch leider wird dieses „Gesamtpaket“ von den meisten nicht wahrgenommen, sondern nur von den Müttern, für die Hebammen da sind. Und jetzt steht dieser Beruf, ohne den die Entbindung in Deutschland untergehen würde, kurz vor dem Aus, so wie es scheint.

 

Zu hohe Versicherung, zu niedrige Löhne

Seit Jahren steigen die jährlichen Haftpflicht-Prämien freiberuflicher Hebammen und immer weniger von ihnen können sich diese enormen Preise leisten. Mal ein Vergleich: Vor genau 10 Jahren betrug der Jahresbeitrag 1.352 Euro, heute sind es mittlerweile unfassbare 5.090 Euro und dieser soll nun zum Juli nächsten Jahres noch einmal angehoben werden, auf 6.000 Euro – für eine Haftpflichtversicherung.
Grund für die immer wieder angehobenen Beiträge ist die lange Verjährungsfrist von Schadensfällen, diese endet bei Hebammen nämlich erst nach 30 Jahren. Falls eine Hebamme also einen Fehler macht, kann es sein, dass sie sich in 30 Jahren dafür noch verantworten und zahlen muss. Und obwohl die Schadenszahlen seit Jahren abnehmen, lassen sich die Versicherungen immer höhere Prämien bezahlen.

Um diese enormen Beitragssummen zahlen zu können, müssen viele freiberufliche Hebammen aber auch Beleghebammen oft bis 70 Stunden in der Woche arbeiten, da ihr Gehalt den neuen Bedingungen nicht angepasst wurde: eine freiberufliche Hebamme bekommt im Durschnitt knapp 8,50€. Was wirklich wenig ist, wenn man sich mal vor Augen hält, dass eine Hebamme die Verantwortung für mindestens zwei Leben trägt.

Viele Hebammen entscheiden sich für eine Selbstständigkeit, weil sie so den Müttern und ihren (ungeborenen) Babys auch vor und nach der Geburt besser zur Seite stehen und sich um sie kümmern können, doch wird ihnen diese Entscheidung besonders in letzter Zeit eher zum Verhängnis. Viele können die Kosten für die Haftpflichtversicherung nicht mehr stemmen und müssen sich aus der Geburtshilfe zurückziehen, spezialisieren sich dann aber auf die Vor- und Nachbetreuung von Mama und Kind.
Aber auch weil immer mehr Entbindungsstationen schließen müssen – eben auch wegen der hohen Versicherungen aber auch aufgrund von Kostendruck an anderen Stellen – reduziert sich die Zahl der Geburtshelferinnen stetig. Besonders in ländlichen Gegenden gibt es kaum noch Hebammen zu finden, die außerhalb eines Krankenhauses arbeiten.

 

Eine dunkle Zukunft

Blickt man in die Zukunft, lässt sich auch hier nur Negatives vermuten, weil die Nürnberger Versicherung angekündigt hat, sich zum Juli 2015 aus den letzten zwei bestehenden Versicherungskonsortien zurück zu ziehen, die bis heute noch Hebammen versichern. Was für Auswirkungen dies auf die Versorgung mit Geburtshilfe hat, möchten wir uns gar nicht vorstellen. Wenn es dazu kommt, dass sich freiberufliche Hebammen nicht mehr Versichern können – was dementsprechend ein Berufsverbot zur Folge hat – stehen Deutschlands Mütter ohne freie Wahl da. Hebammen ohne Haftpflichtversicherung dürfen „weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder als 1:1-Beleghebamme in der Klinik betreuen, noch Schwangeren- und Wochenbettbetreuungen annehmen“ (Ruth Pinno, Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.).
Schwangeren wird dadurch sowohl das Recht genommen, sich für eine Hebamme entscheiden, als auch den Geburtsort selbst frei wählen zu können.

Dieses Schwinden der Hebammen in ganz Deutschland zeigt ein trauriges Ausmaß an Ignoranz  unserer Gesellschaft gegenüber den wichtigen Dingen im Leben – nämlich einer Rundumversorgung in Sachen Geburt. Politikern und Wirtschaftsriesen muss endlich bewusst werden, dass es um mehr geht als nur eine mögliche Schadensabdeckung oder eine Geldfokussierung. Es geht um das Wunder des Lebens und um die Verantwortung Mütter und Babys entspannt, versorgt und gesund in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten.

Wenn ihr etwas gegen diese Misere unternehmen wollt, könnt ihr euch hier weiter informieren, einen Brief an euren Abgeordneten schicken oder euch selbst aktiv in die Hebammenunterstützung mit einbringen.

 

 

Titelbild: © Monkey Business – Fotolia.com

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