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Burnout bei Kindern: Wenn Förderung zu Überforderung wird

Burnout Kinder
Saskia
Geschrieben von Saskia

Viele Pflichten, wenig Zeit zur freien Entfaltung.

Ihr habt heutzutage unendlich viele Möglichkeiten, wenn es darum geht, die Freizeit eurer Kinder sinnvoll zu gestalten. Ein Sportverein gehört meist zum absoluten Pflichtprogramm. Ein zweites oder sogar drittes Hobby? Wieso eigentlich nicht?! Dann wäre da noch der Schulalltag inklusive Hausaufgaben, eine freiwillige AG und hapert es an guten Noten, ist regelmäßige Nachhilfe ebenfalls beschlossene Sache. Entspannung und Phasen, in denen der Nachwuchs spontan entscheiden kann, worauf er Lust hat, kommen dadurch allerdings zu kurz. Dass schon Kinder unter Burnout leiden, ist daher längst keine Seltenheit mehr! 


So leidet laut einer Stress-Studie rund jedes sechste Kind zwischen sechs und elf Jahren (18 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren (19 Prozent) in Deutschland unter erhöhtem Stress. Auch die übrigen 82 Prozent gaben an, unter Stress-Symptomatiken zu leiden, wenn auch in etwas geringerer Ausprägung.

Zudem zeigt die Studie, was ein hoher Stresspegel bei Jugendlichen bewirken kann:

  • 11 Prozent haben depressive Verstimmungen.
  • 13,6 Prozent fühlen sich wie Versager.
  • 47,2 Prozent fühlen sich manchmal nutzlos.
  • 32,4 Prozent ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück.

Folgende Symptome können auf einen Burnout bei Kindern und Jugendlichen hindeuten:

  • Schlafstörungen
  • chronische Müdigkeit
  • allgemeine Unlust/depressive Verstimmungen
  • keine Energie
  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • aggressives/zorniges Verhalten
  • Unkonzentriertheit

Ursachen: Die drei größten Stressfallen bei Kindern

Doch ihr solltet nicht nur ein Gespür für die wichtigsten Stress-Symptome, sondern vor allem dafür entwickeln, welche Hauptursachen zu einem Burnout bei Kindern führen können. Denn die Studie macht auch deutlich, dass dieser erst durch übertriebenen elterlichen Ehrgeiz und Druck ausgelöst wird.

1. Vergleiche

Ob es das Nachbarskind ist, das schon viel besser sprechen, oder die Kita-Freundin, die schneller Fahrradfahren kann. Schon Kleinkinder sind unweigerlich Vergleichen mit anderen Kindern ausgesetzt. Dies geschieht meist unbewusst und hat in der Regel nichts damit zu tun, dass Eltern ihr Kind damit demütigen oder unter Druck setzen wollen. Vergleiche finden aber nicht nur auf privater, sondern beispielsweise auch auf ärztlicher Ebene statt. Bereits bei den Kindervorsorgeuntersuchungen werden Eltern mit Mittelwerten zu ganz bestimmten Fähigkeiten konfrontiert, die ihr Kind erfüllen sollte. Entsprechen sie diesen nicht, geben Eltern alles, um den Rückstand aufzuholen beziehungsweise die angeblichen Defizite auszumerzen.

2. Konkurrenzkampf

Woher kommt eigentlich der Irrglaube, dass Kinder Spaß daran haben, sich laufend mit anderen zu messen? Natürlich kann es in einem Sportverein oder während eines Wettkampfes auch mal toll sein, sich vor anderen Kindern zu behaupten beziehungsweise sein Können unter Beweis zu stellen und als Sieger vom Platz zu gehen. Und gewiss lernt der Nachwuchs auch aus Niederlagen. Allerdings erzeugt Konkurrenzkampf auch Druck, Stress, Neid, Versagensängste und Enttäuschung. Ein Hobby kann dann ganz schnell zur Qual werden – geschweige denn kann ein Kind dadurch ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entwickeln.

