Baby Gesundheit

Baby-Yoga: Muss das sein?

Baby Yoga
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Die Trend-Mutter von heute muss jeden Schnickschnack mitmachen, um bei den Vegan-Smoothie-Gesprächen gut anzukommen. Da Mütter sehr gerne über die zusammen verbrachte Zeit mit ihren Kindern reden, müssen immer mal wieder neue, aufregende Geschichten her. Eine Chance zu zeigen, wie toll das eigene Kind ist, wäre mit ihm Baby-Yoga zu machen. Das unterstreicht zum einen wie sehr sich die Mutter mit ihrem Kind beschäftigt, zum anderen ist Yoga total angesagt und gesund. Das ist doch total super, oder? Hier nun erst einmal drei bekannte Internet-Phänomene in Bezug auf Baby-Yoga.


Gisele Bündchen ist auch so eine Supermutter. Sie sieht gut aus, hat ein Kind und einen Twitter-Account. Daraus resultiert folgendes: Gisele muss sich mit ihrer einjährigen Tochter Vivian ablichten lassen, wie die beiden Yoga machen. Und das wird dann über ihren Twitter-Account der Welt gezeigt.

Ein weiteres Beispiel wäre Amy. Amy hat einen Blog der heißt “Daughter of the Sun“. Sie möchte nicht als Hippie gelten, jedoch versucht sie ein reduziertes Leben zu leben – abseits der Konsumorientierung. Sie stellt Schmuck her und ihr Mann ist Musiker. Für Aufregung sorgte ein Foto, das sie und ihr Baby zeigt. Sie macht eine Yoga-Übung, die kopfüber ausgeführt wird, und ihr Kind saugt an ihrer Brust nach Muttermilch. Dieses Bild hat, warum auch immer, für sehr viel Trubel im Cyberspace gesorgt und wurde auch von Instagram gelöscht.

Baby-Yoga mit der Baby-Dynamics-Yoga-Technik

Das, was die Internetgemeinde jedoch mit Abstand am meisten schockte, ist ein YouTube-Video von Lena Fokina. Sie kommt aus Russland und lernte von dem Begründer der Baby-Dynamics-Yoga-Technik, Dr Igor Charkovsky. Er gilt als Pionier der Wassergeburt und bietet Delfin-Meeresgeburten an. Angeblich sollen diese Kinder, teilweise “Homodolphinus” genannt, einen extrem hohen IQ besitzen und körperlich, sowie emotional überdurchschnittlich gut ausgestattet sein. Alles in allem sehr konspirativ. Dass ihr Video jedoch schockte, ist nachvollziehbar. “Menschen fühlen sich oft angegriffen, wenn sie es sehen, aber sie kennen nicht die wahren Fähigkeiten der Kinder. Diese Fähigkeiten sind weitaus größer, als man annimmt.”, meint die studierte Fokina. Charkovsky fügt hinzu: “Wenn Eltern sich langsam mit Baby-Yoga und Wasser-Training (Anm. d. Red.: Kinder werden des Öfteren mit dem Kopf unter Wasser gehalten, siehe Video) auseinandersetzen, wenn sie auf ihr Kind hören und ihm vertrauen, dann ist es eine absolut sichere Technik.” Dr. Igor Charkovsky steht jedoch in der Kritik, weil ihm besonders von der israelischen Zeitung Ha’aretz vorgeworfen wird, die Kinder schlecht zu behandeln. So soll es angeblich Fälle geben, bei denen bereits erkrankte Kinder nach seiner Therapie gestorben sind. Fairerweise muss man jedoch auch erwähnen, dass es viele positive Stimmen zum Baby-Dynamics-Yoga gibt.

Baby Yoga: Was bringt es meinem Kind?

