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Coronavirus in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Coronavirus Schwangerschaft
Saskia
Geschrieben von Saskia

Ist das (ungeborene) Baby gefährdet?

Als Schwangere und Neu-Eltern habt ihr es derzeit nicht leicht. Denn abgesehen von den körperlichen und psychischen Veränderungen, die eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes mit sich bringen, stellt ihr euch aktuell auch die Frage, ob und inwieweit eine Infektion mit dem Coronavirus eurem (ungeborenen) Baby schaden kann.


Die Informationslage zu SARS-CoV-2 ändert sich fast stündlich und als Schwangere und Neu-Eltern seid ihr natürlich besonders verunsichert. Frauenärzte in Deutschland geben wichtige Tipps.

Sind Schwangere durch das Coronavirus besonders gefährdet?

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko haben, an SARS-CoV-2 zu erkranken. Vorausgesetzt, sie sind gesund und haben keine Vorerkrankungen. Bei gesunden schwangeren Frauen, die am Coronavirus erkranken, werden leichte bis mittelschwere Symptome erwartet, die einer Erkältung oder Grippe ähneln. Um keine unnötigen Risiken einzugehen und alle notwendigen Behandlungsschritte rechtzeitig in die Wege leiten zu können, rät der Berufsverband der Frauenärzte, den behandelnden Frauenarzt so schnell wie möglich telefonisch über die (vermutete) Infektion zu informieren. Erreicht ihr euren behandelnden Arzt nicht oder ruft ihr außerhalb der Praxiszeiten an, könnt ihr auch das zuständige Gesundheitsamt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefonnummer 116117) telefonisch kontaktieren.

Grippeschutzimpfung für Schwangere

Als Schwangere solltet ihr wie alle anderen Personen auch versuchen, das Infektionsrisiko so gut wie möglich einzudämmen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt dazu die gleichen Schutzvorkehrungen wie bei der Grippe: regelmäßiges Händewaschen und mit Desinfektionsmittel (mindestens 60 Prozent Alkohol) reinigen, in die Armbeuge husten und niesen, Taschentücher nach einmaligem Benutzen wegwerfen, Homeoffice und das Vermeiden von Menschenansammlungen. Weitere Infos findet ihr unter infektionsschutz.de. Außerdem raten Mediziner zu einer Grippeimpfung. Damit vermeidet ihr zum einen eine Doppelinfektion und zum anderen gebt ihr dadurch Anti-Körper an euer ungeborenes Baby weiter.

Kann das Coronavirus dem ungeborenen Baby schaden?

Da es sich um ein unbekanntes Virus handelt, ist es für Ärzte noch nicht möglich, eine eindeutige Antwort darauf zu geben. Derzeit gibt es jedoch keine Hinweise, dass es durch Corona zu Fehlgeburten kommt oder dass infizierte Schwangere SARS-CoV-2 auf ihr ungeborenes Kind übertragen können, wodurch bislang Anomalien ebenfalls ausgeschlossen werden können. Auch Berichte aus China zeigen, dass bei 20 infizierten Schwangeren durch die Geburt die Babys nicht infiziert wurden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Schwangere in Quarantäne ergreifen?

Sofern euch dazu geraten wird, euch zu isolieren, solltet ihr eure Wohnung für 14 Tage nicht verlassen und Kontakt zu anderen Personen – das gilt auch für Besuche im eigenen Zuhause – vermeiden.

Das bedeutet außerdem:

  • Räume regelmäßig lüften
  • Kontakt zu Personen im eigenen Haushalt ebenfalls einschränken
  • separate Handtücher, Geschirr usw.
  • Mahlzeiten getrennt oder mit ausreichend Abstand (anderthalb bis zwei  Meter) voneinander einnehmen
  • wichtige Besorgungen entweder von Familie und Freunden oder durch einen Lieferservice ohne direkten Kontakt erledigen lassen

Zeigt ihr schwere Symptome, ist es möglich, dass ihr stationär behandelt werden müsst.

Vorgeburtliche Untersuchungen trotz Quarantäne?

Erkundigt euch telefonisch bei eurem Frauenarzt, ob beziehungsweise wie ihr eure vorgeburtlichen Untersuchungen wahrnehmen könnt, sofern ihr eine Infektion vermutet oder diese bereits bestätigt wurde. Euer Arzt und/oder eure Hebamme wird/werden dann entscheiden, ob die Untersuchungen möglicherweise um 14 Tage verschoben werden können. Ist der Termin notwendig, werden die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, damit ihr die Untersuchung wahrnehmen könnt und keine Risiken befürchten müsst. Habt ihr bereits Wehen, unterrichtet so früh wie möglich die Geburtsstation über eure (vermutete) Coronainfektion.

Hebammenbetreuung per Telefon und Videokonferenz

Um keine unnötigen Risiken einzugehen, haben Krankenkassen wie BIG direkt gesund ihre Leistungen der derzeitigen Situation angepasst. Neben der Möglichkeit, sich beispielsweise von eurem Hausarzt per Telefon krankschreiben zu lassen, kann euch eure Hebamme nun auch per Telefon oder Videokonferenz betreuen. Darunter fallen individuelle Vor- und Aufklärungsgespräche zur Schwangerschaft und Geburt sowie Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse. Die Änderungen gelten voraussichtlich bis zum 19. Juni 2020. Alle weiteren Infos zu den angepassten BIG-Leistungen und den Voraussetzungen findet ihr hier.