3. Hohe Erwartungen

„Mein Kind soll es einmal besser haben als ich“ oder „irgendwann tritt es in meine Fußstapfen“. Solche Gedanken sind typisch für Eltern. Damit geht allerdings oft ein erhöhter Leistungsdruck einher, der sich laut Stress-Studie in der dritten und vierten Klasse zuspitzt, da mit dem Schulwechsel die ersten Weichen für einen guten Schulabschluss gelegt werden. Zudem wünschen sich 60 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder zu den erfolgreichen Schülern gehören. Diesem Wunsch gerecht werden können allerdings nur 30 Prozent. Sind die schulischen Leistungen nicht zufriedenstellend, färbt die Enttäuschung der Eltern – selbst wenn sie nicht offen ausgesprochen wird – auch auf den Nachwuchs ab. Kinder und Jugendliche spüren meist schon intuitiv, wenn sie den Anforderungen der Eltern nicht gerecht werden und leiden sehr unter dieser Situation.

So könnt ihr eurem Kind helfen

Freie Zeit statt vollgepackter Freizeit

Stellt ihr als Eltern fest, dass euer Nachwuchs Anzeichen eines Burnouts zeigt, zieht erstmal die Notbremse und drosselt den Freizeitstress eures Kindes, indem es gerade nicht alle Termine wahrnehmen muss. Zudem solltet ihr ihm zeigen, dass es sich euch ohne Angst anvertrauen kann und ihr Verständnis für seine Situation habt. Leider kann nicht jedes Kind offen darüber sprechen, was ihm gerade zu viel ist, wovor es Angst hat oder was ihm einfach keinen Spaß bereitet.

Als zweiten Schritt könnt ihr dann euren Kinderarzt hinzuziehen, um gemeinsam zu entscheiden, ob euer Nachwuchs weitere medizinische oder therapeutische Hilfe benötigt. In vielen Fällen genügt es aber bereits, wenn euch bewusst wird, dass der Alltag eures Kindes schlichtweg zu voll gepackt ist und es mehr freie Zeit benötigt. Und zwar wirklich freie Zeit, um einfach mal ganz spontan entscheiden zu können, wonach ihm ist. Sogar Langeweile ist zwischendurch vollkommen okay und wichtig.

Erwartungen herunterschrauben

Der zweite wichtige Punkt, den ihr als Eltern beherzigen solltet: Schraubt eure Ansprüche herunter! Gewiss wollt ihr nur das Beste für euer Kind. Es immer in Watte zu packen, hilft ihm natürlich auch nicht dabei, selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Versucht stattdessen, einen Mittelweg zu finden. Gute Noten sind wichtig, bedeuten aber nicht, dass euer Kind in jedem Fach glänzen muss. Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern sind ebenfalls nicht hilfreich. 😉

Es hat keine Lust mehr auf ein bestimmtes Hobby oder es bringt nicht die Leistung, die ihr euch erhofft habt? Druck und Vorwürfe machen die Situation nur noch schlimmer. Versucht herauszufinden, aus welchem Grund euer Kind zum Beispiel keine Freude mehr am Sportverein hat und gebt ihm die Möglichkeit, eine kleine Pause einzulegen, in einen anderen Verein zu wechseln oder sich ein neues Hobby zu suchen. Übt es mehrere Hobbys regelmäßig aus, bedeutet es auch nicht zwingend, dass es etwas davon aufgeben muss. Ausschlaggebend ist, dass es Spaß daran hat und mitentscheiden darf. Hat es an allen Dingen Freude, ist es meist ausreichend, dass ihr lediglich die Anzahl der Trainings- beziehungsweise Übungsstunden reduziert. Liegt die Unlust eher daran, dass ihr unzufrieden mit der Leistung eures Kindes seid beziehungsweise es unentwegt pusht?

Die Lösung ist einfacher als ihr denkt: Akzeptiert und liebt euer Kind so, wie es ist, und macht eure Zuneigung ihm gegenüber niemals von Leistungen abhängig! Es zwischendurch in den Arm zu nehmen und zu loben, versteht sich natürlich von selbst! 🙂

Titelbild: © chalabala

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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