Sei es Baby-Yoga oder eine andere Art der meditativen Sportgymnastik – man sollte immer überlegen, was das meinem Kind bringt. Ich bin der Meinung, dass junge Kinder nicht sofort lernen müssen, wie man entspannt. Sie sollten aktiv sein. ADS wird oft früh und, wenn man Medienberichten Glauben schenken darf, zu oft attestiert und mit Ritalin und anderen starken Medikamenten behandelt. Das Wort Behandlung in den Mund zu nehmen ist jedoch fragwürdig. Man muss sich einfach damit anfreunden, dass das Kind viel Bewegung und Zuneigung braucht. Natürlich gibt es Momente, wo der Lüdde herunterkommen soll. Aber dafür jetzt ein Baby-Yoga-Kurs zu buchen? Ich denke ein Fußballtraining macht auch müde. Aber macht euch euer eigenes Bild – ihr müsst entscheiden, womit es ihm gut geht. Ich poche nur darauf, dass ihr Trends hinterfragen solltet. Was bringt es für mein Kind? Gibt es Alternativen? Dann wählt eure beste Option. Aber ich kann mir gute Alternativen vorstellen, die nicht auf Baby-Yoga oder Ähnliches zurückgreifen.

“Entspannung kann mit allen drei Verfahren (Anm. d. Red.: Progressive Muskelrelaxion, Fantasiereise, autogenes Training)  erzielt werden. Mit allen bekommt man wieder ein bisschen mehr Ruhe in die Klasse, die physiologische Erregung der Kinder nimmt ab, die Stimmung steigt und das körperliche Befinden verbessert sich. Aber ich erziele den gleichen Effekt, wenn ich die Kinder zwischendurch einfach mal Musik hören lasse oder ihnen eine ganz simple Geschichte erzähle, ohne ihnen dazu Entspannungsinstruktionen zu geben.”, sagt Professor Arnold Lohaus von der Universität Marburg im stern.

Somit sollte klar sein, dass dieser Trend mit Sicherheit nicht schlecht ist, aber eben ein Trend. Man könnte auch auf klassische Methoden wie Babyschwimmen, Geschichtenerzählen oder Brettspiele zurückgreifen. Dann umgeht man die Trendwelle und euer Kind wird nicht zum Hipster-Accessoire. Wenn die Kinder allerdings daran Spaß haben, soll man sie natürlich lassen.

Titelbild: ©Iurii Sokolov – Fotolia.com
Bild Gisele Bündchen: ©Instagram / @giseleofficial
Bild Kopfstand Amy: ©daughterofthesun.blogspot.de

Über den Autor

Redaktion ma-gazin

Redaktion ma-gazin

2 Kommentare

  • Hey Dennis,

    ich bin gerade über den Artikel gestolpert … ich glaube “Baby-Yoga” in diesem Sinne macht ja auch keiner wirklich. Das Video mit dem Baby Dynamics Yoga schockt mich allerdings total … ich kenne glücklicherweise niemanden, der so etwas praktiziert. Das sieht furchtbar aus!

    Zum Glück ist es ja eher so, dass die Mama zum Yoga geht und das Kind eben mitkommt. Sobald die Kleinen mobil werden, also spätestens dann, wenn sie zu krabbeln anfangen, geht das eh nicht mehr, denn dann ist man ja nur noch damit beschäftigt, seinem Kind hinterherzurennen. Aber gerade für die ersten Monate nach der Entbindung ist das perfekt – Yoga ist ein sanfter Sport, viele Übungen bei den Mami-Baby-Yogakursen sind speziell auf junge Mütter zugeschnitten (Stichwort Rückbildung) und man hat nicht das Problem “Wohin mit dem Kind”.

    Viele Grüße! Petra

    • Hallo Petra,

      vielen Dank für dein Feedback. Der Artikel soll bewusst zeigen, wie extrem sich ein Trend entwickeln kann. Deswegen auch der Verweis zu den Baby Dynamics.
      Einen sachlichen Artikel, der Baby-Yoga kritisch beäugt, findet man auf stern.de.
      Ich glaube, dass unsere Meinungen gar nicht so unterschiedlich sind. Du sagst ja selbst, dass die Mama zum Yoga geht und das Baby eben mitkommt. Der Fokus liegt also bei der Mutter.
      Was hälst du von Yoga, das speziell auf Kinder ausgerichtet ist? Wenn es nach dem Stern-Artikel geht, ist es an sich gut, man muss jedoch einen guten Yoga-Lehrer haben. Und genau das ist der Knackpunkt. Ich denke, dass zu viele diesen Trend hinterher eifern, ohne entsprechend ausgebildet zu sein. Die Sicht der Yoga-Anbieter (meine Meinung): Den Trend ausnutzen, um Geld zu verdienen – und das Ganze unter dem Deckmantel: “Wir machen etwas Gutes für Kinder”. Das finde ich nicht in Ordnung.

Hinterlasse ein Kommentar