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Badeurlaub: So schützt ihr euer Kind vor dem Ertrinken

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Saskia
Geschrieben von Saskia

Nicht nur Nichtschwimmer sind gefährdet!

Endlich Sommer, endlich heiße Temperaturen, endlich ab ins Freibad, an den See oder ans Meer! Der einzige Haken? Immer weniger Kinder können (sicher) schwimmen. Im Jahr 2018 stieg die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren um 38 Prozent. 26 der 71 Todesopfer waren Kinder im Vor- und Grundschulalter, und fast alle waren Nichtschwimmer. Bei Kleinkindern ist das Ertrinken nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache. Als Eltern könnt ihr einige Dinge beachten, um euer Kind vor dem Ertrinken zu bewahren.


Ein großer Trugschluss ist nach wie vor, dass Kinder, die gerade schwimmen gelernt haben, mit Schwimmhilfen oder unter der Aufsicht eines Bademeisters schwimmen, angeblich sicher im Wasser sind. Natürlich könnt ihr eure Kinder nicht ununterbrochen im Auge haben. Aber lebensgefährliche Situationen können innerhalb weniger Sekunden entstehen. Hier findet ihr die wichtigsten Infos zum Schwimmen lernen.

Mit den folgenden 5 Tipps könnt ihr euer Kind vor dem Ertrinken schützen:

1. Aufmerksamkeit

Jede Schlagzeile eines ertrunkenen Kindes ist schockierend. Und dennoch sind viele Eltern überzeugt, dass ihnen so etwas niemals passiert. Leider geschieht das Ertrinken in Windeseile – bereits 20 Sekunden genügen. Auch wenn es ein wenig nach Helikopter-Eltern klingt: Lasst eure Kinder im Schwimmbad, am See oder am Meer niemals unbeaufsichtigt und seid in nächster Nähe. Das gilt übrigens auch dann, wenn sich euer Kind nur am Rand des Gewässers aufhält. Die meisten Badeunfälle passieren nämlich durch unbeabsichtigtes Hineinfallen. Um euch trotzdem entspannt eurem Buch, Handy oder anderen Dingen widmen zu können, nehmt immer eine weitere Aufsichtsperson mit, auf die Verlass ist und wechselt euch mit der Aufsicht ab.

2. Schwimmhilfen nur unter Aufsicht

Kann euer Kind noch nicht schwimmen, gehören Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder Schwimmringe zur Grundausstattung. Allerdings schützen diese nicht zu 100 Prozent vor dem Ertrinken. Der Kopf ist bei Kindern im Vergleich zum restlichen Körper verhältnismäßig groß und schwer, weshalb sie trotz Schwimmhilfen schnell mit dem Kopf nach vorne ins Wasser kippen können. Auch hier genügen bereits wenige Sekunden der Unachtsamkeit und euer Kind gerät unter Wasser und somit in Lebensgefahr. Zudem sollten Nichtschwimmer alleine immer nur bis zum Bauch ins Wasser gehen. Auch hier gilt: Nur unter Aufsicht!

3. Vorsicht auch vor flachen Gewässern

Kleine Kinder können bereits in Pfützen und Regentonnen ertrinken. Auch hierbei spielt wieder der verhältnismäßig große Kopf eine Rolle. Fallen sie hin, genügt es bereits, wenn der Kopf unter Wasser ist und das Risiko des Ertrinkens steigt enorm.

4. Ertrinken geschieht leise

In der Regel gehen wir davon aus, dass sich ertrinkende Personen durch Winken, Strampeln und Hilfeschreie bemerkbar machen. Gerade bei Kindern ist dies allerdings ein großer Trugschluss. Meist gehen kleine Kinder sofort unter und tauchen nicht mehr auf. Aber auch ältere Kinder und Erwachsene haben meist keine Energie mehr, um auf sich aufmerksam zu machen. Ertrinkende sind panisch und können nicht mehr strampeln oder winken, weil sie instinktiv ihre Beine nach unten und die Arme zur Seite ausstrecken, um nicht unterzugehen. Ist euer Kind im Wasser also verhältnismäßig still, sollte euch dies noch wachsamer machen.

5. Nicht nur Nichtschwimmer ertrinken

Regelmäßig warnt die DLRG davor, dass auch Kinder und Erwachsene, die bereits schwimmen können, ertrinken können. Hat euer Kind beispielsweise gerade sein Seepferdchen gemacht, bedeutet das längst nicht, dass es sich wirklich sicher und über eine längere Zeit im und unter Wasser aufhalten kann.

Weitere Gründe für das Ertrinken:

  • Ein Stimmritzenkrampf, der die Atmung verhindert.
  • Plötzliche Erschöpfung und/oder Unterkühlung
  • Aufgeschlagener Kopf – beispielsweise nach einem Köpper, nach dem Springen vom Beckenrand, während des Tobens etc.
  • Starke Strömungen oder Wellenbäder
  • Bauchklatscher – nicht nur schmerzhaft, sondern kann einen Kreislaufschock und somit eine Ohnmacht auslösen

11 Baderegeln für Kinder

Bevor ihr euch ins Freibad, an den See oder ans Meer begebt, geht mit euren Kindern regelmäßig folgende Verhaltensregeln durch:

  1. Sag immer Bescheid, wenn du ins Wasser gehst!
  2. Am Beckenrand wird nicht gerannt!
  3. Als Nichtschwimmer gehst du nur ins Nichtschwimmerbecken und bis zum Bauch ins Wasser!
  4. Halte dich nicht unter Rutschen und Sprungtürmen auf!
  5. Beachte die Warnhinweise am Schwimmbecken, am Strand und in Wasserrutschen!
  6. Springen darfst du nur, wenn du sicher unter Wasser bist und wenn das Gewässer tief genug ist!
  7. Schubsen, Untertauchen oder ähnliche Dinge sind tabu!
  8. Schwimmübungen, Tauch- und Springversuche nur unter Aufsicht!
  9. Mit ganz leerem oder ganz vollem Magen nicht ins Wasser gehen!
  10. Gewöhne dich langsam an die Kälte und verlasse das Wasser, sobald du anfängst zu frieren oder erschöpfst bist!
  11. Achte auch auf andere Personen im und am Wasser!

Immer mehr Schwimmbäder schließen

Ein Grund, weshalb Deutschland mehr und mehr zum Nichtschwimmerland wird, sind restlos ausgebuchte Schwimmkurse und fehlende Routine. Das liegt daran, dass die Zahl der Schwimmbäder in Deutschland immer weiter sinkt. Um weitere Bäderschließungen zu stoppen, hat die DLRG eine Online-Petition ins Leben gerufen, an der ihr euch ganz einfach beteiligen könnt.

Wir wünschen euch eine tolle und vor allem sichere Badezeit!

Titelbild: © Robert Kneschke

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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