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Cybermobbing: Jedes zehnte Grundschulkind wird online gemobbt

Cybermobbing
Helena
Geschrieben von Helena

Prävention beginnt im Grundschulalter!

In der Coronazeit verbringen viele Kinder und Jugendliche noch häufiger als sonst ihre Zeit im Internet – speziell in sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und TikTok. Traurig, aber wahr: Soziale Netzwerke werden immer häufiger dazu missbraucht, (meist anonymes) Cybermobbing/Cyberbullying zu betreiben. Eltern und Schulen sind mit dieser Situation häufig überfordert.


Laut der „Cyberlife III-Studie“ des Bündnisses gegen Cybermobbing sind 17,3 Prozent der Schüler*innen in Deutschland von Cybermobbing betroffen. 2017 waren es noch 12,7 Prozent, was einem Anstieg um 36 Prozent entspricht. Insgesamt haben somit fast zwei Millionen Schüler*innen Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Im Vergleich zu 2017 verfügen immer mehr Kinder und Jugendliche über internetfähige Endgeräte, zudem wächst dabei speziell die Zahl jüngerer Kinder. So sind bereits 40 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen regelmäßig in den sozialen Netzwerken aktiv. Je älter die Kinder und Jugendlichen, desto mehr sind sie von Hass und Ausgrenzung im Netz betroffen. In der Grundschule hat bereits jedes zehnte Kind Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Bei Schüler*innen über 18 Jahren sind bereits 56 Prozent betroffenen. Über WhatsApp (88 Prozent) und Facebook (78 Prozent) findet Cybermobbing am häufigsten statt. Zudem ist Cybermobbing aufgrund der Anonymität wesentlich einfacher zu betreiben als persönliches Mobbing. 13 Prozent der befragten Schüler*innen gaben an, dass sie bereits selbst Cybermobbing betrieben haben.

Warum werden Kinder gemobbt?

Ob Kinder persönlich oder über das Netz gemobbt werden, die Gründe sind die gleichen. Die häufigsten Gründe:

Introvertierte Kinder, Schüchternheit/Unsicherheit, Einzelgänger*innen, “uncooles” Verhalten/Aussehen (Frisur, Kleidung etc.), Erkrankungen oder Äußerlichkeiten, die als nicht normal gelten. Allerdings können auch sehr selbstbewusste, erfolgreiche und beliebte Kinder gemobbt werden. Gründe dafür sind meist Neid, Eifersucht und Missgunst. Kinder und Jugendliche, die mit ihrer sozialen Situation unzufrieden sind, werden ebenfalls schnell zur Zielscheibe und sind laut Studie um 20 Prozent häufiger von Cybermobbing betroffen. Dies betrifft vor allem Teenager, die sich gerade in der Pubertät befinden.

Corona, Homeschooling und Kontaktbeschränkungen und die damit einhergehende Verlagerung des Soziallebens ins Netz verstärken das Cybermobbing laut der Cyberlife III-Studie.

Cybermobbingopfer leiden zum Teil so stark unter Hass im Netz, dass Suizidgedanken im Vergleich zu 2017  um 20 Prozent zugenommen haben. Der Anteil derer, die aufgrund des Mobbings zu Alkohol und Tabletten greifen, ist um 30 Prozent gestiegen. Lest dazu noch mal unseren Beitrag “Mobbing-Opfer: Wenn Körper und Seele leiden“.

So könnt ihr Kinder vor Cybermobbing schützen

Selbstbewusstsein stärken

Mobbingerfahrungen beziehungsweise die Intensität des Leidens fallen und steigen meist mit dem Selbstbewusstsein eurer Kinder. Je selbstbewusster sie durchs Leben gehen, desto seltener lassen sie sich von beleidigenden Aussagen anderer verunsichern, desto weniger sind sie von positiver Aufmerksamkeit abhängig und desto seltener mobben sie andere.

Elterliche Unterstützung bei Cybermobbing

Tröstet euer Kind, wenn es euch von Mobbingerfahrungen berichtet, gebt ihm das Gefühl, dass ihr seine Sorgen ernst nehmt und sagt ihm, dass ihr immer ein offenes Ohr habt.

Medienkompetenz statt Bestrafung

Ganz egal, was euer Kind über sich im Netz gepostet hat – das rechtfertigt zum einen nicht das Cybermobbing an sich und zum anderen ist es wichtig, dass ihr euer Kind nicht für seine Offenheit in Sozialen Netzwerken bestraft und ihnen zumBeispiel ein  Internet- oder Social-Media-Verbot auferlegt. Denn meist ist es so, dass die Kinder, die von Online-Mobbing betroffen sind, häufig von den gleichen Tätern im echten Leben gemobbt werden. Besser ist es, eure Kinder in puncto Medienkompetenz zu schulen. Je mehr sie von sich in den sozialen Netzwerken von sich preisgeben, desto höher ist die Gefahr, gemobbt zu werden. Kinder, die bereits im echten Leben gemobbt werden, sind häufig noch stärker von Cybermobbing betroffen. Gerade dann, wenn sie viel von sich im Netz preisgeben, um dort zum Beispiel die Anerkennung zu bekommen, die ihnen im realen Leben fehlt.

Kinder sensibilisieren

Zur Medienkompetenz gehört auch, dass ihr nicht nur Regeln aufstellt und ein Auge darauf habt, wann und in welchen Sozialen Medien eure Kinder unterwegs sind. Sensibilisiert sie dafür, dass jedes Posting (egal ob Kommentar, Bild oder Video) zum Cybermobbing animieren kann. Überlegt euch also am besten gemeinsam, bei welchen Themen eure Kinder sehr emotional und verletzlich reagieren und sensibilisiert sie dafür, diese Bereiche privat zu halten.

Cybermobbing melden

Zum einen könnt ihr die Täter*innen natürlich melden und blockieren. Bevor ihr aber beispielsweise Kommentare oder Nachrichten löscht, macht Screenshots davon. Werden unerlaubt Videos oder Bilder von euren Kindern ins Netz gestellt, sind die Seitenbetreiber oft dazu verpflichtet, diese zu löschen. Nehmt diese Taten also auf keinen Fall einfach so hin, sondern stellt Kontakt zu den Seitenbetreibern her.

Täter*innen entlarven

Natürlich sollt ihr euch und eure Kinder nicht unnötig in Gefahr bringen. Auch ein Gegenangriff gießt nur unnötig Öl ins Feuer. Habt ihr allerdings eine Vermutung oder sogar eindeutige Beweise, welche Kinder euren Nachwuchs mobben, versucht zuerst Kontakt zu Lehrer*innen und im zweiten Schritt zu den Eltern der Täter*innen aufzunehmen. In sehr belastenden und/oder bedrohlichen Fällen solltet ihr Anzeige erstatten – denn Cybermobbing ist strafbar. Leider zeigt die Studie auch, dass gerade Haupt- und Realschulen immer häufiger mit einer hohen Cybermobbingrate und damit auch Gewaltbereitschaft der Schüler*innen konfrontiert werden und mit dieser Situation überfordert sind und leider bislang auch zu wenig Prävention betreiben. Wichtig ist dennoch, dass ihr nicht schweigt, wenn euer Kind über Mobbing berichtet, sondern versucht, die Probleme mit allen Beteiligten zu lösen.

Hier findet ihr weitere Tipps gegen Mobbing!

Titelbild: © New Africa

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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