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Attachment Parenting: Von Bindung und Beziehung

Attachment Parenting
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

‚Attachement Parenting‘, diesen Begriff haben bestimmt viele von euch schon ein-, zwei- oder dreimal gehört. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Philosophie?


Rein faktisch kann man Attachment Parenting, oder zu Deutsch auch „bindungsorientierte Erziehung“ so definieren, dass die Mutter-Kind-Bindung aktiv gefördert wird, indem die Mutter sich nicht nur „maximal responiv“ verhält – also auf alle Bewegungen und Laute ihres kleinen Babys reagiert und eingeht – sondern auch die körperliche Nähe durch Kuscheln, im Arm wiegen oder auf dem Bauch schlafen lassen möglichst viel Zeit in Anspruch nimmt.

Intensive Bindung schaffen

Stillen (auch über das Säuglingsalter hinaus), Co-Sleeping mit Beistellbettchen und das ständige Tragen (im Tragetuch) des Säuglings am Körper sind zentrale Aspekte und sollen eine intensive und einzigartige Bindung fördern, die Kinder zu selbstbewussten und selbstständigen Erwachsenen heranwachsen lässt. Auch der Verzicht darauf, Kinder einer bestimmten Art von Training zu unterziehen – wie beispielsweise Schlaftraining – steht dabei mit im Mittelpunkt.

Mamas, die sich dafür entscheiden, stellen das Vertrauen zwischen ihnen und ihrem Baby an die allererste Stelle. Besonders bestimmte Verhaltensweisen eines Babys, die von manchen Erziehungswissenschaftlern als „fehlerhaft“ angesehen wird, soll individuell und entspannt angegangen werden.

Vertrauen in Signale haben

Weint ein Baby beispielsweise nachts im Bett, sprechen sich nicht wenige für die Selbst-Beruhigung aus. Das heißt, dass Babys sich irgendwann selbst beruhigen und von alleine wieder einschlafen sollen. Die Philosophie des Attachment Parenting sagt, dass die Mama (oder der Papa) Vertrauen in das Baby und seine Signale haben soll. Denn jedes Verhalten hat einen Grund und es ist wichtig herauszufinden, welchen Stress, welche Ängste, Verwirrungen oder Frustration euer Schatz gerade durchmacht. Vielleicht habt ihr auch unbewusst durch euer Verhalten ein bestimmtes Signal ausgelöst und seid dadurch indirekt für das Weinen verantwortlich. Selbstreflektion ist das A und O, denn es ist „Job“ der Eltern, und nicht der Kinder, diese Antworten zu finden.

Grundgedanke des Attachment Parenting ist, dass Erziehungsprobleme oder bestimmtes falsches, erlerntes Verhalten vor allem auf mangelnde Nestwärme zurückzuführen sind. Schlechtes Verhalten wird als Versuch eures Babys oder Kindes angesehen, seine Bedürfnisse kundzutun, und zwar auf die ihm in dem Moment bestmögliche Art und Weise. Und dabei greift es auf die vorangegangenen Erfahrungen zurück.

„Hinter jeder Schwierigkeit liegt eine Chance verborgen“

Bereits Albert Einstein schrieb „Hinter jeder Schwierigkeit liegt eine Chance verborgen“. In diesem Kontext soll auch das „falsche Verhalten“ eures Babys oder Kindes als Chance gesehen werden, das eigene Verhalten als Mama oder Papa zu überdenken und mehr über die Bedürfnisse des Sprösslings zu erfahren. Auf diesen aufbauend kann die Erziehung und Bindung gestärkt werden, für ein verstandenes und zufriedenes Kind, das euch als Eltern vollkommen vertraut und sich dadurch in eurer Gegenwart immer sicher fühlt.

Eine solch sichere Bindung zwischen Eltern und Kind entsteht vor allem dann, wenn man eine gesunde Balance hält zwischen der Zuwendung, die es braucht, und dem Freiraum, den ein Kind braucht, um seine Neugier stillen zu können. Entwicklungspsychologen gehen davon aus, dass Kinder, die wissen, dass jemand für sie da ist, wenn sie die Welt auf eigenen Beinen erkunden, dieses entschiedener und energetischer tun – weil sie sich gleichzeitig sicher und geborgen fühlen.

Attachment Parenting – die berühmte Goldwaage

Natürlich gibt es zum Attachment Parenting auch Gegenstimmen, beziehungsweise ist nicht jedes Wort davon auf die Goldwaage zu legen. Nähe und Geborgenheit stärken die Mutter-Kind-Bindung, das steht außer Frage. Doch ihr müsst auch beachten, dass viel nicht immer viel hilft und eine gesunde Beziehung auf beiden Seiten durchaus ein schmaler Grat sein kann. Wenn ihr euer Kind also (Achtung, absichtliche Übertreibung) 24 Stunden am Tag bei euch habt und an euch „kettet“, dann kann das zu einer Verminderung der Neugier eures Schatzes führen, und das möchte ja keiner. Auch ist es wichtig, lieber zweimal hinzuschauen oder hinzuhören, ob es sich wirklich um ein Bedürfnis handelt, wenn euer Kind nach euch ruft, oder es euch vielleicht „springen lassen“ will – was ab einem bestimmten Alter gerne mal auftreten kann. Ansonsten kann es dazu führen, dass eure Kleinen unselbstständig werden.

Ob Verhätscheln oder „Vernachlässigen“ – Extreme sind nie gut. Und wie ihr seht, ist es nicht viel leichter, sich an bestimmte Philosophien oder Erziehungsmethoden zu halten – jedes Kind ist einzigartig und ihr als Eltern wisst am besten, was eures wirklich braucht.

Titelbild: © rohappy – Fotolia.com

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