Wirkt sich eine Infektion mit Covid-19 auf die Art der Geburt aus?

Bei Verdacht oder bestätigter Infektion mit Covid-19, wird von einer Hausgeburt und einer Entbindung im Geburtshaus abgeraten. Zudem soll die Schwangere beim Eintritt der Wehen unverzüglich eine Klinik aufsuchen, um das Ungeborene rund um die Uhr überwachen zu können. Klärt dazu frühzeitig, ob die Geburtsstation auf eure individuelle Situation vorbereite ist. Bislang liegen keine Hinweise vor, dass eine mit dem Coronavirus infizierte Schwangere durch eine Vaginalgeburt ihr Baby gefährdet beziehungsweise dass ein Kaiserschnitt sinnvoller ist. Allerdings sollte auf Lachgas während der Geburt dringend verzichtet werden, da dies die Ausbreitung von Covid-19 erhöhen kann.

Geburtsbegleitung während der Corona-Pandemie

Derzeit sind viele Schwangere verängstigt, da Kliniken damit begonnen haben, eine Geburtsbegleitung bei einer natürlichen sowie bei einer Kaiserschnittgeburt zu verbieten. Laut der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Begleitperson nach wie vor dringend zu empfehlen. Informiert euch also am besten so früh wie möglich über die Gegebenheiten der Kliniken/Geburtsabteilungen in eurer Nähe und besprecht diese auch mit eurem Arzt und eurer Hebamme.

Laut WHO und Fachgesellschaften gelten folgende Empfehlungen:

  • Gebären mit Partner*in muss möglich sein!
  • Eine Klinik darf eine Schwangere nicht zum Kaiserschnitt sowie nach der Geburt zur Trennung vom Kind zwingen!
  • Stark eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten müssen auch vom Partner*in akzeptiert werden!
  • Partner*innen mit Corona-Symptomen sollen die Geburtsabteilung/ die Klinik nicht betreten!

Quelle: Mother Hood e.V.

Gemeinsames Wochenbett trotz Corona?

Die Frage, ob Neu-Mütter trotz (vermuteter) Coronainfektion direkt nach der Geburt beziehungsweise in den ersten 14 Tagen des Wochenbetts bei ihrem Baby bleiben dürfen, beantworten Experten derzeit sehr unterschiedlich. Solange es dem Baby gut geht und es beispielsweise kein Frühchen ist beziehungsweise auf der Neugeborenenstation versorgt werden muss, spricht laut vieler Ärzte nichts dagegen. Dennoch lässt sich diese Frage nur individuell beantworten und aufgrund der Neuartigkeit des Virus, können sich die Empfehlungen schnell ändern.

„Zurzeit bewerten wir alle Informationen, die uns über Fachmagazine, die Medien und Netzwerke erreichen, Tag für Tag neu. Bis wir Untersuchungen haben, die etwas anderes belegen, bleibt unsere Haltung vorerst, uns so zu verhalten, wie wir das üblicherweise tun, wenn die Mutter an einer infektiösen Atemwegserkrankung leidet: Mutter und Kind bleiben zusammen, die Mutter wird zur Handhygiene angehalten, sie sollte ihr Kind nicht küssen und einen Mundschutz tragen. Der Vater sollte nach Möglichkeit das Wickeln und alles andere übernehmen“, so der leitende Oberarzt der Neonatologie am Universitätsspital Zürich Manuel Schmid (Quelle: DER SPIEGEL).

Hier erfahrt ihr, wie Muttermilchbanken mit Covid-19 umgehen.

Stillen mit Coronavirus?

Bislang gibt es keine Indizien dafür, dass Covid-19 über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden kann. Laut Manuel Schmid gäbe es sogar bereits Untersuchungen, die zeigen, dass sich in der Muttermilch infizierter Mütter Antikörper gegen das Coronavirus nachweisen lassen. Allerdings sei bislang nicht klar, ob Antikörper, die getrunken werden, eine schützende Wirkung gegen Erkrankungen haben, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden (Quelle: DER SPIEGEL).

Verdachtsfälle oder infizierte Mütter sollten folgende Hygienemaßnahmen ergreifen:

  • Hände inklusive Handgelenk mindestens 20 Sekunden lang mit Seife reinigen, bevor der Kontakt zum Baby hergestellt wird oder Utensilien für das Baby berührt werden.
  • Um eine Tröpfcheninfektion ausschließen zu können, tragt während des Fütterns und Kuschelns eine Gesichtsmaske/einen Mundschutz.
  • Sterilisiert Gegenstände wie Milchflasche, Milchpumpe, Schnuller usw. regelmäßig und haltet euch dabei an die Richtlinien.

Stand der Empfehlungen: 02.04.2020 durch den Berufsverband der Frauenärzte e.V., dem Royal College of Obstetricians and Gynaecologists © 2020 und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (dggg)

Titelbild: © chika_milan

Über den Autor

Saskia

Saskia

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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